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KHD Humboldt Wedag VV : Das letzte Hurra

Wenn es Geld regnet, platzen danach meist ein paar Seifenblasen... Bild: dpa

92 Prozent Dividendenrendite! Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Oder es ist ein Haken dran. Genau so ist es auch.

          KHD Humboldt Wedag International ist ein lebendiges, wenn auch mit einer Marktkapitalisierung von 66 Millionen Euro nicht sehr großes Unternehmen. 2018 machte der Bauer von Zemenwerken rund 150 Millionen Euro Umsatz und zog fast ebenso viel neue Aufträge an Land.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Umsätze in der Aktie sind durchaus lebhaft, die Kursentwicklung allerdings weniger berauschend. Ihren Höchstkurs hatte sie Anfang 2011 mit 8,10 Euro erreicht, aktuell bewegt sie sich mit 1,33 Euro in der Nähe ihrer Tiefststände. Das kann so weit nicht überraschen, denn bei seit 2009 um mehr als die Hälfte geschrumpften Umsätzen macht KHD seit 2014 Verluste. Bestenfalls kann man als Erfolg verbuchen, dass die Verluste ihr bisheriges Maximum 2016 erreichten. Die Zeiten als KHD noch für Klöckner-Humboldt-Deutz stand und das Unternehmen mehr als 3 Milliarden D-Mark Umsatz machte, sind doch lange vorbei.

          Allerdings hat KHD auch eine Tochtergesellschaft, die auf den Namen KHD Humboldt Wedag Vermögensverwaltung (KHD VV) hört. Deren Aktienkurs bewegte sich seit Juli 2017 bei spärlichen Umsätzen zwischen 20 und 30 Euro, bevor es dann am vergangenen Freitag schlagartig auf 5 Euro um 80 Prozent nach unten ging.

          KHD HUMB.WEDAG VV NA O.N.

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          Grund des Kurssturzes war auf den ersten Blick groteskerweise die Ankündigung einer Dividendenausschüttung mit einer Rendite von nicht weniger als 92 Prozent. KHD VV gehört zu den Gesellschaften an den deutschen Börsen, die einmal ein mehr oder weniger erfolgreiches Geschäft hatte, das ihr aber irgendwie abhanden kam.

          Einst hieß die KHD VV Herlitz International und war eine Tochtergesellschaft des Büroartikelherstellers Herlitz, die für den Papierhandel zuständig war. In den Neunzigern geriet diese aufgrund steigender Rohstoffpreise immer stärker in Bedrängnis. Das operative Geschäft wurde Anfang der 2000er ausgegliedert und die Gesellschaft endete schließlich bei KHD, zuletzt zu 91 Prozent. Ende 2008 übernahm die nunmehr KHD Humboldt Wedag Industrial Services (KIS) genannte Gesellschaft die Überwachung der Fertigstellung von Zementwerken, nachdem sie ursprünglich einmal Komponenten für Zementwerke hätte planen und herstellen sollen. Im Mai 2017 stellte KIS die Tätigkeit ein und wurde unter dem Namen KHD VV abermals zu einer reinen Vermögensverwaltung.

          So hätte sie auch noch eine Weile weitermachen können und so scheint es auch zunächst geplant zu sein. Doch dann erschien auf der offenbar dem Aktienkurs entsprechend besuchten Hauptversammlung unvermittelt ein Vertreter der KHD International und stellte einen Gegenantrag, namentlich sämtliche noch vorhanden liquiden Mittel als Dividende auszuschütten. Das machte 23 Euro je Aktie bei einem Kurs von 25 Euro und wurde genehmigt.

          Dass daraufhin der Kurs fiel, ist nicht weiter überraschend, denn außer ihren liquiden Mitteln, einem Darlehen an KHD International und ein paar Wertpapieren besaß KHD VV nichts. Nach der Ausschüttung wird die Gesellschaft dann gar nichts mehr besitzen. Genau diese liquiden Mitteln und die Spekulation auf deren Ausschüttung dürfte es gewesen sein, die den Aktienkurs seit Aufgabe des Geschäfts auf vergleichsweise konstantem Niveau gehalten hat. Dies ist nun entfallen. Interessanterweise hat sich der Kurs seitdem auf 8 Euro erholt. Man fragt sich, ob da jemand die Sache nicht aufmerksam genug verfolgt hat.

          Ob es nun wirklich das letzte Hurra der Aktie gewesen ist, weiß man natürlich nicht so genau. Vielleicht gibt es ja auch diesmal für sie noch eine Verwendung - vielleicht dann mit etwas mehr Fortune.

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