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PIN oder ELV : Der Abschied von der Unterschrift

Ein Mann unterschreibt in Hamburg auf einem EC-Beleg die Ermächtigung zum Lastschrifteinzug. Bild: dpa

Bezahlt wird nicht mehr per Lastschrift, sondern mit Pin. Wie es dazu kam und wer davon profitiert.

          Wer mit seiner Girokarte an der Kasse zahlen wollte, hat von Supermarkt zu Supermarkt oder von Tankstelle zu Tankstelle unterschiedliche Erfahrungen gemacht: Bei manchen Anbietern musste man die Pin eingeben, bei anderen wiederum reichte auch die Unterschrift. Doch die Variante mit Unterschrift wird immer seltener und wohl demnächst ganz vom Markt verschwinden. Zuletzt haben sich nämlich Rewe und Aral dafür entschieden, das elektronische Lastschriftverfahren (ELV) auslaufen zu lassen und nur noch auf die Pin zu setzen. Das berichtet die „Lebensmittelzeitung“.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auf dem Bezahlmarkt ist seit einiger Zeit viel in Bewegung. Ursprünglich wurde das ELV entwickelt, um die Dominanz der Banken auf dem Markt zu brechen. Dass Verfahren mit der Pin-Eingabe ließen sich die Geldinstitute vom Handel fürstlich bezahlen. Lange Zeit galt: Für jede durch Pin autorisierte Zahlung werden 0,3 Prozent vom Umsatz fällig und immer mindestens 8 Cent. Bei Milliardenumsätzen im Handel kommen da schnell einige Millionen für die Banken zusammen.

          Das ELV war für den Handel dann eine günstigere Alternative. Es fielen dort gar keine Bankgebühren an, allerdings hat der Händler auch das Risiko eines Zahlungsausfalls getragen. Damit dieser so selten wie möglich vorkommt, wurden Dateien gepflegt, um gestohlene oder auffällige Debitkarten vom Handel auszuschließen. Doch lange Zeit kam trotz der teuren Konkurrenz das ELV nicht so recht vom Fleck.

          Wozu noch Lastschrift?

          Das änderte sich erst auf Drängen der Europäischen Kommission. Diese bremste die Gebühren radikal ein, sowohl für die Girokarten als auch für die Kreditkartenzahlungen. Damit kam Bewegung in den Markt. Laut dem EHI Retail Institute zahlte ein Händler im Durchschnitt im Vorjahr nur noch 0,185 Prozent für eine Transaktion. Größere Händler zahlen sogar noch weniger.

          Wozu also noch Lastschrift? Diese Frage stellen sich immer mehr Händler. Denn unabhängig von der Preisfrage erhöht das ELV-Verfahren die Komplexität an der Kasse. Der Bonausdruck und die Unterschrift dauern länger als die Pin-Eingabe, das Ausfallrisiko ist nicht zu verachten verbunden mit einem möglichen Inkassoverfahren, und datenschutzrechtliche Aspekte wurden von Datenschützern immer wieder angemahnt. Länger als ein Jahr müssen die Belege aufgehoben werden, was in der digitalen Welt anachronistisch wirkt. Außerdem setzen viele der neuen mobilen Bezahlsysteme mit dem Handy auf dem Girocard-System auf – auf Dauer mehrere Systeme zu betreiben, lohnt einfach nicht mehr.

          Die Buchhandel-Kette Hugendubel ist länger umgestellt. Discounter wie Aldi und Lidl, aber auch große Supermarktketten wie Kaufland und Edeka haben dem ELV schon den Laufpass gegeben.

          Aral hat Anfang Juli komplett auf das Pin-System umgestellt. Dabei war Aral die Tankstellenkette, die das Pin-System ins Wanken brachte. Denn als die Tankstellenkette damals vom Pin-Verfahren auf das ELV umstieg, musste die Girocard-Branche ihre Gebühren senken, um wieder attraktiv zu werden.

          Rewe soll nun dem Vernehmen nach deutlich niedrigere Gebühren für die Pin-Zahlung mit den Banken ausgehandelt haben. Sowieso sind Rewe-Kunden schon gewohnt, dass es das ELV nicht gibt. So verzichtete der Konzern im Jahr 2010 für mehrere Monate auf das Verfahren, damals gab es Beschwerden von Datenschützern. So oder so, das ELV befindet sich seit Jahren auf dem Rückzug, seitdem die Gebühren gedeckelt wurden. Im Vorjahr wurden nur noch etwas mehr als zehn Prozent des Einzelhandels-Umsatzes per ELV eingezogen. Dagegen rund ein Viertel per Girocard mit Pin.

          Zu den größten ELV-Anbietern hierzulande zählen noch Rossmann und Globus sowie einige Tankstellen. Doch setzt sich die Marktentwicklung so fort wie in den vergangenen drei Jahren, dürfte die Unterschrift auch dort bald passé sein. Das muss mittelfristig aber keine gute Idee sein. Noch können die Manager damit drohen, eben auf das ELV-Verfahren zu setzen, wenn sie keine günstigen Gebühren von den Banken angeboten bekommen. Sollte es bald vollkommen in der Mottenkiste verschwunden sein, fällt dieses Argument zumindest weg, und es könnte wieder teurer werden.

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