https://www.faz.net/-gv6-6uqvo

Japanischer Yen : Kurzfristige Bremsung der Aufwertung

Der starke Yen belastet auch den Absatz von Honda Bild: dapd

Die japanische Regierung interveniert erfolgreich am Devisenmarkt. Nachhaltig dürfte das aber den Aufwertungsdruck nicht bremsen, solange Japan keine Unterstützung erhält.

          3 Min.

          Der Kurs des Yen ist am Montag nach Interventionen der japanischen Regierung deutlich unter Druck geraten. Gegenüber dem Dollar sackte der Kurs um fast 5 Prozent bis auf 79,508 Yen ab und notiert bei etwas weniger als 79 Yen auch derzeit noch auf einem niedrigeren Niveau. Der Wechselkurs war in den vergangenen Tagen mit 75,764 Yen für den Dollar auf den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg gestiegen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gegenüber dem Euro verliert der Yen derzeit mehr als 3,3 Prozent auf 110,711 Yen. Zuvor war er schon bis auf 111,463 Yen gesunken, nachdem er gegenüber der Gemeinschaftswährung mit 101,052 Yen den höchsten Stand seit dem Jahr 2000 erreicht hatte. „Die japanische Notenbank interveniert aggressiv“, sagen Händler.

          Weitere Interventionen zu erwarten

          Beziffert wird das Volumen derzeit auf nahezu 6 Billionen Yen. Dies war nunmehr der dritte Eingriff in diesem Jahr. Den Aufwertungstrend aber hatten diese Maßnahmen bisher nicht brechen können.

          Japans Finanzminister Jun Azumi machte klar, dass dies wohl auch nicht die letzte Intervention sein wird. Er habe wiederholt betont, dass man drastische Maßnahmen gegen spekulative Marktbewegungen ergreifen werde. Die Intervention würden fortgesetzt, bis er zufrieden sei.

          Tatsächlich belastet der starke Yen die Erholungschancen der japanischen Wirtschaft, die seit nunmehr 20 Jahren stagniert und unter Deflationsdruck steht deutlich. Über den Import sorgen die niedrigen Wechselkurse zudem für weiteren Deflationsdruck.

          Berichtssaison zeigt massive Belastung der Wirtschaft

          Japan könne sich den starken Yen nicht leisten, Thomas Harr, der bei der Standard Chartered Bank in Singapur das Währungsstrategieteam leitet.

          Das macht die derzeit auch in Japan laufende Berichtssaison einmal mehr deutlich. Auch wenn die Wettbewerbsverhältnisse oder die Überschwemmungen in Thailand die Zahlen belasten, so zieht sich das Wechselkursargument wie ein roter Faden durch die Quartalsausweise.

          Toshibas Gewinn fiel im zweiten Geschäftsquartal um 19 Prozent, weil das Unternehmen Absatzeinbußen auf dem Markt für Flash-Speicher hinnehmen musste. Toshiba-Chef Makoto Kubo begrüßte die Interventionen.

          Der Autobauer Honda zog seine Absatzprognose für das laufende Jahr zurück, nachdem der Betriebsgewinn um 68 Prozent auf 52,5 Milliarden Yen und der Umsatz um 16 Prozent auf 1,9 Billionen Yen einbrach. Auch Honda nennt als einen Grund die ungewisse Entwicklung an den Devisenmärkten.

          Der Pharmakonzern Daiichi Sankyo senkte seine Prognosen für das Gesamtjahr ebenfalls und rechnet mit einem Umsatzrückgang, wobei diesen über seine Mehrheitsbeteiligung an Ranbaxy zusätzlich noch die Stärke der indischen Rupie trifft. Panasonic wird sogar in die Verlustzone rutschen.

          SIcherer Hafen?

          Harr rechnet jedoch nur mit einem kurzfristigen Rückgang des Wechselkurses. Das liegt daran, dass die Gründe der Yen-Stärke nicht in der Stärke der japanischen Wirtschaft liegen. Vielmehr gilt der Yen wie zuvor auch der Schweizer Franken in der Euro-Schuldenkrise als sicherer Hafen – warum auch immer im Angesicht der überbordenden Verschuldung Japans.

          Der Schweizer Notenbank ist es gelungen, den Wechselkursanstieg zu stoppen, nachdem sie sich darauf verpflichtet hat, einen Kurs von 1,20 Franken je Euro zu halten. Doch für Japan dürfte ein solches Unterfangen viel schwerer zu verwirklichen sein, sagt Jonathan Cavenagh, Währungsstratege bei Westpac in Singapur.

          Japan litt schon lange unter den sogenannten Carry Trades, im Zuge derer sich Investoren aufgrund der niedrigen Zinsen in Japan in Yen verschuldeten, um das Geld dann in höher verzinslichen Währungen anzulegen. Doch seitdem auch die amerikanische Notenbank eine Nullzinspolitik fährt, wirkt kein Zinsgefälle mehr entgegen.

          Aufwertungsdruck derzeit nicht nachhaltig zu bremsen

          Die Erfolgsaussichten der Interventionen sind insofern begrenzt. Der frühere Finanzminister Eisuke Sakakibara, der Ende der Neunziger Jahre als „Mr. Yen“ bekannt wurde vertritt zu Recht die Auffassung, dass die Bemühungen Japans nur dann erfolgversprechend sein werden, wenn sie mit anderen Nationen koordiniert würden.

          Solange aber die amerikanische Notenbank ihre lockere Geldpolitik weiter betreibt, solange wird der Aufwertungsdruck auf den Yen grundsätzlich erhalten bleiben und die Devisenmarktinterventionen den Kursanstieg immer nur abbremsen. Japans Beispiel zeigt deutlich, wie Deutschland vom Euro profitiert. Eine eigene deutsche Währung würde einem immens Aufwertungsdruck unterliegen und die deutsche Wirtschaft, die ähnlich exportabhängig ist wie die japanische stark belasten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Präsident Wladimir Putin nimmt am Freitag von seiner Residenz Nowo-Ogarjowo aus an einer Kabinettssitzung teil.

          Proteste in Belarus : Droht eine Intervention Moskaus?

          Für den Kreml ist die Lage in Belarus ambivalent – das zeigen auch die Reaktionen aus Moskau. Die große Frage ist, was Putin macht, wenn Lukaschenka ernstlich gefährdet ist.
          Ermittlungen: Apotheker und Ärzte werfen dem Angeklagten vor, Verfahren gegen sie aufgebläht zu haben (Symbolbild).

          Frankfurter Korruptionsaffäre : Mediziner erheben schwere Vorwürfe

          In der Korruptionsaffäre um einen Frankfurter Oberstaatsanwalt sollen Ermittlungen nur geführt worden sein, um Geld zu generieren. Das könnte sich noch zu einem weitaus größeren Skandal auswachsen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.