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Mittelstandsanleihen : Auf dem Rückzug

Schalke 04 gehörte 2022 zu den wenigen Emittenten einer Mittelstandsanleihe. Bild: Reuters

Das Jahr 2022 hat am Markt der sogenannten Mittelstandsanleihen für rekordniedrige Emissionszahlen gesorgt. Auch Hybrid-Anleihen gab es merklich weniger.

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          „Annus horribilis“ ist ein Terminus, der am Kapitalmarkt für das Anlagejahr 2022 aktuell des Öfteren Verwendung findet, in dem Aktien- und Anleihekurse gleichermaßen stark fielen. Auch die Risikoaufschläge für Hochzinsanleihen zogen massiv an: Für europäische Anleihen der schwächsten Bonität (C-Anleihen) verdoppelten sie sich gar.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was Wunder also, wenn das Geschäft mit Anleihen kleiner und mittlerer Unternehmen nicht eben brummte. 23 Emissionen zählte die Finanzkommunikationsgesellschaft IR.on im Jahr 2022 in ihrer jährlichen Marktstudie, die der F.A.Z. vorab vorliegt. Es ist die zweitniedrigste Zahl seit Beginn der Erhebung im Jahr 2012. Nur 2016, als niemand etwas von Mittelstandsanleihen wissen wollte, gab es mit 16 Emissionen noch weniger.

          Den absoluten Tiefpunkt erreichten die Volumina. Schon die Emittenten wollten nur noch rund 800 Millionen Euro einsammeln und bekamen am Ende nur 589 Millionen. Das war rund halb so viel wie im Vorjahr und noch nicht einmal zwei Drittel der Summe des Jahres 2016. Angestiegen ist nur der Kupon, und das nicht zu knapp. Hatte dieser in den Jahren davor durchschnittlich meist knapp über 5,5 Prozent gelegen, erreichte er im vergangenen Jahr 6,77 Prozent. Dennoch hält sich der Anstieg in Grenzen – angesichts der Tatsache, dass sich die Renditen von B-Anleihen 2022 verdoppelten und die von C-Anleihen noch stärker stiegen.

          Das Ausfallvolumen erreichte mit 148 Millionen Euro keine Rekordstände. Allerdings gab es bei neun Anleihen von acht Emittenten Restrukturierungen, wie Laufzeitverlängerungen oder Zinsanpassungen. Insgesamt ging es dabei um ein Volumen von insgesamt 690 Millionen Euro. Das war das 11,5-Fache des Vorjahreswerts und immerhin noch doppelt so viel wie im Jahr 2021.

          Die von IR.on befragten acht Emissionshäuser rechnen für das neue Jahr vor allem mit weiter steigenden Kupons aufgrund des höheren Zinsniveaus, aber auch weil Investoren in einem weiter schwierigen Marktumfeld höhere Risikoprämien forderten. Die Zahl der Emissionen wird sich demnach auch nicht erholen.

          Leichte Erholung für Hybrid-Anleihen

          Auch am europäischen Markt für Hybridanleihen ist die Aktivität im vergangenen Jahr eingebrochen. Mit nur noch 12 Milliarden Euro nach 40 Milliarden im Jahr davor, war das Emissionsvolumen auf den niedrigsten Stand seit 2017 gesunken. Für das laufende Jahr prognostiziert die Rating-Agentur Scope ein etwas höheres Volumen von 15 Milliarden Euro, nachdem das Jahr mit einigen größeren Emissionen hoffnungsvoll begonnen hat. Eurofins, Enel, Energias de Portugal und Iberdrola haben Hybrid-Anleihen im Volumen von insgesamt 4,35 Milliarden Euro auf den Markt gebracht.

          Hohe Kupons für die kündbaren Anleihen ohne Laufzeitende aber würden einige Unternehmen etwa aus der Immobilienbrnache abschrecken, meint Azza Chammem, leitender Analyst von Scope. Auch Kündigungen zum erstmöglichen Termin seien weniger zu erwarten, da die Refinanzierungskosten häufig höher seien als die bei Verstreichenlassen dieser Möglichkeit zu zahlenden höheren Kupons.

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