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Japan : Ein Rauchverbot wie Schweizer Käse

Rauchen oder nicht (wie hier in Tokio): Japan will bei seinem Rauchergesetz Verbot und Liberalität zusammenführen. Bild: AP

Vor den Olympischen Spielen 2020 in Tokio gibt Japan sich Rauchverbote. Doch das Bemühen, eine gewisse Liberalität im Umgang mit Nikotin zu wahren, erzeugt ein bürokratisches Regulierungsmonster.

          Es hat sich als eine gewisse Tradition entwickelt, dass die Austragungsorte von Olympischen Spielen Anstrengungen unternehmen, den Nikotinkonsum zu unterdrücken und das Rauchen zu verbieten. Gemäß dem Olympischen Motto folgt auch das Raucherparadies Japan dem Trend, rechtzeitig vor den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Im Bemühen, es allen Seiten und auch der Raucherlobby recht zu machen, gibt das Land sich nun ein Anti-Raucher-Gesetz, das durchlöchert ist wie ein Schweizer Käse. Im Gewirr der Ausnahmen und Sonderbestimmungen droht ein bürokratisches Regulierungsmonster. Damit wahrt das Land sich eine gewisse Liberalität im Umgang mit Rauchern.

          Das gerade vom Parlament beschlossene Gesetz verbietet das Rauchen in Krankenhäusern, Schulen, Universitäten oder öffentlichen Gebäuden. Die Betreiber dürfen indes Raucherecken im Freien auf ihren Grundstücken bereitstellen. Im Prinzip wird das Rauchen in geschlossenen Räumen auch für Unternehmen, Hotels oder Betreiber von Schiffs- oder Zuglinien verboten. Ihnen ist aber gestattet, Raucherräume einzurichten. Busse, Taxen und Flugzeuge müssen rauchfrei werden, wobei sie es weitgehend schon sind.

          Raucherräume oder Höflichkeit?

          Komplizierter wird es für Bars und Restaurants. Im Prinzip gilt hier auch ein Rauchverbot in geschlossenen Räumen. Kleine Unternehmen oder von Einzelunternehmern betriebene Bar und Restaurants mit einer Fläche von bis zu 100 Quadratmetern aber können wählen, ob sie ihren Kunden das Rauchen verbieten oder nicht. Sie müssen entsprechende Hinweisschilder an der Tür anbringen. Diese freiheitliche Regelung kann im Extremfall dazu führen, dass nur etwa 45 Prozent aller bestehenden Restaurants und Bars rauchfrei werden.

          Größere Etablissements und alle, auch kleinere Neugründungen, unterliegen dem kompletten Rauchverbot. Sie können aber Raucherräume einrichten, in denen jedoch nicht gegessen oder getrunken werden darf. Zusätzlich dürfen sie Raucherräume für die zunehmend beliebten E-Zigaretten einrichten, die Tabak nur erhitzen, aber nicht verbrennen. In diesen Raucherräumen wiederum ist Essen und Trinken erlaubt. Alle Raucherräume sind für Kunden unter 20 Jahren verboten.

          Die landesweit geltenden Verbotsregelungen folgen damit dem freiheitlichen Miteinander von Rauchern und Nichtrauchern, das sich in Japan in den vergangenen Jahren eingespielt hat. Raucherräume in Restaurants oder Kaffeeketten sind heute schon vielfach üblich. Im öffentlichen Leben folgen die meisten Raucher der Höflichkeit und rauchen im Freien an speziellen Raucherecken, um andere Passanten nicht zu behelligen.

          Die eher moderaten nationalen Rauchverbote gingen der Gouverneurin von Tokio, Yuriko Koike, nicht weit genug. Koike, die sich gerne auch als Alternative zu Ministerpräsident Shinzo Abe sieht, hat in der Metropolversammlung für Tokio eine Rauchverbotsregelung durchgesetzt, die auf dem Arbeitsschutz und dem Schutz vor Passiv-Rauchen basiert. Damit ist in der Metropole dass Rauchen in allen Restaurants, Cafés oder Bars verboten, die einen oder mehr Mitarbeiter beschäftigen.

          Diese Regelung wird rund 84 Prozent der Etablissements treffen und geht damit weit über die nationalen Regelungen hinaus. Den Kampf der Anti-Raucherlobby hat damit Koike vor Abe gewonnen.

          Raucherräume in Restaurants sind aber auch in Tokio weiter zulässig. Die Stadtregierung will den Bau mit bis zu 90 Prozent subventionieren. Auch andere Städte in Japan planen schärfere Regeln als die vom Parlament beschlossenen.

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