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F.A.S testet : Wer hat die beste Kalender-App?

  • -Aktualisiert am

Terminplanung leicht gemacht – mit dem Handy. Bild: Stefan Finger

Terminkalender aus Papier sind von gestern. Digitale Apps bieten viel mehr. Die F.A.S. hat sie getestet.

          3 Min.

          Terminplanung war früher eine ziemlich unspektakuläre Angelegenheit: Ein Stift und ein Kalender aus Papier, mehr war dafür nicht nötig. Heutzutage geht das Ganze längst digital, nämlich per Smartphone-App. Welche App aber ist die beste? Keine ganz triviale Frage, zumal die Anbieter mit vielfältigen Zusatzdiensten wie Routenführung oder Wetterbericht werben. Ein Test von fünf Kalender-Apps – für iPhone-Nutzer wie auch für Besitzer von Android-Geräten wie Samsung, HTC oder Huawei – soll das klären.

          Ins Rennen gehen die Kalender-App von Google, die Outlook-App von Microsoft sowie der von einem niederländischen Start-up programmierte Wave-Kalender, außerdem die „Business Kalender 2“- App, die von einem Berliner Entwicklerteam konzipiert wurde, und der Kalender des iPhones.

          Im Grunde sind alle Kalender gleich aufgebaut. Abgesehen von der Outlook-Variante bieten die Apps eine Tages- und Wochenübersicht. Am linken Rand findet sich eine Leiste mit den Uhrzeiten im Stundentakt. Wer einen Termin eintragen will, tippt kurz auf den Bildschirm. Zur gewünschten Zeit öffnet sich ein Eingabefeld für weitere Angaben: etwa ein Stichwort zum Thema oder zum Ort des Treffens. Anschließend erscheinen diese Informationen in der Übersicht als farbig unterlegter Balken.

          Am schlechtesten in Sachen Übersichtlichkeit schneidet der Outlook-Kalender ab. Er bietet nur eine Tages- oder Drei-Tages-Ansicht. Eine Wochendarstellung mit detaillierter Anzeige der Termine fehlt. Deutlich besser macht es der Google-Kalender. Der hat eine Tages-, eine Drei-Tages-, eine Wochen- und sogar eine Monatsübersicht. Google zwängt allerdings auch in der Monatsvariante den kompletten Terminnamen als Balken auf den Smartphone-Bildschirm. Der Eintrag „Mittagessen mit Kollegen“ verkümmert hier zu einem abgehackten „Mittagess“. Wird der Termin angetippt, springt Google jedoch in die Tagesansicht und zeigt alles verständlich und übersichtlich an.

          In der Rubrik „Zusätzliche kostenlose Funktionen“ gibt es einen klaren Verlierer: Der Business-2-Kalender stellt Zusatzfunktionen wie den Wetterbericht oder eine Prognose der Reisezeit zum Termin nur beim Kauf der Pro-Version bereit – Kostenpunkt: 4,95 Euro. Die Konkurrenz liefert dies kostenfrei. So kombiniert zum Beispiel Google seinen Kalender mit dem eigenen Maps-Programm, um eine Route zum Ziel anzuzeigen und die Dauer der Fahrt zu berechnen. Außerdem lassen sich Termine aus der Google-Mail-App in die Kalender-App schieben.

          Der Wave-Kalender bietet viele weitere Funktionen an, die integriert werden können. Allerdings laufen diese nicht immer rund. Nicht funktioniert hat im Test, den kostenlosen Zusatzkalender zum Lieblingsfußballteam in die App einzufügen. Eigentlich hätten dann alle wichtigen Termine der Mannschaft auch im eigenen Kalender erscheinen sollen. Doch nach der vielversprechenden Meldung „Alle Kalender in dieser Kategorie werden live aktualisiert“ passierte nichts.

          Apples neues Flaggschiff : iPhone X im Test

          Wer einen Handy-Kalender benutzt, kann seine Daten nur bedingt schützen. Wie sicher sie sind, hängt davon ab, wo sie gespeichert werden, erklärt Chris Wojzechowski, Smartphone-Experte beim Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Das geht entweder lokal auf dem Handy oder extern in einer Cloud. Vorteil der Cloud: Der Zugriff auf Termine ist auch mit anderen Geräten wie dem Computer oder Tablet möglich. Und selbst, wenn das Handy kaputtgeht, bleiben die Termine erhalten. Nachteil: Bei dieser Methode habe auch der Kalenderanbieter Zugriff auf die Daten, sagt Wojzechowski. „Gerade bei kostenlosen Kalendern muss man sich auch immer fragen, wie die Entwickler damit Geld verdienen. Das tun sie zum Beispiel durch Werbung, die sie an den Nutzer anpassen.“ Wer in seinen Kalender also jede Woche einträgt, dass er zum Fußball geht, muss damit rechnen, beim Surfen im Internet häufiger Werbung für Fußballtrikots zu sehen.

          Verlangt ein Hersteller, dass man sich anmeldet, um eine Kalender-App zu benutzen, speichert die App die Daten in der Regel in einer Cloud. Wer allerdings mit seinem Android-Handy den Google-Kalender herunterlädt, muss sich in der App nicht extra registrieren. Der Kalender verknüpft sich direkt mit dem Google-Konto, mit dem auch das Handy betrieben wird. Für den Outlook-Kalender müssen Benutzer sich beim Hersteller Microsoft anmelden. Bei den Kalendern von Apples iPhone, Wave und Business 2 kann der Kunde selbst entscheiden, ob er die Daten nur lokal oder in der Cloud speichern möchte.

          Seinen eigenen Kalender mit denen von Kollegen, Freunden oder der Familie zu synchronisieren ist einer der großen Vorteile von Apps im Vergleich zur Papiervariante. So lassen sich andere Personen rasch zu einem gemeinsamen Termin hinzufügen. Der erscheint dann automatisch auf dem Handybildschirm aller Eingeladenen. In dieser Kategorie schneidet der Business-2-Kalender am schlechtesten ab. Nur wer die Pro-Version kauft, kann Kontakte zu einem Termin hinzufügen. Außerdem gibt es vom Anbieter keine PC- oder Desktopvariante.

          Das Fazit des Tests: Wer alle Möglichkeiten der modernen Kalender nutzen möchte, gleichzeitig aber kein Geld dafür ausgeben möchte, sollte die Finger vom Business-2-Kalender lassen. Die kostenlose Version bietet zu wenig. Für iPhone-Nutzer ist der von Apple eingebaute Kalender ganz praktisch. Die Synchronisierung klappt, lediglich die Darstellung hat nicht ganz überzeugt. Bei den Android-Varianten schneidet der Google-Kalender am besten ab. Er hat viele Funktionen, ist ebenfalls leicht zu synchronisieren, und auch die Darstellung ist übersichtlich. Selbst papierbegeisterte Nostalgiker könnten schwach werden.

          Bild: F.A.Z.

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