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Japans schlechtes Beispiel : Was der schwache Yen zeigt

  • -Aktualisiert am

Der japanische Yen hat gegenüber dem Dollar deutlich an Wert verloren. Bild: Bloomberg

Japans einsame Intervention gegen die Yen-Schwäche signalisiert, dass die Zeit der internationalen Absprachen über Wechselkurse vorbei ist. Zum Glück.

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          Mit geschätzt rund 20 Milliarden Dollar kaufte das japanische Finanzministerium vor einer Woche Yen, um die Abwertung der japanischen Währung um gut 20 Prozent zum Dollar seit Jahresbeginn zu stoppen. Es war für Japan eine Rekordsumme und die erste Intervention zur Stützung des Yens seit 24 Jahren.

          Ob die Aktion die Devisenhändler nachdrücklich beeindruckt hat ist fraglich. Die Währung wird schon wieder knapp unter der Marke von 145 Yen je Dollar gehandelt, die für die Regierung eine Art rote Linie darstellt. Sollte die Bank von Japan ihre ultralockere Geldpolitik fortsetzen, während Amerika, Europa und andere gegen die Inflation ihre Leitzinsen anheben, wird die rote Linie nicht lange halten.

          Der einsame Interventionsschritt Japans unterstreicht, dass die Zeit der internationalen Absprachen über Wechselkurse vorbei ist. Das amerikanische Finanzministerium äußerte in zurückhaltenden Worten Verständnis für den Markteingriff der Japaner, beteiligte sich aber nicht. Der starke Dollar, der mit der Straffung der amerikanischen Geldpolitik nicht nur zum Yen, sondern auch zum Euro, Pfund und anderen Währungen aufwertet, ist durchaus im Interesse der Vereinigten Staaten. Die Dollarstärke verringert den Inflationsdruck von außen.

          Lauter teure Subventionen

          In Japan dagegen ist die Meinung gespalten, ob der schwache Yen dem Land noch nützt. Die Bank von Japan und Gouverneur Haruhiko Kuroda sagen Ja, weil ihnen die Inflationsrate von 3 Prozent nur als vorübergehende Fata Morgana erscheint und weil der schwache Yen als Ausdruck der lockeren Geldpolitik den Preisdruck im Innern erhöht. Kuroda will in seinen letzten Monaten als Notenbanker an seinem expansiven Kurs nicht rütteln. Das Finanzministerium, das die Intervention in den Devisenmarkt anordnete, hat aber seine Zweifel.

          Seit Japans Großunternehmen die ausländischen Märkte zunehmend aus dem Ausland und nicht mehr aus Japan bedienen, ist die Wirkung des schwachen Yens als Schmiermittel für den Export weit abgeschwächt. Als wichtigste Folge der Yen-Schwäche bleiben höhere Importpreise und der einhergehende Verlust an Kaufkraft für die Bürger.

          Die Regierung versucht, dem mit teuren Subventionen und Preisdeckeln etwa für Benzin oder Weizen entgegenzuwirken. Doch eine Situation, in der die Finanzpolitik sich zur Korrektur der schädlichen Folgen einer stur expansiven Geldpolitik gezwungen sieht, ist weder ideal noch stabil.

          Der heilsame Druck freier Devisenmärkte

          Auch die Intervention am Devisenmarkt ist eine solche Korrektur. Das Finanzministerium reagierte auf eine Beschleunigung der Abwertung, die Kuroda ausgelöst hatte. Er hatte für die kommenden Jahre keine Änderung der Geldpolitik prognostiziert. Wenige Tage später nahm Kuroda die Bemerkung zurück. Es sei nicht so gemeint gewesen. Das riecht dann doch nach beginnender Offenheit für eine Kurskorrektur.

          Es ist ein lehrreiches Beispiel in der Diskussion, ob die globale Zinswende gegen die Inflation eine Koordinierung der Geld- und Wirtschaftspolitiken bedingt. Manche halten eine solche Abstimmung für geboten, um mit den zügigen Zinsschritten der Federal Reserve Wechselkursturbulenzen zu vermeiden. Die Rufe nach Koordinierung werden lauter werden, je mehr die Fed die Konjunktur bremst, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Doch das Beispiel Japan zeigt, wie heilsam der Druck freier und nichtkoordinierter Devisenmärkte sein kann.

          Der Illusion, dass die Inflation vorübergehe, waren in den vergangenen Jahren schon die Fed und die Europäische Zentralbank erlegen. Die Bank von Japan droht in dieselbe Falle zu tappen. Mit 3 Prozent scheint die Inflation niedrig, weil viele Preise reguliert sind. Doch der Preisdruck breitet sich auch in Japans Wirtschaft aus und kann noch für böse Überraschungen sorgen. Der Druck der Yen-Abwertung ist daher erwünscht, denn er führt der Bank von Japan die Notwendigkeit der geldpolitischen Wende vor Augen.

          Eine internationale Abstimmung der Geld– und Wechselkurspolitik könnte solche erwünschten Signale gegen politische Fehlsteuerung unterdrücken. Auch davon kann Japan ein Lied singen. Die Blase der Aktien- und Vermögenswerte, die 1990 platzte und das Land in eine schwere und lange Wirtschaftskrise führte, war nicht zuletzt Folge des Versuchs der großen Volkswirtschaften, im Plaza-Abkommen Wechselkurse und Geldpolitik zum scheinbaren Vorteil abgestimmt zu steuern. Angesichts der absehbaren Turbulenzen der kommenden Monate sei an dieses fatale politische Versagen schon jetzt erinnert.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

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