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JP Morgan und Goldman Sachs : Amerikas Banken vervielfachen ihre Gewinne

JP-Morgan-Mitarbeiter in London Bild: Reuters

Knapp 7 Milliarden Dollar Gewinn für Goldman Sachs und ganze 14 Milliarden Dollar für JP Morgan – in drei Monaten. Amerikas Banken starten furios in das Jahr 2021. Vor allem die Impfungen und der Börsenboom treiben die Gewinne.

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          Die Berichterstattung amerikanischer Unternehmen über das erste Quartal hat am Mittwoch mit einem Paukenschlag begonnen. Die Großbank JPMorgan und die Investmentbank Goldman Sachs übertrafen mit ihren Quartalsgewinnen die Erwartungen bei weitem.

          Hanno Mußler
          (ham.), Finanzen, Wirtschaft

          Beiden Banken kam zugute, dass in den Vereinigten Staaten schon 30 Prozent der Bevölkerung eine Corona-Schutzimpfung erhielten und derzeit weitere vier Millionen Impfungen am Tag verabreicht werden. Damit erscheint es möglich, dass die amerikanische Wirtschaft auch dank riesiger staatlicher Konjunkturhilfen in diesem Jahr um mehr als 6 Prozent wächst und weniger Bankkredite ausfallen als befürchtet. Darüber hinaus erlauben die boomenden Kapitalmärkte Unternehmen die Aufnahme von Fremd- und Eigenkapital in großem Stil, wofür sie die Beratungs- und Plazierungshilfe von Banken in Anspruch nehmen.

          Nettogewinn versechsfacht

          Vom guten Kapitalmarktgeschäft profitierte vor allem Goldman Sachs. Die Investmentbank hat im ersten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorjahresquartal ihren Nettogewinn auf 6,7 Milliarden Dollar (5,6 Milliarden Euro) versechsfacht und die Erwartungen der Aktienanalysten um rund 40 Prozent übertroffen. Es ist einer höchsten, wenn nicht sogar der höchste Quartalsgewinn in der Geschichte der Bank, die 1869 von dem deutschen Auswanderer Marcus Goldman gegründet wurde.

          Die Großbank JP Morgan, die anders als Goldman Sachs auch über nennenswertes Kreditgeschäft verfügt, erreichte im ersten Quartal 2021 einen Nettoquartalsgewinn von 14,3 (Vorjahresquartal: 2,9) Milliarden Dollar, also in etwa eine Verfünffachung. JP Morgan wies damit gut 30 Prozent mehr Gewinn aus als von Aktienanalysten zuvor erwartet. Die Aktienkurse von Goldman und JP Morgan legten zum Handelsbeginn an der Wall Street am Mittwoch deutlich zu.

          JP-Morgan-Chef Jamie Dimon
          JP-Morgan-Chef Jamie Dimon : Bild: Reuters

          Die Konzernerträge von JP Morgan stiegen im Berichtsquartal um 14 Prozent auf 33,1 Milliarden Dollar. Allerdings ging der Überschuss aus dem Zinsgeschäft, aus dem rund die Hälfte der Erträge stammen, um 3 Prozent leicht zurück. JP Morgans überraschend hoher Gewinnzuwachs resultiert also aus höheren Einnahmen im Kapitalmarktgeschäft. Zudem löste die nach der Bilanzsumme größte amerikanische Bank Reserven in Höhe von 5,2 Milliarden Dollar auf, die sie vor allem für unsichere Kreditkartenschulden zurückgelegt hatte. Doch mehr amerikanische Konsumenten sind während der Corona-Pandemie zur Rückzahlung ihrer Kreditkartenschulden fähig gewesen als befürchtet.

          Jamie Dimon, der Vorstandsvorsitzende von JPMorgan, sagte dazu: „Wir glauben, dass unsere verbleibenden Kreditreserven in Höhe 26 Milliarden Dollar angemessen und umsichtig sind.“ JP Morgan hatte allein im ersten Quartal 2020 mehr als 6 Milliarden Dollar an Risikovorsorge gebildet, auch weil damals Ölförderer wegen des niedrigen Ölpreises in Bedrängnis zu geraten drohten.

          Goldman profitiert vom Spac-Boom

          Eindeutig positiv fielen am Mittwoch in den Augen von Aktienanalysten die Quartalsergebnisse von Goldman Sachs aus. Die Konzernerträge der Investmentbank stiegen um sage und schreibe 102 Prozent auf 17,7 Milliarden Dollar. Das Aktienhandelsgeschäft ragte mit vervierfachten Erträgen heraus, auch die Beratung bei Unternehmenskäufen spülte 73 Prozent mehr Erträge in die Kassen. Im Aktienemissionsgeschäft profitierte Goldman insbesondere vom Boom der leeren Börsenmäntel, die als „Spac“ trotz noch fehlenden operativen Geschäfts bei Anlegern derzeit heiß begehrt sind. Goldman strich gerade durch den Verkauf von „Spacs“ kräftig Gebühren ein.

          Die Bank organisiert zudem maßgeblich den für diese Woche geplanten Börsengang der Kryptowährungs-Plattform Coinbase. Zuvor hatte Goldman schon mitgeteilt, dass der Zusammenbruch des Hedgefonds Archegos keine großen Auswirkungen auf sein Geschäft gehabt habe.

          Neben JP Morgan und Goldman berichtete auch die Bank Wells Fargo mit Sitz in San Francisco am Mittwoch über ihr erstes Quartal 2021: Die unter einem Skandal mit vorgetäuschten Konten leidende Wells Fargo steigerte die Erträge nur um 2 Prozent auf 18,1 Milliarden Dollar. Doch auch Wells Fargo konnte Reserven auflösen und damit einen hohen Quartalsgewinn von 4,7 Milliarden Dollar erreichen.

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