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Kapitalanlage 2008: Interview zum Dax : "Wir werden vorübergehend eine Saure-Gurken-Zeit erleben"

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Commerzbank-Stratege Hans-Jürgen Delp Bild: Daniel Pilar

Commerzbank-Stratege Hans-Jürgen Delp hält ein Ende der jahrelangen Aktien-Hausse nicht für ausgeschlossen. Sein bevorzugtes Szenario sieht aber eine Fortsetzung der Aufwärtsentwicklung im kommenden Jahr vor.

          3 Min.

          Commerzbank-Stratege Hans-Jürgen Delp hält ein Ende der jahrelangen Aktien-Hausse nicht für ausgeschlossen. Sein bevorzugtes Szenario sieht aber eine Fortsetzung der Aufwärtsentwicklung im kommenden Jahr vor.

          Der Dax hat sich im Jahresverlauf nicht über 8000 Punkte halten können. Sehen wir nur eine vorübergehende Korrektur einer jahrelangen Hausse oder stehen wir vor einer grundlegenden Neubewertung am Aktienmarkt?

          Das ist die Gretchenfrage, die jetzt schwer zu beantworten ist.

          Warum?

          Weil wir uns in einem fragilen Gleichgewicht befinden. Es besteht eine Chance, dass eine Rezession in den Vereinigten Staaten verhindert werden kann, da die Fed ihre Zinsen weiter senken dürfte. Die Fed kann sich nicht nur um das Preisniveau und das Wirtschaftswachstum kümmern, sondern muss angesichts der Finanzmarktkrise die Funktionsfähigkeit des Bankensystems gewährleisten. Eine Leitzinssenkung um 50 Basispunkte ist notwendiger denn je. Auch werden die Schwellenländer das Wirtschaftswachstum in der Welt stützen. Dann können sich die Aktienmärkte nach einer Phase der Unsicherheit im Verlauf des kommenden Jahres wieder erholen.

          Wie schätzen Sie in einem solchen Fall das Potential des Dax ein?

          Die deutschen Unternehmen sehen insgesamt sehr gut aus. In unserer Prognose wird sich das Wirtschaftswachstum, wenn auch etwas verlangsamt, fortsetzen. Die Inflationsrate dürfte wieder etwas zurückgehen. Die Europäische Zentralbank könnte schon Mitte 2008 beginnen, ihre Leitzinsen zu senken, auch wenn gegenwärtig die "Falken" im Zentralbankrat für eine Zinserhöhung plädieren. Allerdings sind die aktuellen Gewinnschätzungen für die deutschen Unternehmen für 2008 noch zu hoch. Bislang erwartet man einen Zuwachs der Unternehmensgewinne um 10 Prozent - realistisch ist eher eine Zuwachsrate im hohen einstelligen Bereich.

          Und was heißt das konkret?

          Wir dürften wegen der Unsicherheit über die Konjunktur und die Finanzmarktkrise zunächst einmal eine Saure-Gurken-Zeit erleben. Eine Jahresendrally halte ich daher für wenig wahrscheinlich. Aber im Verlauf des kommenden Jahres dürfte der Dax gegenüber seinem heutigen Stand um 10 bis 15 Prozent zulegen.

          Welche Branchen sind attraktiv?

          Wir sind im Moment defensiv eingestellt. Wir bevorzugen Versorger-, Telekom- und Pharmawerte mit soliden Wachstumsaussichten. Außerdem schauen wir uns Branchen an, in denen es 2008 Fusionen und Übernahmen geben dürfte. Insgesamt wird es wieder verstärkt strategische Übernahmen durch Unternehmen geben. Auf jeden Fall kommen Unternehmen gegenüber Private Equity stärker zum Zuge, die unter erschwerten Finanzierungsbedingungen leiden - aber auch Staatsfonds wie aktuell Abu Dhabi bei der Citigroup und China bei Fortis.

          Woran denken Sie dabei?

          Wir erwarten weltweit eine weitere Konzentration in Branchen wie den Rohstoffen und der Pharmaindustrie. Zusammenschlüsse könnte es auch in der Finanzbranche geben, dort allerdings durch die gegenwärtige Krise bedingt.

          Wie sieht es mit den Aktien deutscher Banken und Versicherungen aus?

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