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Interview : „Bei der Altersvorsorge kommt keiner an Investmentfonds vorbei“

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Voller Lob für die Anleger: Investment-Verbandschef Horst Zirener

Voller Lob für die Anleger: Investment-Verbandschef Horst Zirener Bild: DGZ-Deka

Die Fondsbranche in Deutschland steht vor neuen Herausforderungen. FAZ.NET im Gespräch mit Horst Zirener, Vorstandssprecher des deutschen Fondsverbands.

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          „Die Anleger sind auch in schwierigen Börsenzeiten von der langfristigen Vorteilhaftigkeit der Fondsanlage überzeugt“, deutet Horst Zirener, Vorstandssprecher des Bundesverbands Deutscher Investment-Gesellschaften das Verhalten deutscher Fondsinvestoren in der jüngeren Zeit. Der Trend zur Aktie sei bei den Anlegern intakt, erklärt Zirener im Gespräch mit FAZ.NET, weil diese zunehmend mittel- bis langfristig orientiert seien.

          Welchen Stellenwert haben Investmentfonds heute bei der Geldanlage der Deutschen?

          Die Investmentfondsidee hat sich in Deutschland erst in den letzten fünf bis zehn Jahren so richtig durchgesetzt. Die lange Zurückhaltung ist sicherlich auch durch eine vorsichtigere Mentalität bei der Geldanlage bedingt. Entscheidend scheint mir aber die wachsende Bedeutung des Themas Altersvorsorge zu sein. Nicht zuletzt deshalb hat die Zahl der Aktionäre und Aktienfondsbesitzer rasant zugenommen und überschritt im vergangenen Jahr erstmals die 12 Millionen-Grenze, wobei sich zum ersten Mal mehr Anleger für Fonds als für die Direktanlage entschieden.

          Die gesamte Branche verzeichnet Mittelabflüsse. Ist das die Quittung der Anleger für eine Managementleistung, mit der sie nicht zufrieden sind?

          Das Gegenteil ist richtig: Die Publikumsfonds-Statistik des BVI weist für das erste Quartal 2001 Netto-Mittelzuflüsse von insgesamt 8,7 Milliarden Euro aus, von denen 3,6 Milliarden Euro auf Aktienfonds entfallen. Das ist zwar deutlich weniger als im Ausnahmejahr 2000, aber auch ein Schritt zurück zur Normalität und ein Vertrauensbeweis der Anleger. Sie sind auch in schwierigen Börsenzeiten von der langfristigen Vorteilhaftigkeit der Fondsanlage überzeugt und haben niedrige Notierungen zum Einstieg genutzt. Insgesamt zeigt die Absatzentwicklung: Der Trend zur Aktie ist bei den Anlegern intakt, weil diese zunehmend mittel- bis langfristig orientiert sind, wie es die Anlage selbst ist. Nur spekulativ ausgerichtete Anleger haben zwischenzeitlich die Nerven verloren und sind ausgestiegen. Das sind aber nicht die typischen Fondsanleger.

          Beim Thema private Altersvorsorge konkurrieren die Fondsgesellschaften mit der Versicherungsbranche. Die hat bereits signalisiert, dass sie sich ein ordentliches Stück des Kuchens abschneiden will, der da zur Verteilung ansteht. Geraten die Fondsgesellschaften ins Hintertreffen?

          Im Markt der Altersvorsorge gibt es kein Monopol für die eine oder die andere Branche. Das hat der Gesetzgeber mit der Verabschiedung des Altersvermögensgesetzes noch einmal deutlich gemacht. Wer in diesem Markt wettbewerbsfähig bleiben will, wird über kurz oder lang am Angebot von Investmentprodukten nicht vorbeikommen. Denn diese sind im Hinblick auf ihre langfristige ökonomische Effizienz, Flexibilität und Transparenz vorteilhaft. Der Marktanteil der Investmentbranche wird deshalb in den nächsten Jahren dynamisch wachsen.

          Welche Produkte der Fondsgesellschaften wird es denn geben, die speziell auf die private Zusatzvorsorge nach dem Riester-Konzept zugeschnitten sind?

          Die Fondsgesellschaften werden ein breites Produktspektrum anbieten, das sich an den individuellen Bedürfnissen der Anleger orientiert. Diese Produkte werden rechtzeitig auf den Markt kommen, was nicht zwingend bedeutet, dass dies bereits in den nächsten Tagen oder Wochen der Fall sein muss. Für die Anleger gibt es keinen ersichtlichen Grund, jetzt voreilige Entscheidungen treffen zu müssen. Ich stimme da mit Arbeitsminister Riester überein, der vor vorschnellen Vertragsabschlüssen gewarnt hat. Daher ist jeder gut beraten, alle Angebote intensiv und in Ruhe zu prüfen. Auch demjenigen, der sich erst im kommenden Jahr entscheidet, entgeht kein Pfennig - oder dann Cent - der staatlichen Förderung. Und er oder sie hat dann die Auswahl aus einem noch größeren Angebot.

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