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Staatsverschuldung : Investoren leihen dem Bund Rekordsummen

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Auf dem Flur der Bundesfinanzagentur: Die Behörde emittiert und verwaltet die Bundeswertpapiere. Bild: Wolfgang Eilmes

Das Volumen der neu emittierten Bundeswertpapiere hat sich im Jahr 2020 verdoppelt. Und im kommenden Jahr will der Bund sogar in noch größerem Umfang neue Schulden am Kapitalmarkt machen.

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          Die Corona-Pandemie wirkt sich erheblich auf die Einnahmen und Ausgaben des Bundeshaushalts aus. Daher plant die Finanzagentur der Bundesrepublik, im Jahr 2021 Bundeswertpapiere in einer Rekordsumme von 469 bis 471 Milliarden Euro durch Auktionen zu emittieren. Nach von der Behörde am Donnerstag präsentierten Zahlen hat sich das Emissionsvolumen schon im laufenden Jahr auf den bisherigen Höchststand von 406 Milliarden Euro verdoppelt.

          Mark Fehr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das durch die Emission von Bundeswertpapieren bei Investoren und Anlegern auf dem Kapitalmarkt eingesammelte Geld fließt in die Finanzierung des Bundeshaushalts und seiner Sondervermögen. Zu den Sondervermögen gehören unter anderem der im Zuge der Corona-Pandemie eingerichtete Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WFS) sowie der aus der Finanzkrise im Jahr 2008 stammende Finanzmarktstabilisierungsfonds (FMS).

          Wie der Chef der Finanzagentur Tammo Diemer erläuterte, werde im kommenden Jahr ein Fokus auf Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit liegen. Laut Emissionskalender will der Bund über 30-jährige Anleihen ein Volumen von 11 Milliarden Euro finanzieren. Demnach ist für September 2021 im Rahmen eines Syndikatsverfahrens die Neuemission einer 30-jährigen Bundesanleihe geplant, die im August 2052 fällig werden soll. Zudem sollen zwei schon in Umlauf befindliche 30-jährige Bundesanleihen mit Fälligkeit in den Jahren 2048 und 2050 aufgestockt werden. Aufgestockt werden soll auch die neu zu emittierende 30-jährige Anleihe mit Laufzeit bis 2052. Diese Aufstockungen sollen in 9 Auktionen im Volumen von jeweils einer Milliarde bis 1,5 Milliarden Euro stattfinden.

          Erste 30-jährige Grüne Anleihe

          Außerdem wird im Mai 2021 erstmals eine grüne Bundesanleihe mit 30-jähriger Laufzeit emittiert, bei der es sich um einen sogenannten Zwilling handelt. Das bedeutet, dass die Ausstattungsmerkmale der grünen Anleihe denen der konventionellen Bundesanleihe entsprechen, die am 21. August 2019 mit einem Kupon von null Prozent und Fälligkeit im August 2050 begeben wurde. Grüne Anleihen dienen der Finanzierung erneuerbarer Energien oder des Umweltschutzes. Bei Investoren sind diese Papiere auch deshalb beliebt, weil sich damit Nachhaltigkeitskriterien (ESG) einhalten lassen.

          Bei der Nachhaltigkeit geht es nicht allein um Umweltschutz, sondern auch um andere ethische Anforderungen wie den fairen Umgang von Unternehmen mit Mitarbeitern oder Lieferanten. Entsprechende Sozialanleihen stehen allerdings nicht auf dem Emissionsplan des Bundes. Anleihen mit ganz besonders langer Laufzeit jenseits von 30 Jahren sind laut Agenturchef Diemer für 2021 ebenfalls nicht geplant, auch wenn solche Langläufer für eine Balance zwischen den Kosten einer Emission und der Unsicherheit über die künftige Marktentwicklung sorgen könnten. So hatte das Nachbarland Österreich kürzlich mit einer 100-jährigen Staatsanleihe für Aufsehen an den Finanzmärkten gesorgt. Spektakuläre Emissionen dieser Art hat Deutschland dagegen offenbar nicht vor.

          Mit Schulden Geld verdienen

          Für Investoren ist insbesondere die Bundesanleihe mit 10-jähriger Laufzeit ein wichtiges Referenzpapier für die Anlage in Euro, der international zweitwichtigsten Währung nach dem Dollar. Dabei steht vor allem die hohe Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik im Vordergrund und weniger die Rendite, die sich mit den als sicher geltenden Anleihen erzielen lässt. Der Bund kann sich daher teils sogar zu negativen Zinsen verschulden. Gläubiger zahlen also dafür, dem deutschen Staat Geld leihen zu dürfen. Wie am Dienstag durch eine Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage bekanntgeworden war, hat der Bund im Jahr 2020 bis zum 3. Dezember dank negativer Renditen mehr als 7 Milliarden Euro eingenommen.

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