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Interview : Erstaunlich viele Titel trotzen der Baisse

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Wieland Staud: „Trends können viel weiter gehen, als wir gemeinhin vermuten” Bild: Staud Research

Wie Wieland Staud im Gespräch mit FAZ.NET zeigt, gibt es tatsächlich Aktien, die aussehen, als hätte es die Baisse nie gegeben.

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          Wir kennen es kaum noch anders, als dass Aktienkurse fallen. Irgendwo muss es aber doch auch Titel geben, die sich dem allgemeinen Trend erfolgreich entziehen konnten. Im Gespräch mit FAZ.NET nennt der technische Analyst Wieland Staud von Staud Research solche Titel.

          Seit 16 Monaten kennen die wichtigsten Börsen der Welt fast nur eine Richtung: nach unten. Gibt es trotzdem Werte, die sich von der Baisse bisher unberührt zeigen?

          Es gibt durchaus Aktien, die fast so aussehen, als hätte es die Baisse nie gegeben. Im Dax ist das BMW, im Dow Jones haben Citigroup und Philip Morris die klarsten aufwärts gerichteten Trends behaupten können. Im Nasdaq überraschen vor allem zwei Werte aus dem Biotech-Sektor, nämlich Genzyme und Amgen. Am Neuen Markt dagegen fällt lediglich die relative Stärke von Medion positiv auf, wenn auch mit Abstrichen. Dafür gibt es im MDax neben mehreren Abstürzen auch eine ganze Reihe von erstaunlich guten Charts. Hier stechen vor allem die Titel des Pharma- und Konsumbereichs hervor, wie Altana, Gehe, Stada, Beiersdorf, Südzucker, Puma oder Wella. Aber auch Buderus, AMB, BHW oder Bilfinger und Berger weisen stabile Trends auf.

          Für wie wahrscheinlich halten Sie, dass sich diese positiven Einzeltrends fortsetzen?

          Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit einfach viel größer, dass sich ein Trend fortsetzt, als dass er es nicht tut. Jede Form von Analyse muss sich meiner Meinung nach an dem Falsifizierungskriterium Poppers orientieren. Wenn man weiß, dass Trends das stabilste Phänomen der technischen Analyse überhaupt sind, muss die Analyse immer versuchen zu falsifizieren, dass sich ein Trend fortsetzt. Wenn diese Falsifizierung misslingt, dann wird er sich fortsetzen. Angesichts stark gelaufener oder gefallener Werte neigen wir Menschen natürlich genau zu umgekehrten Schlüssen. Natürlich enden auch Trends irgendwann. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine bestehende Entwicklung fortsetzt, ist aber wider alles menschliche zyklische Denken schlicht größer.

          Wie sieht es grundsätzlich mit den Werten aus, die zumindest relative Stärke gezeigt haben?

          Man kann ja durch Division des Kursverlaufs einer Aktie durch ihren Index als Vergleichsmaßstab auch die relative Stärke in einem Chart darstellen. Wenn diese Linie steigt, heißt das, dass sich der betrachtete Wert dauerhaft besser entwickelt als der Vergleichsmaßstab. Und auch hier ist es wahrscheinlicher, dass sich der Trend fortsetzt, als dass er sich umkehrt. Bestes Beispiel aus der Vergangenheit ist die damalige Entwicklung der T-Aktie bis zum Kurs von 103 Euro, eine Entwicklung, die weit über das Vorstellungsvermögen der Börsianer ging. Wobei jetzt genau die Umkehrung eingetreten ist. Trends können also sehr viel weiter gehen, als wir gemeinhin vermuten.

          Was passiert mit den Werten mit relativer Stärke, wenn der Gesamtmarkt nach oben dreht?

          Wenn es tatsächlich irgendwann zu einer Trendwende an den Märkten kommt, können diese Werte in der ersten Wendephase meistens nicht mithalten. Was nur natürlich ist - in den anderen Titeln sehen die Anleger einfach mehr Erholungspotenzial. Was nichts an der dauerhaften Vorteilhaftigkeit von Titeln mit relativer Stärke gegenüber ausgebombten Titeln ändert.

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