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Kapitalanlagegesellschaften : Nach goldenen Wachstumsjahren stehen Vermögensverwalter vor Gegenwind

Blackrock-Zentrale in New York Bild: Bloomberg

Die Fondsbranche ist stark gewachsen. Auch die Erträge legten kräftig zu. Mit der Zinswende wird das Marktumfeld aber schwieriger, erwarten die BCG-Berater.

          3 Min.

          Die goldenen Wachstumsjahre der Vermögensverwalter dürften durch die Zinswende und die Rezessionssorgen vor einem Ende stehen. Auch deshalb, weil die Anleger vorsichtiger agieren und immer kritischer die Wertentwicklung beurteilen. In einer aktuellen Studie attestieren die Berater der Boston Consulting Group (BCG) der Fondsbranche in den vergangenen 20 Jahren eine der stärksten Entwicklungen in ihrer Geschichte.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwischen den Jahren 2001 und 2021 wuchs das verwaltete Vermögen der Gesellschaften von 31 Billionen auf 112 Billionen Dollar. Allein im vergangenen Jahr betrug der Anstieg 12 Prozent. Das war deutlich über der durchschnittlichen Wachstumsrate der vergangenen 20 Jahre von 7 Prozent im Jahr. Mit gut 4 Prozent oder 4,4 Billionen Dollar verzeichneten die Vermögensverwalter im Jahr 2021 auch einen überdurchschnittlich hohen Mittelzufluss.

          Für das Wachstum war in den vergangenen Jahren zum einen die gute Entwicklung an den Börsen verantwortlich. Die Kursgewinne bei Aktien und Anleihen erhöhen das verwaltete Vermögen. Zum anderen trugen passive Indexfonds, die sogenannten Exchange Traded Funds (ETF), erheblich zum Wachstum bei. Passive Produkte wuchsen der BCG-Studie zufolge seit 2003 viermal schneller als aktiv gemanagte. ETF-Produkte bilden in der Regel Börsenindizes wie zum Beispiel den Dax ab, während bei aktiven Fonds ein Fondsmanager die Titel auswählt. Dieser will dafür bezahlt werden, weshalb die Gebühren aktiver Fonds deutlich über denen passiver liegen.

          Größter ETF-Anbieter ist die amerikanische Kapitalanlagegesellschaft Blackrock , die auch die Nummer eins in der Vermögensverwaltung ist. Auf dem zweiten Rang folgt die amerikanische Van­guard, die sich auf die Fahnen schreibt, passive Indexfonds erfunden zu haben. Den Wechsel vieler Investoren zu passiven Indexfonds begründen die BCG-Berater damit, dass die Anleger Kosten einsparen und Marktrendite einfahren wollten. Der Markt ist ihren Angaben zufolge deutlich konzentrierter als der für aktive Fonds. So seien in den vergangenen fünf bis zehn Jahren fast 75 Prozent des gesamten neuen Kapitals an die führenden zehn ETF-Anbieter geflossen.

          Aufgrund der Zinswende erwartet Thomas Schulte, BCG-Fachmann für Asset Management und einer der Autoren der Studie, auf Anfrage der F.A.Z. künftig ein schwierigeres Marktumfeld: „Steigende Zinsen werden zu moderateren Wachstumsaussichten führen.“ Zum einen wirkten sie belastend auf die Märkte und damit unmittelbar auch auf das verwaltete Vermögen der Asset Manager. Zum anderen würden Investoren in diesem Umfeld vorsichtiger mit der Vergabe von Neugeldern beziehungsweise würden Gelder mitunter sogar abziehen, gerade im Anleihebereich.

          Konsolidierung wird wieder ein Thema

          Nicht nur das Wachstum der verwalteten Vermögen fiel in den vergangenen Jahren beeindruckend aus, sondern auch das der Erträge. Sie stiegen zwischen 2004 und 2021 von 83 Milliarden auf 207 Milliarden Dollar. Davon entfielen allein 112 Milliarden Dollar auf die Marktentwicklung, womit die zusätzlichen Gebühren gemeint sind, die sich aus dem aufgrund der höheren Kurse gestiegenen Vermögen ergeben. Auch hier erwartet BCG-Experte Schulte Gegenwind: Im aktuellen Umfeld müsse man davon ausgehen, dass die Erträge aus der Marktentwicklung kurzfristig deutlich geringer ausfielen als in den vergangenen Jahren. Dabei spielten die weitere Entwicklung aktueller geopolitischer Krisen und ihre Folgen auch eine wichtige Rolle.

          Die grundsätzlichen Treiber für das ETF-Wachstum sind nach Ansicht von Schulte weiterhin intakt. „Daher gehen wir davon aus, dass diese weiter Marktanteile gewinnen werden“, fügt er hinzu. Allerdings würden Investoren in einem schwierigen Marktumfeld noch stärker auf die gelieferte Performance eines aktiven Managers schauen. Das biete erfolgreichen Managern die Chance, Marktanteile gerade von weniger erfolgreichen Managern zu übernehmen. „Im aktuellen Umfeld wird sich die Spreu stärker vom Weizen trennen“, erwartet Schulte.

          Er geht davon aus, dass das Thema Konsolidierung unter den Vermögensverwaltern wieder an Fahrt aufnehmen werde, wenn die Marktperformance nachlasse. Bisher sei die Profitabilität der Branche im Vergleich hoch gewesen. Die operative Marge belief sich 2021 auf 38 Prozent. Auch kleinere Häuser verdienten oft auskömmlich Geld, so Schulte. Die grundsätzliche strategische Relevanz der Konsolidierung sei klar gewesen, jedoch der konkrete Handlungsdruck angesichts der guten Marktentwicklung nur moderat, sagt Schulte.

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