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Investoren : Warren Buffett gehen die guten Ideen aus

  • -Aktualisiert am

Warren Buffett: Mangel an Kaufgelegenheiten Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Warren Buffet hatte bislang immer ein gutes Händchen beim Aktienkauf. Die jüngsten Investitionen beim Bierbrauer Anheuser-Busch und dem Einzelhändler Wal-Mart haben sich aber nur unterdurchschnittlich entwickelt.

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          Die jüngsten Wetten von Warren Buffett im amerikanischen Aktienmarkt haben sich bisher nicht ausgezahlt. Mit den Aktien des Bierbrauers Anheuser-Busch und des Einzelhändlers Wal-Mart lag der legendäre Investor im vergangenen Jahr unter seinen Einstandspreisen.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Kursentwicklung bei der großen Regionalbank Wells Fargo sieht zwar etwas besser aus. Aber von einem kräftigen Kursaufschwung als Folge des bekanntgewordenen Engagements der von Buffett geführten Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway war bisher nichts zu spüren.

          Buffett hat es mit der Anlage in unterbewerteten Aktien zum Milliardär gebracht. Beim Finanzdienstleister American Express und bei dem Getränkehersteller Coca-Cola ist Berkshire Hathaway seit Jahren Großaktionär. Buffett hatte in den vergangenen Jahren aber über einen Mangel an neuen Kaufgelegenheiten geklagt. 2005 stockte Berkshire die Position der Bank Wells Fargo deutlich auf, deren Aktien sich schon seit Jahren im Portfolio befinden.

          Bier brachte kein Glück

          Dazu kaufte Buffett erstmals Aktien des größten amerikanischen Bierbrauers Anheuser-Busch sowie des weltgrößten Einzelhändlers Wal-Mart. Buffett hatte das bereits Mitte Februar der Börsenaufsicht in einer Pflichtmitteilung berichtet und es in dem Anfang März veröffentlichten Brief an die Aktionäre von Berkshire wiederholt. Zudem kaufte er einige internationale Aktien, zu denen er aber keine detaillierten Angaben machte.

          Bei Anheuser-Busch, dem Hersteller der Marken Bud und Michelob, besaß Berkshire zum Jahresende 5,6 Prozent der Aktien im Wert von 1,9 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs von Anheuser-Busch hatte im Jahr 2005 um 15,3 Prozent nachgegeben. In diesem Jahr liegt der Kurs der Aktien aber mit einem Prozent im Plus, nachdem er am Montag mit einem kräftigen Sprung auf die Hochstufung durch zwei Analysten reagiert hatte.

          Ein Grund, warum die Anleger auf Distanz zu Anheuser gegangen sind: Der Anteil von Bier am Gesamtmarkt für alkoholische Getränke in Amerika ist von 60 Prozent vor zehn Jahren auf nun 56 Prozent zurückgegangen. Dazu setzt Miller, die Nummer zwei des Marktes, Anheuser-Busch mit einem Preiskampf und aggressivem Marketing unter Druck.

          Der Glaube an die Marke

          Buffett und andere Investoren, die ein Schnäppchen machen wollen, glauben aber an den starken Namen der Marke Bud und an die dominante Position von Anheuser-Busch im amerikanischen Markt. Das Unternehmen hat einen Marktanteil von 48,6 Prozent, während die beiden Konkurrenten Miller und Molson Coors gemeinsam nur auf 29 Prozent kommen.

          Investoren erhoffen sich zudem starkes Wachstum in Lateinamerika und China. Anheuser-Busch hat jüngst die Beteiligung am chinesischen Bierbrauer Tsingtao von 9,9 auf 27 Prozent aufgestockt. China ist der größte Biermarkt der Welt und wächst jährlich um 8 Prozent. Analyst Carlos Laboy von der Investmentbank Bear Stearns beobachtet aber auch eine Markterholung in Amerika: „Von diesem Aufschwung in der Branche wird Anheuser-Busch direkt profitieren.“

          Der Vorstandschef von Anheuser-Busch, Patrick Stokes, prognostizierte ein langfristiges Gewinnwachstum von 7 bis 10 Prozent. Das Unternehmen weist zudem einen hohen Barmittelzufluß aus, der zum Rückkauf eigener Aktien und zur Ausschüttung von Dividenden genutzt wird. Anheuser-Busch kommt auf eine Dividendenrendite von 2,5 Prozent.

          Wal-Mart leidet unter mangelndem Interesse

          Die Kurse der Wal-Mart-Aktien fielen 2005 um 11 Prozent und gaben in diesem Jahr um weitere 3 Prozent nach. An Wal-Mart, dem nach Börsenwert achtgrößten amerikanischen Konzern, hielt Buffetts Gesellschaft zum Jahresende 0,5 Prozent, was einem Wert von 933 Millionen Dollar entsprach.

          Großunternehmen wie Wal-Mart leiden schon seit Jahren unter mangelndem Interesse der Wall Street. Aktiengesellschaften mit hohem Börsenwert werden nicht favorisiert, da deren Wachstumsraten in der Regel nachlassen. Analysten hoffen auf einen Aufschwung der Einzelhändler, wenn die Energiepreise in diesem Jahr sinken und die Privathaushalte weniger stark belasten würden.

          Bei Wells Fargo, der nach Börsenwert viertgrößten Bank Amerikas, hielt Berkshire Ende vergangenen Jahres 5,7 Prozent (2004: 3,3) der Anteile im Wert von knapp 6 Milliarden Dollar. Die Aktien behaupteten sich im vergangenen Jahr mit einem Plus von 0,5 Prozent und sind seit Anfang des Jahres um 4 Prozent gestiegen. Wells Fargo gehört zu den „großen vier“ im Berkshire-Portfolio, zu denen neben American Express und Coca-Cola noch der Rasierklingenhersteller Gillette gehörte. Gillette wurde 2005 vom Konsumgüterhersteller Procter&Gamble übernommen.

          Buffet spielt Erwartungen herunter

          Buffett schrieb im Aktionärsbrief, daß Wells Fargo von Vorstandschef Dick Kovacevich „brillant“ geführt werde. Wells Fargo scheint aber auch unter der Abwendung von Börsenriesen zu leiden. Die Aktie hat mit 14,4 das niedrigste Kurs-Gewinn-Verhältnis und mit 3,2 Prozent die höchste Dividendenrendite unter den drei großen Zukäufen von Buffett. Der leichte Anstieg des Aktienkurses reflektiert zudem nicht das zweistellige prozentuale Gewinnwachstum von Wells Fargo.

          Chris Mustacio von Credit Suisse First Boston spricht von Wells Fargo als einer Bank mit erstklassiger Vertriebskultur und weitreichenden Vertriebskanälen in Kombination mit Wachstumsmärkten. Die Bank ist für innovative Vertriebsmethoden bekannt. Kunden können beispielsweise ein Paket von Angeboten kaufen und damit ihre Gebühren reduzieren. Die Bank war auch die erste, die im wachsenden Latino-Markt eine mexikanische Identitätskarte anerkannte, damit illegale Einwanderer ein Konto eröffnen konnten.

          Buffett spielt die Erwartungen ohnehin herunter. „Erwartet keine Wunder von unserem Aktienportfolio“, hieß es in dem Aktionärsbrief. Unternehmen seien nicht zu Schnäppchenpreisen zu haben. „Als Gruppe werden sie sich möglicherweise in zehn Jahren im Wert verdoppeln“, prognostiziert Buffett. Das entspräche einem Wachstum des Gewinns je Aktie um 6 Prozent bis 8 Prozent im Jahr.

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