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Ende der Rekorde? : Kater nach der Party an der Wall Street

Konsumlaune trübt sich ein: Supermarkt in Amerika Bild: AP

Die amerikanischen Börsen haben Rekorde gebrochen, doch nun wächst die Verunsicherung im Einzelhandel – ausgerechnet vor dem entscheidenden Weihnachtsgeschäft. Dabei ist der Konsum ein wichtiger Indikator für Amerikas Wirtschaft.

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          Gemischte Aussichten für amerikanische Einzelhändler und die wieder aufflammende Unsicherheit wegen des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits haben in dieser Woche die Rekordlaune an der Wall Street getrübt. Der Dow Jones gab am Dienstag und Mittwoch nach, nachdem der Index am vergangenen Freitag erstmals über 28.000 Punkten geschlossen hatte. Auch die anderen beiden stark beachteten amerikanischen Aktienmarktbarometer, der breit gefasste S&P 500 und der technologielastige Nasdaq-Composite fielen unter ihre noch zum Wochenauftakt markierten Höchststände.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Am Donnerstag gaben die Indizes im frühen Handel weiter leicht nach. Analysten halten die Rückschläge für eine normale Reaktion auf die jüngsten Kursgewinne. „Die Stimmung war ziemlich optimistisch geworden“, beobachtete Analyst Nick Reese vom Vermögensverwalter Merk Investments. „Das war wahrscheinlich ein wenig überspannt.“

          Gestützt wurde der Optimismus von der Hoffnung auf Fortschritte bei den Handelsgesprächen zwischen den Vereinigten Staaten und China, was die noch im Sommer verbreiteten Rezessionsängste dämpfte. Außerdem hat die Notenbank Fed die Leitzinsen gesenkt und fiel die Bilanzsaison für das dritte Quartal nicht so schlecht aus wie befürchtet. Für Verunsicherung sorgte am Mittwoch allerdings ein Bericht, der eine Vereinbarung über die erste Phase eines Handelsabkommens zum Jahresende in Frage stellte.

          Gleichwohl ist der S&P 500 nach Kursgewinnen von rund 24 Prozent in diesem Jahr überdurchschnittlich hoch bewertet. Auf Basis der für das kommende Jahr erwarteten Gewinne kommt der Index nach Angaben des Informationsdienstes Factset auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,4. Damit liegt das KGV über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 14,9. Die Kennzahl misst, ob Aktien vergleichsweise günstig oder teuer sind. Je höher das KGV, desto höher sind die im Kurs abgebildeten Erwartungen und damit die Gefahr von Rückschlägen.

          S&P 500

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          Deutlich wurde das in dieser Woche am Beispiel einiger Einzelhandelsaktien. Der Aktienkurs der Baumarktkette Home Depot, ein Mitglied des Dow Jones, sackte am Dienstag kräftig um mehr als 5 Prozent ab, nachdem das Unternehmen seine Gewinnziele reduziert hatte. Am Mittwoch gab der Kurs um weitere 2 Prozent nach und erholte sich erst am Donnerstag wieder leicht. Der Kurs der Warenhauskette Kohl’s ermäßigte sich am Dienstag sogar um 19 Prozent, nachdem der Konzern die Prognosen gesenkt hatte.

          Die Schwäche der beiden Titel belastete die ganze Branche. Einzelhändler gehören zu den zyklischen, also konjunktursensiblen Konsumwerten. Diese Titel waren mit einem KGV von knapp 22 zuletzt das am höchsten bewertete Aktiensegment im S&P 500. Home Depot war nach dem Elektronikkonzern Apple die Aktie, die am zweitstärksten zum Kurssprung des Dow Jones von 27.000 auf 28.000 Punkte beigetragen hatte. Der Titel liegt auch nach den jüngsten Rückschlägen im Vergleich zum Jahresanfang immer noch um fast 30 Prozent im Plus.

          Angeführt wurde jüngste Rally von Technologiewerten – also klassischen Wachstumstiteln, denen Anleger ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum unterstellen. Apple war seit Juli allein für mehr als zwei Fünftel der Dow-Gewinne verantwortlich. Die Aktie des iPhone-Herstellers, dessen Geschäft auch stark von der Nachfrage der Privatverbraucher abhängt, liegt in diesem Jahr um rund 67 Prozent im Plus.

          Einzelhändler stehen derzeit als Stimmungsbarometer besonders im Fokus, weil die amerikanische Wirtschaft zu zwei Dritteln vom privaten Konsum abhängt. Das Bild ist allerdings nicht durchgängig negativ. So hatte der größte amerikanische Einzelhändler Walmart in der vergangenen Woche steigende Umsätze in vergleichbaren Filialen und gut besuchte Filialen in den Vereinigten Staaten gemeldet.

          Dazu waren die Einzelhandelsumsätze nach Angaben des amerikanischen Wirtschaftsministeriums im Oktober nach einem zwischenzeitlichen Rückgang im September wieder gestiegen. Jetzt kommt es auf die wichtige Feiertagssaison an, die Ende der kommenden Woche mit dem „Black Friday“ beginnt – der Tag nach dem Thanksgiving-Feiertag, an dem Einzelhändler mit Sonderangeboten locken.

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