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Investmentfonds : Fondsmanager: Erholung bei Schwellenländer-Anleihen

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Die Kurse von Schwellenländer-Anleihen dürften sich wieder erholen, weil Pensionsfonds in diesem Jahr Rekordsummen in diese Papiere investieren, erwarten Fondsmanager. Der Wirbel um die Zinsen in Amerika sei übertrieben, heißt es.

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          Die Kurse von Schwellenländer-Anleihen dürften sich wieder erholen, weil Pensionsfonds in diesem Jahr Rekordsummen in diese Papiere investieren, erwarten Fondsmanager. Der EMBI Global Schwellenmarktindex von J.P. Morgan hat im April 3,9 Prozent eingebüßt, belastet durch Spekulationen, daß eine Zinserhöhung in Amerika die Finanzierungskosten weltweit erhöht.

          Pensionsfonds und andere langfristig orientierte Anleger werden in diesem Jahr voraussichtlich zehn Milliarden Dollar in Schwellenländer-Anleihen (Bonds) investieren, etwa so viel wie die Rekordsumme aus dem letzten Jahr, erwartet J.P. Morgan Chase & Co. Der EMBI Schwellenmarktindex konnte in den vergangenen fünf Jahren jeweils zulegen, für 2003 kommt er auf ein Plus von 26 Prozent. Dagegen haben Aktien den Investoren in drei der vergangenen vier Jahre Verluste gebracht.

          „Aufregung um die Zinsen ein bißchen übertrieben“

          "Der ganze Wirbel und die Aufregung um die Zinsen sind meiner Auffassung nach ein bißchen übertrieben", sagt Raphael Kassin, Fondsmanager bei ABN Amro Asset Management in London. "Die Fundamentaldaten bei den Schwellenmärkten sind großartig."
          Mohamed El-Erian, der bei Pacific Investment Management Co. den größten Schwellenmarkt-Anleihefonds der Welt verwaltet, hat sein Anlagekapital seit Anfang 2003 auf 14 Milliarden Dollar verdoppelt. In diesem Jahr haben Anleger ihm eine Milliarde Dollar anvertraut, berichtet er.

          Auch Jerome Booth, der für Ashmore Investment Management Ltd. in London einen Emerging-Markets-Fonds mit einem Anlagekapital von fünf Milliarden Dollar verwaltet, verzeichnete in diesem Jahr einen Zufluß von einer Milliarde Dollar. "Wir haben eine riesige Veränderung beobachtet: viele, viele Pensionsfonds investieren erstmals an diesem Markt", sagte Booth in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. "Das ist eine willkommene Gelegenheit zum Einstieg." Der Markt "wird sich wieder bessern, keine Frage."

          Rückzug von Hedge Fonds führte zu fallenden Kursen

          Die Kurse der Schwellenländer-Bonds sind gefallen, nachdem sich Hedge Fonds zurückgezogen haben, die in Amerika Geld aufnehmen, um es zu höheren Zinsen in Schwellenländern zu investieren, erläutert El-Erian. Die Hedge Fonds befürchten, daß die amerikanische Notenbank angesichts stärkerer Wachstumsanzeichen in Amerika die Zinsen anhebt, fügt er hinzu.

          Die amerikanische Wirtschaft ist in einer "kräftigen Expansion" begriffen und die Zinsen "müssen irgendwann steigen", äußerte Notenbankchef Alan Greenspan am 21. April. Die Spekulationen auf eine Zinsanhebung der Federal Reserve Bank sorgten im vergangenen Juli für einen noch stärkeren Ausverkauf als im April. Damals fiel der EMBI Global Index 5,3 Prozent, um dann in den folgenden Monaten 14 Prozent zu klettern.
          "Das ist eine Wiederholung dessen, was wir im letzten Juli beobachtet haben", erklärt El-Erian. "Man respektiert die Reduzierung der kreditfinanzierten Investments, wartet, bis sich das Ganze verlaufen hat und investiert dann." El-Erian hält die Zinsen, die er in diesem Monat aus seinen Anleihen erhalten hat, in liquiden Mitteln, um sie zu investieren, wenn die Verkäufe der Hedge Fonds beendet sind.

          Stärkste Verluste bei russischen Anleihen

          Die stärksten Kursverluste gab es in diesem Monat bei russischen und osteuropäischen Staatsanleihen, die laut dem J.P. Morgan-Index 4,6 Prozent einbüßten. Bei lateinamerikanischen Papieren ging es 4,3 Prozent abwärts, dabei fielen brasilianische Anleihen 5,7 Prozent und Papiere aus Ecuador 9,5 Prozent.

          Jean-Dominique Butikofer, der für Julius Bär Asset Management in Zürich Schwellenmarktfonds verwaltet, zeigt sich vorsichtig. Er hat den Anteil der baren Mittel am Fondskapital, der im Schnitt bei zwei Prozent liegt, auf 15 Prozent erhöht. "Wenn wir ehrlich sind, werden die Schwellenmärkte nicht mehr wie letztes Jahr zweistellig zulegen, daher werden sich auch die Zuflüsse verlangsamen."

          In der vierten April-Woche zogen Anleger die zweite Woche in Folge Gelder aus Emerging-Markets-Anleihefonds ab, zeigt eine Umfrage von EmergingPortfolio.com Fund Research in Boston. Für dieses Jahr kommen die Fonds auf einen Zufluß von 1,4 Milliarden Dollar, das entspricht 8,6 Prozent ihres Anlagekapitals. Im Juli 2003 zeigte die gleiche Umfrage, daß vier Wochen hintereinander Kapital aus den Fonds abgeflossen war. Insgesamt haben Anleger im vergangenen Jahr drei Milliarden Dollar in Emerging-Markets-Anleihefonds gepumpt.

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