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Karatbars : Dubiose Geschäfte mit Krypto-Gold

  • -Aktualisiert am

Behördenloge der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin Bild: dpa

Die Finanzaufsicht Bafin und die Staatsanwaltschaft gehen gegen den Stuttgarter Goldhändler Karatbars vor. Die Unternehmensgruppe soll 100 Millionen Euro von Anlegern eingesammelt haben – und weist den Verdacht des Betrugs von sich.

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          Die Staatsanwaltschaft nimmt die Geschäfte des in Stuttgart ansässigen Goldhändlers Karatbars und seines Gründers Harald Seiz unter die Lupe. Gegen ihn wird nach Informationen der F.A.Z wegen Verdacht des Betrugs ermittelt. Ein Behördensprecher wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Vorgang äußern. Seiz gründete die Karatbars International GmbH nach Angaben auf der Internetrepräsentanz im Jahr 2011 und bietet Geschäfte rund um das Edelmetall an, darunter auch zwei Kryptowährungen, die angeblich mit Gold hinterlegt sind – den Karatgold Coin und den KaratCoinBank Coin.

          Die Finanzaufsicht Bafin stoppte nun am Montag den Vertrieb einer Kryptowährung. Bereits mit Bescheid vom 21. Oktober sei der Karabit Foundation mit Sitz im Karibik-Staat Belize aufgegeben worden, das durch die Ausgabe des Karatgold Coins (KBC) ohne Erlaubnis in Deutschland betriebene E-Geld-Geschäft einzustellen und abzuwickeln. Die Firmengruppe hatte laut einem Bericht des „Handelsblatts“ bei Anlegern im Frühjahr 2018 mit dem KBC bis zu 100 Millionen Euro eingesammelt. Über eine Stiftung in dem Karibik-Staat habe sie zwölf Milliarden KBC aufgelegt.

          Das Unternehmen wies den Vorwurf zurück, Anleger getäuscht zu haben. „Durch Karatbars und seine Produkte ist noch nie ein Kunde oder Partner geschädigt worden“, wurde Seiz in einer Mitteilung zitiert. Auffallend an der von dem Unternehmen verbreiteten Mitteilung war, dass als Absenderadresse der E-Mail keine Unternehmensadresse angegeben ist, sondern die vom Internetkonzerns Google bereitgestellte Mailadresse. Außerdem verwies Seiz darauf, dass deutschen Kunden oder Vertrags- und Vertriebspartnern die besagte Kryptowährung nie verkauft worden sei. Sie sei immer nur eine kostenlose Beigabe zu anderen Karatbars-Produkten gewesen. Außerdem sei ihm von offiziellen Ermittlungen nichts bekannt.

          Die Karatbars International GmbH bezeichnete sich auf ihrer Internetseite selbst als „Marktführer im Bereich Gold in kleinen Stückelungen.“ Bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gab es bislang keine Beschwerden über das Unternehmen. Aber Verbraucherschützer Niels Nauhauser verzeichnet zunehmend Anfragen zum Thema Kryptowährungen. „Wir raten generell von solchen Sachen ab.“ Das seien hochriskante Geschichten und keine Geldanlage. Es bestehe die Gefahr, dass man auf Betrüger hereinfalle. „Oftmals werden wilde Geschichten erzählt und außergewöhnliche Renditen versprochen“, warnte Nauhauser weiter. Anleger setzen in turbulenten Zeiten immer auch auf Gold, weil das glänzende Edelmetall als krisensichere Anlage gilt. Diesen Umstand nutzen findige Geschäftemacher regelmäßig aus.

          So hatte etwa PIM Gold aus dem hessischen Heusenstamm bei Anlegern über Jahre Gelder zum Kauf von Gold eingesammelt. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt nun wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug: Ein Teil des angeblich eingelagerten Goldes war wohl nie vorhanden. Infolge der Ermittlungen meldete die Firma Insolvenz an. Schätzungen zufolge könnten mindestens 10.000 Anleger betroffen sein, die Höhe des Gesamtschadens steht noch nicht fest. Kunden hatten insgesamt 150 Millionen Euro für mehr als drei Tonnen Gold gezahlt. Das Unternehmen hatte Kunden angeboten, die wertvolle Ware bei sich sicher zu deponieren.

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