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Kapitalmärkte : Portugal zahlt weniger als Spanien

Mario Monti: „Ohne die Probleme in Spanien, Griechenland, Portugal und Irland wären die italienischen Renditen niedriger“ Bild: dpa

Die Renditen spanischer Staatspapiere sind zum Wochenende stark gestiegen. Trotz Hilfsprogrammen konnte das Land bei den Investoren nicht punkten. Portugal erwägt unterdessen die Ausgabe von Anleihen.

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          Welch eine Duplizität der Ereignisse: Während sich immer mehr Teilnehmer an den Märkten die Frage stellen, ob Spanien noch lange Zeit Anleihen zu erträglichen Renditen plazieren kann, erwägt der kleine lusitanische Nachbar die Rückkehr an den Anleihemarkt. Die Regierung stehe mit Investoren in Kontakt, um deren Interesse an neuen portugiesischen Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen einem Jahr und fünf Jahren zu erkunden, sagte der Leiter der portugiesischen Schuldenagentur, Joao Moreira Rato, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Bei diesem Projekt dürfte es sich um Privatplazierungen für besondere Investoren handeln, da Portugal nach dem im April 2011 beschlossenen Hilfsprogramm erst wieder im kommenden Jahr Anleihen am Markt plazieren soll. Die Marktrenditen liegen derzeit mit etwa 10 Prozent für zehnjährige Papiere und 6,5 Prozent für zweijährige deutlich niedriger als zu Jahresanfang; im internationalen Vergleich sind sie aber immer noch sehr hoch.

          Immer am Markt geblieben ist Portugal mit der Emission kurzlaufender Geldmarktpapiere, und hier hat sich in der vergangenen Woche Bemerkenswertes getan. Portugal plazierte zwölfmonatige Schatzwechsel zu 3,505 Prozent, während Spanien für zwölfmonatige Schatzwechsel 3,918 Prozent und damit mehr als Portugal zahlen musste. So schön diese Entwicklung für Portugal ist (das Land musste im vergangenen Jahr für Schatzwechsel 4,9 Prozent bieten), so sehr drückt sich in dieser Entwicklung das rapide nachlassende Vertrauen der Marktteilnehmer in die spanische Regierung aus.

          Eigentlich hatte die Regierung in der vergangenen Woche gehofft, mit zwei Nachrichten bei den Investoren zu punkten: Zum einen segneten die europäischen Partner das Hilfspaket für die spanischen Banken über 100 Milliarden Euro ab. Zum zweiten hat das Parlament ein rund 65 Milliarden Euro schweres Programm zur Gesundung des Staatshaushalts verabschiedet, das jeweils etwa zur Hälfte aus Einsparungen und aus Steuererhöhungen besteht.

          Allerdings besitzt die spanische Wochenbilanz auch eine Passivseite: Eine Anleiheauktion am Donnerstag stieß auf geringe Nachfrage, viele Spanier protestieren gegen die Politik der Regierung, die Konjunkturaussichten bleiben trübe, und am Freitag sandte die finanzschwache Region Valencia einen Hilferuf nach Madrid aus.

          Spanische Proteste schüten auch Misstrauen gegenüber Italien

          Das Urteil der Märkte fiel negativ aus, wie sich an deutlich steigenden Renditen für Staatspapiere und ebenfalls steigenden Preisen für Kreditausfallderivate (CDS) auf Staatsanleihen ablesen lässt. Zehnjährige Anleihen rentierten am Freitagnachmittag mit 7,2 Prozent auf ihrem höchsten Stand seit der Einführung des Euro. Schlechte Stimmung herrschte am Freitag auch am spanischen Aktienmarkt, an dem sich der Ibex für 35 führende Werte um 6 Prozent ermäßigte. Schwer getroffen waren aus nachvollziehbaren Gründen vor allem Finanz- und Immobilienwerte, aber auch ein im Ausland sehr erfolgreicher Textilkonzern wie Inditex musste Federn lassen.

          Im Sog Spaniens stiegen auch die Renditen der italienischen Staatsanleihen. Die zehnjährige rentierte zum Wochenschluss mit 6,1 Prozent. Ministerpräsident Mario Monti erklärte in Rom, der Anstieg sei kein Zeichen des Misstrauens in italienische Papiere, sondern das Ergebnis der Proteste gegen die Sparpolitik in Spanien, die das Vertrauen der Investoren unterminierten. Ohne die Probleme in Ländern wie Spanien, Griechenland, Portugal und Irland wären die italienischen Renditen niedriger.

          Um Beruhigung bemühte sich auch Maria Cannata, die Leiterin der Staatsschuldenagentur in Rom. „Selbst in noch schwierigeren Zeiten hatten wir immer Zugang zum Kapitalmarkt“, sagte Cannata. So kämen wegen der hohen Renditen ausländische Investoren, darunter japanische, an den Markt zurück. Italien könne in diesem Sommer auf die Ausgabe dreimonatiger Schatzwechsel verzichten.

          Das Misstrauen der Märkte gegenüber den Entwicklungen in Spanien äußerte sich in einer weiteren Abwertung des Euro, der mit 1,2144 Dollar gegenüber der amerikanischen Währung seinen tiefsten Stand seit zwei Jahren erreichte. Gegenüber dem Yen fiel der Euro sogar auf seinen tiefsten Stand seit dem Jahr 2000. Für Verunsicherung sorgen auch Verpflichtungen Griechenlands, im August Anleihen über 3,1 Milliarden Euro zu tilgen, die angeblich vor allem von der Europäischen Zentralbank gehalten werden. Vielen Marktteilnehmern scheint unklar, wie Griechenland die benötigten Mittel aufbringen will.

          Die Krise in Spanien und die weiteren Entwicklungen in Griechenland dürften die Marktteilnehmer auch in der kommenden Woche beschäftigen. Ansonsten ist die Quartalssaison in vollem Gange. Zahlreiche große Unternehmen aus Europa und Amerika werden Vierteljahreszahlen veröffentlichen, darunter Daimler, BASF, Banco Santander, SAP und Facebook.

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