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Übernahmemarkt : Kein Ende des Fusionsrauschs

Berthold Fürst Bild: F.A.Z.

Konzerne spalten sich auf, Private Equity muss Geld unterbringen. 2021 bringt einen Rekord im Übernahmegeschäft. Nächstes Jahr dürfte es ähnlich weitergehen, schätzt die Deutsche Bank.

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          Nach einem Rekordjahr 2021 wird sich das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen nach Erwartung der Deutschen Bank im kommenden Jahr auf ähnlichem Niveau fortsetzen. „Ich sehe keinen Grund, warum wir uns 2022 nicht auf dem extrem hohen Niveau des Vorjahres bewegen werden“, sagte Berthold Fürst, Ko-Leiter für das globale Geschäft mit Mergers & Acquisitions (M&A), im Gespräch mit der F.A.Z.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das laufende Jahr hat nach den Statistiken von M&A-Datendienstleistern schon jetzt den Gesamtjahresrekord von 2007 gebrochen, was das addierte Volumen aller Transaktionen angeht. Dealogic bezifferte auf Anfrage des F.A.Z.-Archivs das globale Volumen mit Stand Donnerstag auf 5,3 Billionen Dollar und jenes mit deutschen Übernahmezielen auf 150 Milliarden Dollar.

          Fürst nannte eine Reihe Faktoren, die die Aktivität noch auf absehbare Zeit befeuern: Aufspaltungstendenzen bei sehr großen Unternehmen; eine Konsolidierung des Markts als Folge der Corona-Pandemie, in der die einen Unternehmen von der Schwäche der anderen profitieren; gesellschaftliches Bewusstsein, wie es sich in Nachhaltigkeitskriterien äußert; der Anlagedruck der Private-Equity-Branche; und branchenspezifisch das Geschehen im IT- und Gesundheitssektor.

          Der Rekord von 2007 ist schon gebrochen

          Seit Oktober steht fest, dass 2021 nach globalem Volumen das Jahr 2007 übersteigt. Damals erreichten im Verlauf des Monats die M&A-Volumina nach Dealogic-Daten die 4,6 Billionen Dollar jenes Rekordgesamtjahrs. Aktivste Branche war der Technologiesektor. Der Finanznachrichtendienst Bloomberg, der mit einem 2007er Wert von 4,1 Billionen Dollar kalkuliert, sah die Rekordmarke ebenfalls im Oktober übertroffen. Fürst erklärte die hohen Zahlen unter anderem mit einem Nachholeffekt: Transaktionen wurden nach Beginn der Coronakrise im Frühjahr 2020 erst einmal auf Eis und später neu aufgelegt.

          Der seit Jahren bestehende Trend zur Aufspaltung in der Industrie ist in den vergangenen Wochen besonders eindrücklich bestätigt worden. Drei Weltunternehmen gaben innerhalb kurzer Zeit entsprechende Beschlüsse bekannt: Der amerikanische Gesundheitskonzern Johnson & Johnson will sein Geschäft mit Konsumgütern in eine separate börsennotierte Gesellschaft ausgliedern. In Japan, wo bisher die Kultur der Konglomerate Bestand hatte, teilt sich Toshiba auf Druck vor allem ausländischer Aktionäre in drei Unternehmen auf. Die sollten dann schneller und zielgerichteter handeln, begründete der übergangsweise Unternehmenschef Satoshi Tsunakawa das Vorhaben. Ein solch bekanntes Großunternehmen aufzuspalten ist für Japan ein Novum.

          Konglomerate spalten sich auf

          Dreiteilen will sich auch General Electric (GE) – und das steht symbolisch wie vielleicht kein anderer Fall für den Trend, galt der amerikanische Industriekonzern doch lange als der Mischkonzern schlechthin. Zusammen mit Siemens aus Deutschland und Philips aus den Niederlanden formte GE das Trio der großen westlichen Konglomerate. Siemens hat sich unter seinem früheren Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser nach dessen Bekunden lieber selbst zerlegt, als dass aktivistischen Investoren ihm den Prozess aufdrückten. Philips – ursprünglich bekannt für Haushaltsgeräte, Glühlampen und Unterhaltungselektronik – hat eine Sparte nach der anderen verkauft und beschränkt sich nunmehr weitgehend auf Medizintechnik. GEs Geschäftsfelder Gesundheit, Luftfahrt und Energie sollen künftig als eigenständige Einheiten an der Börse notiert sein.

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