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Kapitalanlage 2008: Wall Street : An der Wall Street üben sich Bullen und Bären im Tauziehen

„Die Leute sind nervös”, heißt es an der Wall Street Bild: REUTERS

Unsicherheit und hohe Kursschwankungen prägen seit einiger Zeit das Geschehen an den amerikanischen Börsen. Die entscheidende Frage lautet: Handelt es sich um eine zwischenzeitliche Korrektur oder den Beginn einer langfristigen Baisse?

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          An der Wall Street herrscht Verwirrung. Ende November fielen die Kurse der großen Marktbarometer erstmals seit mehr als vier Jahren um 10 Prozent unter ihre zuletzt aufgestellten Höchststände. Damit erfüllten sie offiziell die Definition einer Korrektur, nachdem Anleger erst im Oktober neue Rekorde beim Dow-Jones-Index und dem breiter angelegten Marktbarometer S&P 500 gefeiert hatten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Gründe für den Kursrückgang: hohe Ölpreise, nachgebende Häuserpreise und eine anhaltende Kreditkrise, die Angst vor einer Rezession schürt. Als sei nichts gewesen, verzeichnete der Dow Jones aber gleich danach seinen größten Zwei-Tages-Gewinn seit fünf Jahren.

          Die Gründe: Hoffnungen auf eine Leitzinssenkung der Notenbank Fed und positive Nachrichten aus der Bankenbranche. Die unter hohen Abschreibungen bei Hypothekenanlagen leidende Großbank Citigroup hatte sich eine Finanzspritze des Emirats Abu Dhabi in Höhe von 7,5 Milliarden Dollar gesichert. Ein klarer Trend ist nicht auszumachen. "Die Leute sind nervös", sagt Todd Leone, der für den Aktienhandel beim Wertpapierhaus Cowen & Co. verantwortlich ist. Solange sich die Finanzwerte nicht erholen, werde der Markt in keiner guten Verfassung sein, meint Leone. Finanztitel haben im S&P 500 ein besonders hohes Gewicht.

          Schwache Finanz- und Konsumwerte

          Der amerikanische Aktienmarkt ist seit geraumer Zeit von starken Kursschwankungen geprägt. Es gleicht einem erbitterten Tauziehen auf dem Parkett. Auf der einen Seite stehen die Optimisten, die eine Korrektur als Gelegenheit zum Einstieg bei günstigen Kursen begreifen, weil sie mit einer Fortsetzung der Hausse rechnen.

          Auf der anderen Seite ziehen die Pessimisten kräftig. Die glauben, dass die aktuelle Korrektur der Anfang vom Ende der Hausse ist und eine Baisse bevorsteht. Eine Baisse wird mit einem Rückgang der Kurse um mindestens 20 Prozent definiert.

          Belastet wurde der Gesamtmarkt vor allem von der Schwäche der Finanzwerte und der konjunkturabhängigen Konsumwerte. Diese beiden Segmente sind im S&P 500 die beiden einzigen von insgesamt zehn Untergruppen, die in diesem Jahr im Minus liegen. Die negative Tendenz hat die gleiche Ursache: die Schwäche des Immobilienmarktes. Die fallenden Häuserpreise hatten zu Ausfällen bei in den vergangenen Jahren populär gewordenen zweitklassigen Hypotheken geführt. Diese zu laxen Konditionen an zahlungsschwache Kunden vergebenen sogenannten Subprime-Darlehen schwächen jetzt die Gewinnentwicklung der Banken.

          Die hatten nicht nur Hypotheken vergeben, sondern die Kredite auch in Anleihen umgepackt, die sie an institutionelle Investoren weiterreichten. Zudem handelten sie mit diesen Wertpapieren. Steigende Kreditausfälle und die nachlassende Nachfrage nach diesen Papieren führten zu starken Wertberichtigungen.

          Verbrauchervertrauen auf tiefstem Stand seit „Katrina“

          Am schlimmsten traf es den größten amerikanischen Finanzdienstleister Citigroup und die große Investmentbank Merrill Lynch. Die Institute räumten ein Versagen ihrer Risikokontrolle ein und wiesen nach Abschreibungen in Milliarden-Dollar-Höhe ihren Vorstandschefs die Tür. Unwägbarkeiten wegen möglicherweise noch bevorstehender Verlustmeldungen sorgen für beständigen Druck auf die Kurse der Banken.

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