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Fintech-Fusion : Ein italienischer Champion entsteht

Die Zentrale des italienischen Zahlungsdienstleisters Nexi in Mailand Bild: Reuters

Das Unternehmen Nexi hat angekündigt, seinen heimischen Wettbewerber Sia übernehmen zu wollen. Das fusionierte Unternehmen würde zu einem der größten Zahlungsdienstleister Europas aufsteigen.

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          Die Konsolidierungswelle der Zahlungsdienstleister in Europa rollt weiter. Der italienische Zahlungsdienstleister Nexi hatte in der Nacht zum Montag angekündigt, seinen heimischen Wettbewerber Sia übernehmen zu wollen. Der gemeinsame Marktwert wird auf 15 Milliarden Euro beziffert. Damit würde das fusionierte Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 18,8 Milliarden Euro zu einem der größten Zahlungsdienstleister Europas aufsteigen.

          Tobias Piller
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Antonia Mannweiler
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Italien schafft sich mit der Fusion einen nationalen Champion in dem Markt. Ziel des neuen, staatlich kontrollierten Unternehmens ist es, in Europa zu wachsen. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem deutschen Markt. Dort ist nach dem Niedergang von Wirecard eine Marktlücke entstanden. Den Zusammenbruch des früheren Dax-Konzerns hatten Italiens Medien und Politiker mit großer Schadenfreude verfolgt.

          Maßgeblicher Aktionär des zusammengeschlossenen Unternehmens soll das staatlich kontrollierte Finanzhaus Cassa Depositi e Prestiti (CDP) werden. Bisher war CDP der wichtigste Aktionär von Sia, dem kleineren der beiden Fusionspartner. Das Finanzhaus kontrollierte 25,7 Prozent der Anteile direkt und weitere 57,4 Prozent über eine Finanzholding. Diese direkte und indirekte Beteiligung von 83,1 Prozent wird künftig in rund 25 Prozent des vereinten Unternehmens umgewandelt. Auch die Deutsche Bank hielt bislang eine Minderheitsbeteiligung von 2,58 Prozent an Sia.

          Aktionär kontrolliert auch Ölkonzern Eni und die Post

          CDP kontrolliert auch andere wichtige börsennotierte italienische Unternehmen wie den Ölkonzern Eni, die Netzbetreiber und die Post und hat daneben viele Minderheitsbeteiligungen an wichtigen Unternehmen in Italien.

          Nexi, seit März 2019 an der Börse, wird dagegen von Investmentfonds kontrolliert. Der größte Aktionär mit 43,3 Prozent war bisher eine Holding namens Mercury, hinter der die amerikanischen Fonds Advent und Bain Capital stehen sowie der italienische Fonds Clessidra. Und auch Italiens größte Bank, die regierungsnahe Intesa Sanpaolo, ist mit 10,5 Prozent an Nexi beteiligt. Vor einigen Monaten hatte die Bank all ihre Kundenkontakte für Zahlungsdienstleistungen an Nexi verkauft und dafür Aktien im Volumen von einer Milliarde Euro erhalten.

          Die im Februar dieses Jahres angekündigte Fusion der beiden französischen Zahlungsdienstleister Worldline und Ingenico mit einem Marktwert von 7,8 Milliarden Euro könnte dabei den Druck auf Nexi und Sia erhöht haben, sich zusammenzuschließen. Durch die Fusion in Frankreich, so erklärten die beiden Unternehmen im Anschluss, würde der viertgrößte Zahlungsdienstleister der Welt entstehen.

          Dabei befindet sich die Branche, bei der Skaleneffekte eine wichtige Rolle spielen, weltweit im Übernahmerausch. Das zeigt vor allem der Blick in die Vereinigten Staaten. Dort kam es allein im vergangenen Jahr zu drei spektakulären Zusammenschlüssen von Payment-Providern. Im Mai 2019 verkündete der Zahlungsdienstleister Global Payments, Total System Services für 21,5 Milliarden Dollar zu übernehmen. Fiserv erwarb den Zahlungsabwickler First Data für 22 Milliarden Dollar Anfang des Jahres. Den größten Deal im Markt für Zahlungsabwicklungen 2019 schlossen aber FIS und World Pay ab, der auf 35 Milliarden Dollar beziffert wurde.

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