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Anlagestrategie : Japan bald größter Gläubiger Amerikas?

  • Aktualisiert am

Japan bleibt für Amerika eine sichere Bank. Bild: dpa

Der weltgrößte Pensionsfonds wird mehr Geld in die Hand nehmen, um amerikanische Staatsanleihen zu kaufen, schätzen viele Marktteilnehmer. Der Grund: Die Verzinsung ist besser.

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          Japan wird dieses Jahr China überrunden der der größte Gläubiger der Vereinigten Staaten werden. Das erwartet die Bank Nomura in einer aktuellen Analyse. Dabei spielt der weltgrößte Pensionsfonds eine Rolle. Der 126,6 Billionen Yen (918 Milliarden Euro) schwere Government Pension Investment Fund (GPIF) werde sich stärker in ausländischen Anleihen engagieren, um die Renditen zu verbessern, schätzen Vermögensverwalter, Anlagestrategen und Volkswirten einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge.

          Andere Fonds in Japan, die die Allokationen des GPIF als Leitlinie (Benchmark) verwenden, dürften dem Beispiel des Pensionsfonds folgen, erwartet ein Professor, der die Regierung in Tokio berät. In China verlangsamt sich dagegen die Anhäufung von Devisenreserven, die das Land verwendet hat, um amerikanische Staatsanleihen zu kaufen, sagte ein Regierungsvertreter in Peking vergangenen Monat. Bis Ende April hat Japan seine Positionen in amerikanischen Staatsanleihen (Treasuries) auf 1,21 Billionen Dollar aufgestockt und kommt damit nahe an die 1,26 Billionen Dollar, die China offiziell hält.

          Die Unterstützung durch japanische Käufe werden die Treasuries weiter brauchen, da die verbesserte Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt Spekulationen auf Zinserhöhungen der Zentralbank Federal Reserve im kommenden Jahr antreibt. „Wir gehen davon aus, dass es einen merklichen Kapitalfluss geben wird”, sagte Martin Whetton, Zinsstratege von Nomura: „Ab Oktober werden sie einen Teil dieses Geldes transferieren. Es wird allerdings nicht ausreichen, um den Anstieg der Renditen vollständig zu stoppen.” Bis zum Jahresende werden Japans Bestände nach seiner Einschätzung die von China übersteigen. Whetton rechnet damit, dass amerikanischen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit dann mit 2,9 Prozent rentieren - derzeit sind es rund 2,5 Prozent.

          Wie der weltgrößte Pensionsfonds seine Anlagen verändert, sei aber noch nicht entschieden, sagte Yasuhiro Yonezawa, Leiter des Investmentausschusses in dieser Woche in einem Interview. Einer Umfrage von Bloomberg zufolge wird der GPIF seinen Anteil an ausländischen Anleihen von derzeit elf Prozent auf 14 Prozent des Portfolios ausweiten. Auf Basis des aktuellen Fondsvolumens würde er dazu 37,4 Milliarden Dollar benötigen - der Markt für amerikanischen Staatsanleihen kommt auf ein Gesamtvolumen von 12,1 Billionen Dollar und ist damit weltweit der größte.

          Das neue Portfolio des GPIF wird nach Einschätzung von Professor Takatoshi Ito von drei anderen staatlichen Fonds mit einem verwalteten Kapital von 28,8 Billionen Yen abgebildet werden. Ito ist Leiter eines Gremiums, das die japanische Regierung bei der Umgestaltung der Pensions-Investments des Staates berät. Im April hatte er empfohlen, die Bestände an japanischen Staatsanleihen zu reduzieren, da die Renditen zehnjähriger Papiere mit derzeit 0,545 Prozent die niedrigsten weltweit sind.

          China hat seine Bestände an amerikanischen Staatsanleihen mit Verkäufen in Februar, März und April angeblich reduziert. Die chinesischen Devisenreserven werden langsamer wachsen, erklärte Guan Tao, Leiter der Zahlungsbilanz-Abteilung in der staatlichen Devisenverwaltung, unlängst. Grund sei eine ausgeglichenere Leistungsbilanz des Landes, führte er aus.

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