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Banker im Gespräch : Investmentbanker braucht die Welt

Der Argentinier Daniel Pinto ,54, leitet das Investmentbanking von JP Morgan, der nach Bilanzsumme größten amerikanischen Bank. Pinto ist außerdem ihr Europa-Chef. Bild: RICHARD PERRY/The New York Times

Daniel Pinto von JP Morgan sagt: „Wir sind keine Zocker“, verteidigt hohe Boni und erwartet wilde Börsenzeiten. Und wie sieht er seine eigene Zukunft?

          Herr Pinto, wozu benötigt die Welt Investmentbanker?

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ganz einfach: Wir nehmen eine Rolle wahr, die für jede Volkswirtschaft von enormer Bedeutung ist – wir helfen Unternehmen dabei, sich zu finanzieren.

          Dafür gibt es doch schon die klassischen Banken.

          Unternehmen sind heute auf der ganzen Welt aktiv – denken Sie nur an die deutschen Automobilhersteller. Aufgrund neuer regulatorischer Vorschriften ist es für einige Banken schwierig geworden, Kredite in dem Umfang anzubieten, den diese großen Konzerne benötigen. Hier kommen wir ins Spiel: Wir unterstützen die Firmen beispielsweise dabei, über die Ausgabe von Anleihen frisches Geld einzusammeln, oder wir organisieren einen Börsengang für sie. Außerdem helfen wir ihnen, sich gegen bestimmte Risiken abzusichern – beispielsweise gegen schwankende Wechselkurse. In diesem neuen Umfeld kommt also dem Kapitalmarkt, der mehr als nur eine Finanzierungsquelle bieten kann, eine extrem hohe Bedeutung zu. Natürlich bietet JP Morgan Unternehmen auch klassische Kredite an.

          Trotzdem haben Investmentbanker in der Öffentlichkeit kein gutes Image: Sie gelten als aggressive Zocker.

          Ja, es hat in unserer Branche in der Vergangenheit Fehlverhalten und Exzesse gegeben. Veränderungen waren notwendig. Aber man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Unser Anspruch ist es, unseren Kunden – also Unternehmen, anderen Finanzinstitutionen und auch der öffentlichen Hand – Finanzierungen anzubieten und sie optimal zu beraten.

          Inwieweit ist es im Interesse der Kunden, dass Sie als Leiter des Bereichs Investmentbanking im vergangenen Jahr laut Geschäftsbericht rund sieben Millionen Dollar verdient haben?

          Wenn Sie im Vorstand eines Unternehmens von der Größe JP Morgans mit 245.000 Mitarbeitern sitzen und diese Firma profitabel führen, dann erhalten Sie dafür das Gehalt, das der Aufsichtsrat für angemessen hält.

          Trotzdem ist JP Morgans Nettogewinn im ersten Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahr um fast sieben Prozent gesunken. Sieht so ein Top-Ergebnis aus?

          Dies ist zwar ein Rückgang, aber wir verdienen konstant mehr als unsere Konkurrenten und entwickeln uns besser als der Markt. Wir haben im ersten Quartal 5,52 Milliarden Dollar verdient und konnten über die jüngsten Quartale hin stabile Ergebnisse erzielen, trotz vieler neuer Anforderungen und in einem sehr komplexen Marktumfeld. Immerhin steht unsere Branche der wohl größten Herausforderung der vergangenen 80 Jahre gegenüber.

          Worin soll die bestehen?

          Zwei Dinge verändern unser Geschäft derzeit grundlegend: Zum einen die vielen neuen Regeln, die im Nachgang der Finanzkrise beschlossen wurden und die nun nach und nach Gültigkeit erlangen. Und zum anderen die neuen Technologien, die die klassische Bankenwelt aus den Fugen heben.

          Zunächst zum Thema Regeln: Gerade hat Amerikas Bankenaufsicht Ihr Haus gerügt. Alle großen Banken mussten ein Sicherheitskonzept für den hypothetischen Fall ihrer Pleite vorlegen. Ihres kam nicht gut an.

          Das Ganze ist für alle Beteiligten ein neuer Prozess, alle suchen noch nach dem besten Weg. Im Vergleich dazu sind beispielsweise die Bankenstresstests schon viel weiter entwickelt: Es ist klarer, was genau zu tun ist. Im Fall des Abwicklungsplans hatten die Behörden nun noch einige Detailfragen, und wir werden diese selbstverständlich so schnell wie möglich beantworten. Wie gesagt: Es ist ein neuer Prozess, und alle lernen noch.

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