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Kapitalanlage 2008: Anleihen : In der Krise mit Zinspapieren verdienen

  • -Aktualisiert am

Anleihenrenditen: höherer Ertrag, höheres Risiko Bild: AP

Wer sich mit geringeren Ertragschancen begnügt, kann seine Rendite steigern, ohne gleich den Totalverlust riskieren zu müssen. Selbst Pfandbriefe, die als Hort der Sicherheit gelten, versprechen erstaunliche Renditeaufschläge.

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          Prominente Anleger wie Bill Miller von der Fondsgesellschaft Legg Mason und Warren Buffett lassen sich von der Kreditkrise nicht verunsichern: Sie kaufen riskante Anleihen und Aktien von Finanzdienstleistern. Bill Gross, der für Pimco den größten Anleihefonds der Welt verwaltet, hat sogar bei seinen Kunden Geld gesammelt, um in bonitätsschwache amerikanische Hypothekenkredite zu investieren; also mitten im Krisenherd.

          Privatanleger, die trotz aller Krisensymptome bereit sind, wieder Risiken auf sich zu nehmen, müssen nicht abseits stehen. Dabei brauchen sie nicht einmal so forsch vorzugehen wie die Prominenz. Wer sich mit geringeren Ertragschancen begnügt, kann seine Rendite steigern, ohne gleich den Totalverlust riskieren zu müssen. Selbst Pfandbriefe, die als Hort der Sicherheit gelten, versprechen erstaunliche Renditeaufschläge. Je nach Laufzeit und Emittenten liegen die Renditen zwischen gut 4 und 4,5 Prozent, etwa 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte mehr als bei Bundesanleihen, deren Zinsen in den vergangenen Monaten kräftig gefallen sind.

          Risikoprämien drücken großes Misstrauen aus

          Einen ganzen Batzen mehr an Rendite versprechen die britischen Covered Bonds, die als gedeckte Schuldverschreibungen zur Verwandtschaft der Pfandbriefe zählen. Sie sind ähnlich gut besichert, aber doch nicht ganz so gut wie deutsche Pfandbriefe. Zudem befürchten Anleger, dass die britischen Immobilienpreise ins Rutschen geraten könnten. Das würde britische Hypothekenbanken treffen, die Covered Bonds emittiert haben. Northern Rock ist bereits in Bedrängnis geraten. Die gedeckten Anleihen der Bank werden trotz erstklassiger Bonitätsnoten ("AAA") mit Risikoprämien von rund 1,3 Prozentpunkten gehandelt. Das drückt großes Misstrauen aus.

          Andererseits sind die Anleihen aber im Falle einer Insolvenz der Bank sehr gut mit Kreditforderungen besichert. In der Krise liegt also für beherzte Anleger auch eine Chance. Covered Bonds der angeschlagenen britischen Hypothekenbanken sind mit jährlichen Renditen von mehr als 5,5 Prozent zu haben. Sie werden zum Teil mit 90 Cent je Euro Nennwert gehandelt, was auch aus steuerlicher Sicht interessant sein kann. Denn die Kursgewinne sind noch - bald kommt ja die pauschale Abgeltungssteuer - steuerfrei, sofern die Wertpapiere länger als zwölf Monate gehalten werden.

          Renditen von mehr als fünf Prozent

          Renditen dieser Größenordnung sind bei normalen Unternehmensanleihen selten mit erstklassiger Bonität zu finden, aber auch das gibt es. Eine Euro-Anleihe des amerikanischen Mischkonzerns General Electric wird mit gut 80 Cent je Euro Nennwert gehandelt. Das führt zu einer erwarteten jährlichen Rendite von knapp 5,5 Prozent. Allerdings ist bei dieser Anleihe die lange Laufzeit bis 2035 hinderlich. Dadurch sind die Zinsänderungsrisiken groß. Sollten die langfristigen Zinsen wegen einer drohenden Rezession noch weiter fallen, dann würde der Anleger überproportional gewinnen. Sollte sich das Renditeniveau aber normalisieren, würden allein daraus hohe Kursverluste drohen.

          Renditen von mehr als 5 Prozent versprechen auch Euro-Anleihen der amerikanischen Investmentbanken Goldman Sachs und Citigroup, die sehr gut benotet sind. Allerdings sind das angesichts der Finanzkrise nicht gerade Ruhekissen der ersten Wahl. Mancher Anleger mag sich da bei Anleihen der europäischen Telekommunikationsgesellschaften wohler fühlen. Im Zweifel kann man bei Deutscher Telekom und France Telecom möglicherweise auch auf staatlichen Rückhalt hoffen. Wobei derzeit davon keine Rede ist, weil es den Gesellschaften relativ gutgeht. Ansprechende Renditen gibt es dennoch. Bei sehr langen Laufzeiten sind bis zu 6 Prozent jährlicher Rendite erzielbar.

          Mehr Chancen, weniger Solidität

          Wer noch mehr auf dem Anleihemarkt erzielen will, muss Abstriche bei der Solidität machen und Emittenten mit Bonitäten unterhalb des Investment Grade wählen. Eine Alternative sind Hybridanleihen, die wegen ihrer Ausstattung anteilig als Eigenkapital gezählt werden und mit aktienähnlichen Risiken verbunden sind. Angesichts der Finanzkrise dürfte das aber für sicherheitsbewusste Anleger noch zu früh sein.

          Das gleiche gilt für einen börsengehandelten Indexfonds (ETF) der Deutschen Bank, der mit geringen Nebenkosten die Wertentwicklung des Itraxx Crossover nachbildet. Dieser Index ist wie das Fieberthermoter des angeschlagenen Finanzsystems. In ihm sind handelbare Kreditversicherungen von 50 bonitätsschwachen Unternehmensschuldnern enthalten. Für solche Sicherungen werden derzeit hohe Prämien gezahlt, die dem Anleger zugutekommen. Bei einer weiteren Verschlechterung der Kreditqualität drohen umgekehrt aber hohe Verluste. Für eine solche Anleihe braucht es also gute Nerven.

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