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Geldpolitik : Japans Notenbank führt negativen Zinssatz ein

Japans Zentralbankchef Haruhiko Kuroda führt Strafzinsen ein Bild: AP

Die japanische Notenbank sorgt sich um die globalen Finanzmarktturbulenzen und die Deflationsmentalität zu Hause. Mit einem negativen Zinssatz will sie die Geschäftsbanken nun anhalten, mehr Geld in die Wirtschaft zu schleusen.

          Die Bank von Japan weitet ihre lockere Geldpolitik abermals aus. Der geldpolitische Rat beschloss am Freitag mit fünf zu vier Stimmen, einen negativen Zinssatz von 0,1 Prozent einzuführen. Der negative Zins wird auf Teile der Guthaben gelegt, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank halten. Damit folgt Japans Zentralbank dem Vorbild europäischer Notenbanken. Die Bank von Japan will so erreichen, dass die Geschäftsbanken das Geld nicht bei der Zentralbank parken, sondern in die Wirtschaft einschleusen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Während die Zentralbank ankündigte, den negativen Zinssatz gegebenenfalls noch weiter zu senken, ließ sie die quantitative Lockerung vorerst unverändert. Wie zuvor wird die Bank von Japan weiter Staatsanleihen im Volumen von 80 Billionen Yen (610 Milliarden Euro) im Jahr kaufen. Auch die Käufe von handelbaren Wertpapieren bleiben im Volumen unverändert. An der Börse in Tokio wurde die Entscheidung mit Kurssteigerungen aufgenommen. Der Yen verlor gegen Dollar und Euro deutlich an Wert.

          Inflationsziel wieder verschoben

          Die Zentralbank begründete die Lockerung mit den Finanzmarktturbulenzen zum Jahresbeginn, dem Ölpreisverfall und der Unsicherheit über die weitere Entwicklung in China und in anderen Schwellenländern. Damit steige das Risiko, dass sich in Japan die Überwindung der deflationären Mentalität verzögere.

          Die Bank nahm zugleich ihre Inflationsprognose für das im April beginnende Fiskaljahr deutlich zurück. Sie erwartet nun nur noch eine Inflationsrate von 0,8 Prozent, nach bisher prognostizierten 1,4 Prozent. Erst im Sommerhalbjahr 2017 soll die Inflationsrate nun das Inflationsziel von etwa 2 Prozent erreichen, wobei die Effekte der für April 2017 geplanten Mehrwertsteuererhöhung herausgerechnet sind. Bisher hatte die Bank erwartet, das Inflationsziel im Winterhalbjahr 2016/17 zu erreichen. Zum dritten Mal seit Frühjahr 2015 hat Gouverneur Haruhiko Kuroda damit den Zielzeitpunkt verschoben, an dem er der Regierung eine Inflationsrate von etwa 2 Prozent präsentieren will. Die Bank begründet die niedrigere Inflationsprognose mit dem Verfall des Ölpreises.

          Die Wachstumserwartungen sind dabei weitgehend unverändert. Für das im März endende Fiskaljahr rechnet die Bank mit einem Wachstum von etwa 1,1 Prozent und für das kommende Fiskaljahr mit 1,5 Prozent. 2017 wird die Konjunktur dann der Vorausschau folgend einbrechen, weil die Regierung dann die Mehrwertsteuer erhöht. Die Zentralbank erwartet in der Folge ein Wachstum von nur noch 0,3 Prozent.

          „QQE mit negativem Zinssatz“

          Die Bank von Japan hatte unter drastischem politischen Druck der damals neuen Regierung von Shinzo Abe die Ankäufe von Staatsanleihen und Wertpapieren 2013 begonnen, um die Preisentwicklung in Japan von einer leichten Deflation auf eine Inflationsrate von 2 Prozent zu treiben.

          Als Abgrenzung gegenüber anderen Notenbanken und gegenüber eigenen früheren Wertpapierkäufen nannte die Bank von Japan diese Politik „quantitative und qualitative Lockerung“ oder auf Englisch abgekürzt QQE. Diese Form des „branding“ setzte die Zentralbank am Freitag fort: Von nun an spricht sie von „QQE mit negativem Zinssatz“.

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