https://www.faz.net/-gv6-vykt

Kapitalanlage 2008: Dax : Standardaktien versprechen die besten Chancen

Bild: F.A.Z.

Der Dax hat wichtige langfristige Aufwärtstrends zumindest vorübergehend gebrochen. Technische Analysten sind über das Ausmaß eines Rückschlagpotentials uneins. 2008 sollten Standardaktien besser abschneiden als mittelgroße Werte.

          3 Min.

          Seit März 2003 ist der Dax von 2.200 Punkten aus bis auf das Allzeithoch von 8.151 Punkten geklettert, das der wichtigste deutsche Aktienindex im Juli 2007 erreichte. Der lange Zeitraum und die immerhin zwei Auflagepunkte im Jahr 2006, die als bestandene Belastungsprobe für den Aufwärtstrend interpretiert werden können, machen die lange Trendgerade für viele Börsianer zu einer Leitplanke: Solange der Dax sich darüber bewegt, ist der Aufwärtstrend intakt, und die größte Wahrscheinlichkeit hat eine Fortsetzung der Aufstiegsbewegung.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun, da der Dax im Zuge der Abwärtsbewegung an fast allen Aktienmärkten im vierten Quartal 2007 diesen Aufwärtstrend brach, ist ein Ende der Aufwärtsbewegung eigentlich anzunehmen. Allerdings irritiert die technischen Analysten, dass es nach dem Trendbruch zu keiner wie sonst oft üblichen starken Abwärtsbewegung kam. "Noch ist der Bruch nicht nachhaltig", stellt Wieland Staud von Staud Research fest. Und Jörg Scherer von HSBC Trinkaus & Burkhardt warnt davor, den Bruch des Aufwärtstrends mit dem Beginn eines Abwärtstrends gleichzusetzen.

          „Noch ist der Bruch nicht nachhaltig“

          Ein Signal dafür, dass der Dax tatsächlich von seinem Höchststand steil herunterfalle, könne zum Beispiel ein sogenanntes Doppel-Top sein, erläutert Scherer. Von einem Doppel-Top sprechen technische Analysten, wenn ein früherer Höchststand fast, aber eben nicht nachhaltig überwunden wird. Dann gilt der Versuch, einen neuen Höchststand zu erreichen, als gescheitert. Scherer hält die Umkehrformation erst dann für vollendet, wenn der Dax die Marke von 7.190 Punkten unterschreitet. Solange der Dax sich oberhalb von 7190 und oberhalb des kürzeren, seit August 2004 nachvollziehbaren Aufwärtstrends bewege, gelte: "Im Zweifel für den Angeklagten Dax", sagt Scherer.

          Der kürzere Aufwärtstrend liege derzeit auf 7.083 Punkte und nehme jede Woche um 28 Punkte zu. Dieser Aufwärtstrend und die Marke von 7.190 Punkten muss der Dax aber unbedingt verteidigen", sagt Scherer. Solange der Dax dies tue, sei ein neuer Anlauf auf das Allzeithoch wahrscheinlich. "Falls der Dax 8.151 Punkte überwindet, wäre das ein starkes Kaufsignal und die Umkehrformation aus der Welt."

          Längerfristig mehr als 10.000 Punkte

          Als Kursziel für den Dax ermittelt Scherer mit Hilfe der Zahlenreihe nach Fibonacci zunächst 8.746 Punkte, im weiteren Verlauf dann 9.000 Punkte. Obwohl Wieland Staud längerfristig dem Dax sogar Niveaus von mehr als 10.000 Punkten zutraut, hat diesem Technischen Analysten aus Bad Homburg doch der Bruch des langfristigen Aufwärtstrends mehr zu denken gegeben als offenbar Scherer. Zwar spricht Staud von ähnlichen Kurszielen nach Überwinden des alten Hochs, doch traut er dem Dax offenbar kaum eine schnelle deutliche Erholung zu.

          Vielmehr rechnet Staud damit, dass der Dax im Jahr 2008 noch einmal auf den Jahrestiefstand von 2007, der um 6.440 Punkte lag, fallen wird. Dort wäre dann ein guter Einstieg, wenn es sich, wie von Staud vermutet, um eine - nach der Zahlweise von Nelson Elliott - Welle IV handeln sollte, auf die eine den langfristigen Aufwärtstrend vervollständigende, über die alten Hochs führende Welle V folgt.

          Dax sollte 2008 den M-Dax schlagen

          Scherer und Staud sind sich darin einig, dass der Dax im Jahr 2008 den M-Dax schlagen wird. Die seit Ende der Jahrhunderthausse im Jahr 2000 lange zu beobachtende bessere Wertentwicklung der mittelgroßen gegenüber den großen Werten ist 2007 zu Ende gegangen. Das sei ein neuer Trend, sagt Staud.

          "Mit Aktien, die im Moment schwach sind, wird auch 2008 kein Blumentopf zu gewinnen sein." Damit meint Staud vor allem die arg gebeutelten Bank- und Versichereraktien. Scherer dagegen wittert im Verlauf des Jahres 2008 Chancen mit Bankaktien. "Zunächst sollten Anleger in dieser Branche eine Bodenbildung der Kurse abwarten. Wer im Moment Bankaktien kauft, greift in das klassische fallende Messer", warnt Scherer.

          Defensive Aktien als gute Wahl

          Stabilisierend auf die europäischen Aktienindizes wirken derzeit die Telekom-Aktien, von denen sich viele vom tiefen Sturz nach der Hausse des Jahres 2000 noch immer nicht erholt haben. "Solche defensive Aktien dürften zu Jahresbeginn eine gute Wahl sein", meint Scherer. Staud nennt auch Aktien der Versorger, aber auch die als konjunkturabhängig und damit bei vielen Analysten nicht sehr hoch im Kurs stehenden Chemieaktien als aussichtsreich.

          Für die schmerzerprobten Aktionäre der Deutschen Telekom malt Staud einen ganz besonderen Hoffnungsschimmer an den Himmel: "Die Aktie der Deutschen Telekom steht wahrscheinlich vor einer Renaissance." Tatsächlich hat der Kurs der T-Aktie, die auch im Jahre 2007 lange ein Anwärter für die schlechteste Aktie im Dax war, schon in den vergangenen Wochen Tritt gefasst. Staud setzt darauf, dass sich diese Tendenz fortsetzt und immer mehr Anleger auf den fahrenden Zug aufspringen und mit ihren Käufen den Kurs der Telekom-Aktie weitertreiben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ist die Welt noch zu retten? Eine Frau bei einer Demo in Lissabon.

          Raus aus der Klimakrise : „Moralappelle bringen nichts“

          Der Kölner Spieltheoretiker und Verhaltensökonom Axel Ockenfels erklärt im Interview, wo der Knackpunkt im Klimakonflikt liegt – und auf welcher Grundlage das Problem von der Weltgemeinschaft gelöst werden könnte.

          Muhammad Bin Salmans Pläne : Der Ölprinz mit der Billion

          Er ist jung und braucht das Geld: Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman bringt den weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse. Damit will er nicht nur das Land reformieren, sondern auch die eigene Macht sichern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.