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Kampftag für den Dax : Politik verhilft Börsen zu Erholung

Während Bundesfinanzminister Scholz Maßnahmen ankündigt, steigt der Dax Bild: Reuters

Der entschlossene Auftritt der Bundesregierung hat am Freitag die Kurse an der deutschen Börse stark beflügelt. Am Abend war von dem Plus allerdings nur noch wenig übrig. Auch Amerikas Präsident hat endlich geliefert, was die Wall Street mit Gewinnen feierte.

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          Amerikas Präsident Donald Trump hat am Freitagabend wegen der Corona-Krise den nationalen Notstand ausgerufen und staatliche Hilfen für das Gesundheitssystem im Umfang von 50 Milliarden Dollar angekündigt. Das verlieh den Aktienkursen an der Wall Street starken Auftrieb. Der Aktienindex Dow Jones stieg um mehr als 10 Prozent.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch am deutschen Aktienmarkt hatte der beherzte Einsatz der Bundesregierung am Freitag zunächst zu einer kräftigen Erholung geführt. Zwar sind die Kursverluste der vergangenen Wochen noch lange nicht ausgestanden. Aber immerhin schwangen die großen Börsenindizes und einige der zuletzt besonders stark gebeutelten Einzelwerte nach dem Schwarzen Donnerstag mit teils deutlichen Zuwächsen wieder nach oben.

          Offenbar sahen viele Anleger nun äußerst günstige Preise für den Wiedereinstieg erreicht. Der Dax legte zwischenzeitlich sogar um bis zu 8,5 Prozent zu auf 9939 Punkte. Der Nebenwerte-Index M-Dax gewann 7,3 Prozent auf 21643 Punkte. Die Erholung belebte auch in anderen europäischen Ländern die Märkte. So stieg auch der Auswahlindex der Eurozone, der Euro Stoxx 50, um zeitweise 9,2 Prozent auf 2780 Punkte an.

          Am Abend blieb von den Tagesgewinnen im Dax allerdings nur noch ein mageres Plus von 0,2 Prozent übrig. Der Euro Stoxx 50 stand rund 1 Prozent im Plus.

          Bei vielen Einzelwerten fielen die Kursbewegungen bemerkenswert aus. So legte zum Beispiel die Aktie der Deutschen Lufthansa zwischenzeitlich um stolze 20 Prozent zu und hielt sich bis zum Abend mit einem Plus von immer noch 10 Prozent an der Dax-Spitze. Dabei hatten Nachrichten über Staatshilfen für die Lufthansa die Runde gemacht.

          Wegen der ausbleibenden Passagiere, gestrichenen Flügen und zuletzt dem Einreiseverbot für Europäer in die Vereinigten Staaten war ihr Aktienkurs in den vergangenen Wochen dahingeschmolzen. Noch Mitte Februar notierte sie bei mehr als 15 Euro. Am Donnerstag war sie bis auf 8,76 Euro abgesackt und war damit eine der schlimmsten Verlierer in der Corona-Krise.

          Doch die Anleger hegen offenbar die Hoffnung, dass es für die Fluglinie schon wieder aufwärts geht, wenn erst einmal die größte Panik rund um Corona verflogen ist. Kurzzeitig schaffte es der Kurs auf 10,73 Euro, um am Nachmittag dann aber doch wieder unter die Marke von zehn Euro zu sinken.

          Dow Jones

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          Auch für die Deutsche Bank schlug das Pendel wieder nach oben aus. Ein Kursplus von 9 Prozent stand am Nachmittag auf dem Zettel. Auch hier ist damit der Kurssturz der vergangenen Wochen noch lange nicht auskuriert. Bei 5,30 Euro steht der Kurs noch immer fast 50 Prozent unter dem Niveau, das die Bank Mitte Februar nach langem mühevollen Aufstieg wieder erreicht hatte.

          Besonders kräftig legte zudem die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard zu. Er legte die Ergebnisse einer Sonderprüfung durch den Wirtschaftsprüfer KPMG vor, wonach er keine seiner Jahresabschlüsse korrigieren müsse. Entsprechende Meldungen hatten in der Vergangenheit immer wieder zu hohen Kursverlusten geführt. Nun ging es im frühen Handel um bis zu 30 Prozent nach oben. Im Tagesverlauf verringert sich der Zuwachs auf 11 Prozent.

          Am Nachmittag dämmten alle großen Börsenbarometer ihre kräftigen Gewinne zum Teil wieder etwas ein, wohl auch weil die amerikanischen Börsen zwar ihren Kursverfall stoppten, aber mit eher verhaltenen Zuwächsen in den Tag starteten.

          Marktteilnehmer rechnen damit, dass diese Liquidität noch eine ganze Weile lang erhalten bleibt. Mit der Zunahme schlechter Nachrichten aus den Unternehmen dürften auch die Aktienkurse weiter unter der Druck geraten. Welche Folgen Maßnahmen wie die Schließung von Schulen und Kindergärten auf die Arbeitsfähigkeit der Unternehmen hat, traut sich noch niemand abzuschätzen. Gleichzeitig dürften die Anleger immer wieder verlockt sein, die heftigen Kursstürze als Einstiegspreise zu deuten – zumal die Alternativen für das Geld nach wie vor begrenzt sind.

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