https://www.faz.net/-gv6-808cp

Frauen in der Finanzbranche : Fonds sollen weiblicher werden

Marketingdirektorin Anne Conelly ist Mitbegründerin des Netzwerks „Fondsfrauen“. Bild: argum / Thomas Einberger

Fondsmanagement ist fast eine reine Männerdomäne. Das neu gegründete Netzwerk „Fondsfrauen“ will das ändern und zeigt die Stärken weiblicher Investments.

          2 Min.

          Seit einiger Zeit wird immer mal wieder darüber diskutiert, ob die Finanzkrise zu verhindern gewesen wäre, wenn es nicht nur Lehman Brothers, sondern auch Lehman Sisters gegeben hätte. Dieses Gedankenspiel fällt, wenig überraschend, je nach Geschlecht unterschiedlich aus. Frauen aus der internationalen Finanzbranche wie die IWF-Chefin Christine Lagarde behaupten stets, dass Männer mehr ins Risiko gingen, während Frauen eher am nachhaltigen Profit orientiert seien.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Männer kontern mit Studien, in denen eine erhöhte Risikobereitschaft vor allem in gemischt-geschlechtlichen Teams festgestellt wird. Als Beleg gilt ihnen nicht zuletzt die Entwicklung der zurückliegenden Jahrzehnte, als in der Finanzwirtschaft nicht nur der Frauenanteil gestiegen ist, sondern auch die Risikotoleranz. „Eine Quote macht noch keinen Kulturwandel und keine Verhaltensänderung“, sagt Anne Connelly, Marketingdirektorin für Morningstar Europe und Mitbegründerin des Netzwerks „Fondsfrauen“, in dem sich Frauen beim Einstieg in die Investmentfondsindustrie und anschließend bei der Karriere gegenseitig unterstützen wollen: „Unser Thema ist Courage.“

          Rund 8 Prozent der Fondsmanager sind weiblich

          Bisher ist das Fondsmanagement vor allem Männersache, wie eine Analyse ergab, die die Fondsfrauen bei ihrer Gründungsveranstaltung am Montagabend in Frankfurt präsentierten. Unter den 1021 namentlich bekannten Fondsmanagern in Deutschland sind 86 weiblich, was einem Frauenanteil von 8,42 Prozent entspricht. Auf der mittleren Führungsebene liegt der Anteil noch bei 16 Prozent. In anderen Ländern sieht es ähnlich aus.

          In den Vereinigten Staaten, auch das ergab eine Morningstar-Analyse, haben die Männer seit der Finanzkrise sogar noch mehr die Oberhand gewonnen. Seit 2009 hat sich dort der Anteil weiblicher Führungskräfte im Fondsmanagement von 10 Prozent auf 7 Prozent verringert. „Man kann in der Fondsbranche sehr wohl Karriere machen“, behauptet Connelly, die einst in Amerika arbeitete und danach als Geschäftsführerin von Morningstar Deutschland fungierte. Die Männer ständen „nicht zwingend im Weg“. Die Frage ist aber: „Wie kriegen wir die Jungs dazu, uns für voll zu nehmen?“

          2019 soll der Frauenanteil bei 30 Prozent liegen

          Dass Frauen anders investieren als Männer, erklärte Anke Dembowski, Finanzjournalistin und ebenfalls Gründungsmitglied, nicht mit den geläufigen Ergebnissen aus der Neurowissenschaft, sondern anhand eines Vergleichs ausgewählter Fonds. Die von Frauen geführten Fonds würden zwar nicht unbedingt besser abschneiden, aber deren Depot-Ergebnisse seien weniger breit gestreut. Was Dembowski zu der Schlussfolgerung führt: „Männer gehen offenbar mehr ins Risiko.“ Pointierter drückte es Michaela Krahwinkel aus, die bei Union Investment die Performance-Analyse leitet und im Beirat der Fondsfrauen GmbH sitzt: „Männer überschätzen sich, Frauen sind realistischer.“ Was helfe, sei Vielfalt. „Ich werde nicht darauf hinarbeiten, dass Quoten erfüllt werden, sondern dass es zu einem ausgeglicheneren Miteinander kommt.“

          Im Jahr 2019 solle der Frauenanteil unter den Fondsmanagern 30 Prozent betragen, lautet das Ziel der Fondsfrauen. Dabei dürfte ihnen die EU-Finanzmarktrichtlinie entgegenkommen. Mifid II sieht vor, dass Gremien nach „Diversity“ besetzt werden müssen – andernfalls könnte der Lizenzentzug drohen.

          Weitere Themen

          Frauen bekommen weniger Kapital

          Fintechs : Frauen bekommen weniger Kapital

          Laut einer Erhebung ist in den Vereinigten Staaten der Frauenanteil bei der Gründung von Fintechs gering. Sie bekommen allerdings auch weniger Geld als Männer.

          Topmeldungen

          Zwischen Angst und Wut: Unter den Demonstranten in Thailand sind viele junge Frauen, die sich von den Traditionen ihrer Eltern abwenden.

          Proteste gegen Rama X. : Thailands König entzweit Familien

          Die junge Thailänderin Nan demonstriert in Bangkok für eine Einschränkung der königlichen Rechte. Sie will nicht vom reichsten Monarchen der Erde regiert werden. Ihre Eltern aber wollen nicht an den Traditionen rütteln.
          Schwierige Partner: Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

          Polens Außenminister : Die EU-Verträge sind heilig

          In Europa gilt das Einstimmigkeitsprinzip. In den Regelungen für die Corona-Hilfe soll das nun rechtswidrig umgangen werden. Polen muss mit einem Veto drohen, um einen drohenden Vertragsbruch abzuwenden. Ein Gastbeitrag.
          Lange Schlangen vor den Supermärkten sind auch vor Weihnachten wieder zu erwarten.

          So reagiert der Handel : Lange Schlangen und gähnende Leere befürchtet

          Wenige Wochen vor dem Weihnachtsfest hat die Bundesregierung die Corona-Maßnahmen noch einmal verschärft – sehr zum Ärger des hiesigen Handels. Gerade Supermärkte haben für die Regeln nur wenig Verständnis.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.