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Kapitalanlage 2008: Wirtschaftswachstum : Kühle Konjunktur, aber keine Rezession

  • -Aktualisiert am

2008 wird auch nicht einfach Bild: AP

Die Schlüsselfrage lautet: Wie tief geht der Abschwung am amerikanischen Immobilienmarkt? Und welche Folgen hat er für das Wirtschaftswachstum? Inzwischen ist klar, dass dieser Abschwung nicht „von Pappe“ ist.

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          Jahrzehntelang galt die Faustregel: Wenn die amerikanische Wirtschaft hustet, bekommt die Wirtschaft in Europa eine Lungenentzündung. Stimmt das noch? Oder sind die Volkswirtschaften des Euro-Raums - sowie in Asien und Lateinamerika - inzwischen so stark, dass sie sich von einem Abschwung in Amerika abkoppeln können?

          An den Aktienbörsen wird diese Frage derzeit lebhaft diskutiert. Doch wenn man mit Volkswirten über die Aussichten für den Euro-Raum spricht, beginnt ihre Analyse fast immer mit einer Einschätzung über das Geschehen in den Vereinigten Staaten, der immer noch größten Volkswirtschaft der Welt.

          Verluste von mehreren hundert Milliarden Dollar

          Wie schon vor einem Jahr prägt die Prognosen wiederum eine Schlüsselfrage: Wie tief geht der Abschwung am amerikanischen Immobilienmarkt? Und welche Folgen hat er für das Wirtschaftswachstum? Anders als vor einem Jahr ist inzwischen klar, dass dieser Abschwung "nicht von Pappe" ist. Den Banken sowie ungezählten Investoren dürfte er Verluste bereiten, die sich zusammen auf mehrere hundert Milliarden Dollar belaufen.

          Zudem breitet sich die Krise wie ein Schwelbrand auf weitere Marktsegmente aus. Pessimisten malen bereits das Schreckgespenst einer Weltwirtschaftskrise an die Wand: Jahrelang habe die globale Wirtschaft angetrieben, dass die amerikanischen Verbraucher einen schier unersättlichen Konsumhunger an den Tag legten. Komme es nun in Amerika zu einer Rezession, so dass diese Nachfrage versiege, könnte dies in Exportländern wie China einen Abschwung auslösen und das schließlich in eine globale Abwärtsspirale münden, unken die Pessimisten.

          „Wir fallen nicht in ein tiefes Loch“

          Für Norbert Walter, den Chefvolkswirt der Deutschen Bank, wird es neben den Vereinigten Staaten auch in Ländern und Regionen wie Großbritannien, Irland, Spanien, Australien und Ost-China zu Preisrückgängen an den Immobilienmärkten kommen - da dort die Preise in den vergangenen Jahren stark gestiegen seien. Überall werde dies die Konsumfreude dämpfen.

          Doch geht Walter davon aus, dass dies in keinem der großen Industrieländer zu einer Rezession - also einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung - führen wird. "Wir werden nicht in ein tiefes Loch fallen", sagt der Wirtschaftsprofessor. Ähnlich sehen dies auch die übrigen befragten Volkswirte. Die amerikanische und die europäische Wirtschaft wird demnach also 2008 zwar wachsen, allerdings "unter Potential". Für die Aktienmärkte bedeutet dies: Das Umfeld wird rauher.

          Schwächeres Wachstum im Euro-Raum

          Nach Einschätzung von Walter wird der schwächere Konsum das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum deutlich abbremsen, und zwar dauerhaft: Von 2,6 Prozent im laufenden Jahr über 1,8 Prozent im kommenden Jahr auf 1,7 Prozent im Jahr 2009. Das wiederum werde die Nachfrage nach Rohöl verringern, prognostiziert Walter. Der Preis für das Barrel Rohöl (159 Liter) der Sorte WTI werde deshalb im Jahresverlauf auf 75 Dollar fallen. Das wiederum werde dazu beitragen, dass die Inflation 2008 und 2009 im Jahresdurchschnitt jeweils nur 1,8 Prozent betragen werde - und damit genau dem von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebten Ziel entspreche.

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