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Kampf um Bank-Bonus : „So etwas hängt man nicht an die große Glocke“

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Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing vor dem High Court in London Bild: REUTERS

Der leise Streit um Loyalität und Verrat: Vor dem Londoner High Court geben Bankenvorstände einen seltenen Einblick in den Streit hinter den Kulissen.

          Im Jahr 2008 tobte in der Dresdner Bank, der Allianz und der Commerzbank ein erbitterter Kampf um einen umstrittenen Bonuspool von 400 Millionen Euro. Nun hat der Streit den Weg vor den Londoner High Court gefunden. Aber im Prozess geht es um mehr als nur um Recht, Unrecht oder die Anmaßungen von mehr als 100 ehemaligen Bankern von Dresdner Kleinwort, die auf ihre damaligen Bonus-Versprechen pochen.

          Ehrlichkeit und Täuschung, Loyalität und Verrat lassen sich auf beiden Seiten des Gefechts finden. Das zeigen die Kreuzverhöre von Stefan Jentzsch, dem damaligen Vorstand der ehemaligen Dresdner Bank und Chef der Investmentbank Dresdner Kleinwort, und von Martin Blessing, dem Vorstandsvorsitzenden der Commerzbank. Vielleicht sprechen Blessing und Jentzsch deshalb mit Respekt voneinander. Die Ungereimtheiten begannen im März des Jahres 2008, als die Allianz mit dem Vorstand der Dresdner Bank entschied, das Investmentbanking, also die Dresdner Kleinwort, von dem Universalbankgeschäft der Dresdner Bank zu trennen, um die britische Operation möglicherweise leichter verkaufen zu können.

          Für die Investmentbanker war die Entscheidung nach Aussagen von Jentzsch verheerend. Wer wollte auf dem Höhepunkt der Bankenkrise schon in Investmentbanking investieren? Jentzsch ahnte zudem, dass ein Verkauf an die Commerzbank zu einer drastischen Schrumpfkur des Londoner Geschäftes führen würde.

          Londoner Finanzaufsicht FSA warnte

          "Aber so etwas hängt man nicht an die große Glocke", sagt Jentzsch heute. Er leugnete auf Fragen der Belegschaft hin die Bestrebungen des Versicherers Allianz, einen Käufer zu finden. Er porträtierte die Trennung des Investmentbanking als Vision eines künftig eigenständigen, stärkeren Investmentbanking. "Ich war als Vorstand für die Entscheidung mitverantwortlich. Sollte ich den Investmentbankern sagen, dass sie sich lieber die Kugel geben sollen?"

          Jentzsch war nicht allein besorgt. Die Londoner Finanzaufsicht FSA warnte, dass etwas unternommen werden müsse, um das Geschäft von Dresdner Kleinwort zu stabilisieren und ein Abwandern der Führungsriege der Investmentbank zu verhindern. "Wir haben damals diskutiert, ob jeder Mitarbeiter einen festen Bonus erhalten sollte, um die Belegschaft bei der Stange zu halten", erinnert sich Jentzsch. Aber er drängte auf einen Bonuspool. Die Banker sollten motiviert werden, aber sich anstrengen müssen, um Ende des Jahres einen möglichst hohen Teil des Kuchens abzubekommen.

          Nach internem Drängeln segneten der Vorstand der Dresdner Bank, der Großaktionär Allianz und die Vergütungsgremien beider Institute einen Bonuspool für die Investmentbanker von 400 Millionen Euro für 2008 ab. Die FSA wurde entsprechend informiert. Die Banker sollten diesen Pool nach Angaben von Jentzsch als Halteprämie ausgezahlt bekommen, egal wie das Ergebnis der Dresdner Kleinwort zum Ende des Jahres aussehen würde. Schließlich sollte die Loyalität der Mitarbeiter belohnt werden, um ein stabiles Bankgeschäft verkaufen zu können.

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