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Im Porträt: Oliver Samwer : Erträgt Deutschland diesen Mann?

Gründer und Milliardär Oliver Samwer Bild: Fricke, Helmut

Aggressiv, großmäulig und extrem clever: So hat Oliver Samwer es mit Internetfirmen zum Milliardär gebracht. Heute geht sein Zalando an die Börse. Der Typ ist eine Sensation.

          Dieser Mann ist eine Zumutung: aggressiv und hochbegabt, ein Unternehmergenie mit Hang zum Größenwahn. Einen Typen wie Oliver Samwer, Selfmade-Milliardär mit Anfang 40, hat die Welt, hat zumindest Deutschland lange nicht gesehen: Zwei seiner Firmen gehen diese Woche im Doppelschlag an die Börse, Zalando und Rocket Internet, aus dem Nichts gekommen, heute wertvoller als die Dax-Konzerne Lufthansa und Lanxess zusammen.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In Amerika wächst diese Spezies Pioniere auf den Bäumen (oder in Garagen): Rabauken, die sich einbilden, mit einer Geschäftsidee die Welt in neue Bahnen zu lenken, darüber Konzerne bauen und steinreich werden. Nur im Ausnahmefall sind diese Typen besonders sanft und einfühlsam, sie sind vor allem anstrengend, hart gegen sich wie gegen alle anderen. Schlag nach bei Steve Jobs, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg - alles keine Kinder der Kuschelpädagogik.

          Und ja, auch Oliver Samwer ist anstrengend. Und er spaltet. Wer ihn mag, findet ihn cool und großartig, wer nicht, für den ist er irre, besessen. Dazwischen gibt es nichts. „Ich bin der aggressivste Mann im Internet“, sagt er von sich selbst. Samwer meint das nicht ironisch, stellt sich in eine Reihe mit den Mark Zuckerbergs dieser Welt. Alibaba, eben mit historischem Rekord an der Wall Street gestartet, und Amazon sind der Maßstab für seine Internetholding. Mehr als 70 Firmen hat er damit gegründet, mit Ideen, die er in Amerika geklaut hat. Da ist der Mann skrupellos. Und ziemlich genau das Gegenteil von dem, was sich die Welt unter gediegenem deutschen Mittelstand vorstellt. Gewinne? Später. Keiner aus dem Sammelsurium an Online-Diensten ist profitabel. Wachstum alleine zählt. Die Welt will erobert werden.

          Erträgt Deutschland so einen Typen? Einen Haudrauf-Unternehmer, der alle anderen niederringt, der mit beißender Ironie wie bösen Untertönen angreift, der dem Handel in den Fußgängerzonen der Republik den Todesstoß versetzen will: „Geschäfte sind Mittelalter, gebaut nur, weil es noch kein Internet gab“? Die Trainer und Berater, die gegenwärtig daran arbeiten, ihm politisch korrekte Demut einzuimpfen, haben eine schwere Aufgabe vor sich.

          Zu Samwer passen keine staatstragenden Floskeln. Jungenhaft schnoddrig wirkt er, ist immer in Bewegung. Stets spricht er einen Tick zu schnell, akzentuiert die Worte nachlässig, kommt selbst auf herrschaftlichem Gelände underdressed daher, ganz so, als ob ihm die paar Minuten am Tag fehlten, die man benötigt, um sich die Haare zu bürsten und ein passendes Outfit zusammenzusuchen. Die kurzen braunen Haare stehen ab, als würde er sie sich permanent raufen. Irgendwo hängt mit Sicherheit ein Zipfel seines Hemdes unter V-Pulli oder Strickjacke heraus, seine Hose sitzt schief, oder die Schnürsenkel sind lose. Meist ist gleich mehreres der Fall.

          Der Auftritt suggeriert sofort: Dieser Mann hat Wichtigeres zu tun, als sich um sein Äußeres zu scheren. Er hat keine Zeit für Smalltalk, Schnickschnack und dumme Fragen, er liest keine Bücher und geht nicht ins Theater. Er hat eine Mission. Die muss er erledigen. Koste es, was es wolle. „Das Rad, das der Olli dreht, muss immer und immer größer werden“, sagt ein Weggefährte. „Nur dann ist er zufrieden.“

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