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JP-Morgan-Skandal : Zwei Mal Milliarden verzockt

  • -Aktualisiert am

Amerikanische Zentralbanker fordern, dass JP Morgan aufgespalten wird. Bild: AFP

Geschichte wiederholt sich doch: Die Händler der Produkte, die nun JP Morgan in die Bredouille bringen, kamen schon die Dresdner Bank teuer zu stehen.

          Die Geschichte der Dresdner Bank holt nun JP Morgan ein: Die Händler, die bei der amerikanischen Investmentbank in London die gewagte und offenbar verlustreiche Anlagestrategie des Chief Investment Office (CIO) fuhren, zeichneten früher für exakt die gleichen Geschäfte bei Dresdner Kleinwort Wasserstein verantwortlich. Die Dresdner Bank litt 2008 unter einem riesigen Verlust im Kapitalmarktgeschäft des Investmentbanking von 5,7 Milliarden Euro - und zwar vor allem wegen hoher Verluste aufgrund komplexer strukturierter Produkte.

          Drei Schlüsselfiguren

          Verantwortlich für den Aufbau des Geschäftes mit strukturierten Produkten bei Dresdner Kleinwort war bis 2006 und seinem Wechsel zu JP Morgan Achilles Macris, einer der drei führenden Manager des damaligen Kapitalmarktgeschäftes von Dresdner Kleinwort Wasserstein. „Das war ein Finanzgenie, ein hochkarätiger mathematischer Fachmann, der komplexe strukturierte Produkte konzipieren konnte, vor allem Derivative wie CDOs, CDO-Squares, ABS und CLOs“, berichten ehemalige Mitarbeiter der Dresdner Bank. „Er war derjenige, der die Produkte verstand und einsetzte, ein enger Anhänger von Andrew Pisker, dem damaligen Chef von Dresdner Kleinwort Wasserstein.“ Evan Kalimtgis, damals Leiter der Portfoliostrategie im Kreditgeschäft von Dresdner Kleinwort Wasserstein, und Javier Martin-Artajo, damals Chef des Handelsgeschäftes für Kreditderivate, folgten Macris 2007 zu JP Morgan. Alle drei sind heute Schlüsselfiguren in den verlustreichen Anlagestrategien des CIO.

          Bei Dresdner Kleinwort verfolgten die Banker damals den Traum, die Investmentbank eines Tages von der Allianz zu lösen. Als Rechtfertigung für einen potentiellen Alleingang versuchte die Investmentbank damals hohe Renditen zu erzielen, auch mit riskantem Eigenhandel, der der Investmentbank im zweiten Quartal 2005 einen Handelsverlust von 200 Millionen Euro brachte. Nach scharfer Kritik von Michael Diekmann, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden der Allianz und Eigentümer der Dresdner Bank, organisierte Pisker den Eigenhandel neu.

          350 Milliarden Dollar zum Verwalten

          Als die Allianz 2006 die Daumenschrauben anzog und das Risikogeschäft der Investmentbank zu drosseln versuchte, verließen viele Investmentbanker die Bank, darunter auch Macris und später Kalimtgis und Martin-Artajo. Als Stefan Jentzsch das Ruder bei Dresdner Kleinwort Wasserstein übernahm, lautete die Devise der Allianz, das Risiko in den strukturierten Produkten zu reduzieren, was dann aber - vor allem während der Finanzkrise und den dann illiquiden Märkten - kaum zu bewerkstelligen war und der Bank Milliardenverluste brachte.

          Exakt die Geschäfte mit strukturierten Produkten, die Macris und seine ehemaligen Kollegen bei der Dresdner Kleinwort Wasserstein verfolgt hatten, setzten die Banker dann wieder bei JP Morgan um. Eigentlich soll das Chief Investment Office das überschüssige Einlagengeld, das das Volumen des Kreditgeschäftes einer Universalbank wie JP Morgan deutlich übersteigt, sicher anlegen und Risiken des Bankgeschäftes absichern. Bei JP Morgan weitete sich dieses zu verwaltende Geld von 76,5 Milliarden Dollar im Jahr 2007 auf zuletzt 350 Milliarden Dollar aus.

          Geschäfte mit strukturierten Produkten deutlich ausgeweitet

          Mit dem Auftrag, das Geschäft gewinnbringend für das Chief Investment Office zu steuern, weitete das Team von Macris offenbar die Geschäfte mit komplexen strukturierten Produkten aus und zwar in einer Zeit, in der andere Banken - gerade wegen der schlechten Erfahrungen aus der Finanzkrise - diese Produkte mieden.

          Die Financial Times berichtete am Freitag unter Berufung auf mit den Geschäften vertrauten Bankern, dass die Truppe von Macris eine Gesamtposition an strukturierten Produkten von 100 Milliarden Dollar aufgebaut habe. Die Position von mit europäischen Hypotheken besicherten Produkten (MBS) ist so groß, dass selbst die British Bankers Association (BBA) im November 2010 warnte, JP Morgan habe mit 13 Milliarden Pfund mehr als 45 Prozent des Volumens der mit britischen Privathypotheken abgesicherten Produkte aufgekauft, das seit Öffnung des Marktes 2009 an den Markt gekommen sei. Die Financial Times zitierte Händler, die angeben, dass JP Morgan seit drei Jahren der größte Käufer komplexer strukturierter Produkte sei.

          Zentralbanker fordern Aufspaltung

          Unterdessen werden die Rufe nach einer Aufspaltung von amerikanischen Großbanken lauter. Der Chef der Fed von St. Louis, James Bullard, forderte auch die Zerschlagung von JP Morgan. Der milliardenschwere Spekulationsverlust zeige, wie schwierig es sei, solche Gelhäuser zu regulieren. Zudem verdeutliche das Desaster die Gefahr, die von solch einer großen Bank ausgehe. Er unterstütze Dallas-Fed-Präsident Richard Fisher bei seinem Vorschlag, dass die größten Kreditinstitute aufgespaltet werden sollten.

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