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Interview : „Die Qualität von Fusionen wird zunehmen“

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Hermann Wagner über Erfolgsfaktoren bei Fusionen Bild: Arthur Andersen

Thema Fusionen und Übernahmen: Finanzdienstleister und Telekom-Unternehmen stehen erst am Anfang.

          3 Min.

          Fusionen und Übernahmen bewegen die Börse. Das wird auch im laufenden Jahr wieder so sein. FAZ.NET im Gespräch mit Hermann Wagner, Partner bei Arthur Andersen.

          Warum gibt es eigentlich so viele Ansätze zu Fusionen, wenn am Ende nur eine sehr geringe Erfolgsquote übrig bleibt?

          Ich denke hier muss man zunächst einmal unterscheiden zwischen zwei Haupttriebfedern, die ich beim Thema Fusionen sehe. Das eine ist der Aspekt Marktführerschaft. Das betrifft in erster Linie zwei Unternehmen der gleichen Branche.

          Der zweite Ansatz ist der, dass man über ein ganzes Portfolio spricht, also die Frage, passt das aufgekaufte Unternehmen zum Beispiel in eine bereits vorhandene Holding-Struktur hinein. Das sind ja eigentlich die beiden Hauptgründe für Fusionen.

          Was sind Erfolgsfaktoren, harte und weiche, für eine Fusion, die gelingen soll?

          Zu den harten Erfolgsfaktoren gehört für mich vor allem die Frage, passen Käufer und Verkäufer überhaupt zusammen. Ein ganz klar harter Erfolgsfaktor ist natürlich auch und gerade der Preis.

          Zu den weichen Erfolgsfaktoren - und damit sind wir fast auch schon bei der Frage, warum eine Fusion nicht klappt - gehört zum einen die Unternehmenskultur. Das sind vor allem die Menschen, insbesondere das Management eines Unternehmens. Denn hier hat uns die Vergangenheit ja schon oft gelehrt, dass eine Fusion eben an genau diesem Punkt scheitert. Auf internationaler Ebene sind es am Ende immer noch nationale Unterschiede, das muss man einfach sehen. Ausländische Unternehmer tun sich immer noch schwer mit der deutschen Unternehmenskultur. Und umgekehrt geht es deutschen Unternehmen im Ausland ja auch nicht viel anders.

          Eigentlich sind alle Fusionen, die im vergangenen Jahr gescheitert sind, an genau diesen Punkten gescheitert: Unternehmenskultur und Menschen, wenn es um innerdeutsche Zusammenschlüsse ging. Und bei den grenzübergreifenden Transaktionen war es oft so, dass die Märkte am Ende eben doch nicht so transparent sind, wie es scheint, und auch die Unternehmen offensichtlich nicht so transparent sind, wie es dem potentiellen Käufer erscheint.

          Und schließlich ist es dann auch der zu hohe Preis, der zum Scheitern führt. Da wurden dann häufig Synergieeffekte reingerechnet, die am Ende doch nicht eintreten.

          Wird sich an der Qualität von Fusionen etwas ändern?

          Davon bin ich überzeugt. Allein schon, weil man ja auch aus den Fehlern anderer lernen kann. Die Qualität wird sich mit Sicherheit erhöhen. Denn an der Tatsache selbst, also am Zwang zu einem stärkeren Konzentration wird sich ja nicht viel ändern.

          In den siebziger Jahren war das große Ziel der breit aufgestellte Mischkonzern, dann kam die Konzentration auf die Kernkompetenzen, schließlich eine möglichst globale Ausrichtung. Was könnte der nächste große Trend sein?

          Grundsätzlich würde ich diese Trends auch so sehen, allerdings war das auch alles immer gleichzeitig vorhanden. Es gab schon immer den Hang zur Mischkonzernbildung, und es gab schon immer den Drang zur Kernkompetenz, eben je nach Branche. Wenn Sie mich jetzt nach einem neuen Grundtrend fragen, dann würde ich sagen, es wird noch eine stärkere Trennung zwischen Vertrieb einerseits sowie Entwicklung und Herstellung von Produkten beziehungsweise Dienstleistungen andererseits geben. Es gibt inzwischen Banken, die kaufen sich einfach ihre Produkte zusammen und übernehmen dann nur noch den Vertrieb dafür.

          Welche Auswirkungen haben Fusionen auf die Produktpalette von Unternehmen?

          Das hängt sehr stark davon ab, über welche Art von Fusion wir sprechen. Wenn es sich um die gleiche Branche handelt, dann sehen die möglichen Auswirkungen natürlich ganz anders aus, als wenn es sich um eine Mischkonzern handelt. Ein Beispiel aus der Automobilindustrie: Da wird doch schwerpunktmäßig auf Ergänzung gesetzt. Da kauft man sich ganze Marktsegmente hinzu. Oder man ergänzt mit einer anderen Marke bestimmte Produkte, die in der Modellpalette bisher noch fehlten.

          Feindliches „Takeover“ oder freundlicher „Merger“, was wird Ihrer Ansicht nach zunehmen?

          Da muss man unterscheiden zwischen Deutschland und dem Rest der Welt. Auch wenn in Deutschland feindliche Takeover gelungen sind, werden die freundlichen Merger aus meiner Sicht die Oberhand behalten. Das ist auch eine kulturelle Sache. Grundsätzlich aber hängt das natürlich auch von der Marktkapitalisierung der Unternehmen ab. Wer viel bezahlen kann - und zwar nicht nur 'Cash', sondern auch mit eigenen Aktien - , der ist auch in der Lage, eine feindliche Übernahme durchzusetzen. Das hängt aber zum Beispiel auch von der Börsensituation ab.

          Welche Branchen werden in erster Linie vom Thema Fusionen erfasst sein?

          Als erstes würde ich sagen alle Bereiche, die wirklich global erzeugen. Zum Beispiel die Automobilindustrie, aber auch andere metallverarbeitende Industrien, die sehr stark grenzübergreifend arbeiten. Die haben natürlich den Zwang zur Kostenreduktion. Eine Branche, bei der diese Fusionen erst beginnen, sind beispielsweise die Finanzdienstleister, also Banken und Versicherungen. Die stehen da erst am Anfang, und zwar nicht nur national, sondern auch global. Die Zersplitterung ist hier einfach noch zu groß.

          Auch im Telekomsektor wird sich nach der Phase der Privatisierung und Deregulierung jetzt das Rennen um die Frage fortsetzen, wer die beste und schnellste Technik am preiswertesten bereitstellen kann. Das zwingt diese Branche zur Globalisierung. Da wird es noch starke Aufkäufe geben.

          Und dann natürlich der ganze 'Dot-Com-Bereich'. Hier wird in der nächsten Zeit eine Marktbereinigung stattfinden. Das kann durchaus erst einmal auf nationaler Ebene sein, und erst danach auf internationaler Ebene.

          Das Gespräch führte Hans Heuser.

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