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Börsenstart : Zalando-Aktie schließt auf Ausgabepreis

  • Aktualisiert am

Die Vorstandmitglieder der Zalando SE von links: David Schneider, Robert Gentz und Rubin Ritter Bild: Eilmes, Wolfgang

„Schrei vor Glück!“ lautet der Werbeslogan von Zalando. Beim Börsenstart konnten den Anlegern aber eher andere Schreie entfahren: Die Aktie schloss auf dem Ausgabepreis.

          2 Min.

          Konfetti-Regen auf dem Frankfurter Börsenparkett und eine Jubelstimmung wie zu Zeiten des Neuen Marktes: Mit großer Show hat der Online-Modehändler Zalando am Mittwoch sein Börsendebüt gefeiert. Zalando feierte den Börsengang wie kaum ein Neuling in den vergangenen Jahren: Mitarbeiter und Vorstände hinter Packtischen verschenkten auf dem Platz vor der Börse weiß-schwarze Zalando-Pakete mit Flip-Flops - dem ersten Produkt, das das Unternehmen 2008 verkauft hatte. Auf dem Börsenparkett drängelten sich Zalando-Manager, Investmentbanker, Händler und Journalisten zwischen überdimensionalen Zalando-Schachteln. Auf den Händler-Tresen standen Turnschuhe und hochhackigen Pumps.

          Models marschierten die Treppe zwischen den Handelssälen auf und ab. Und als der erste Kurs auf der Anzeigetafel zu lesen war, ertönte - noch vor der traditionellen Börsenglocke - der „Schrei vor Glück“ über die Lautsprecher, mit dem sich Zalando in der Fernsehwerbung Bekanntheit verschafft hat.

          Das Kursfeuerwerk brannte allerdings schnell nieder. Mit 21,50 Euro lag der Kurs zum Ende des Xetra-Handels exakt auf der Höhe des Ausgabepreises. Zunächst war der Kurs um 12 Prozent auf 24,10 Euro gestiegen, bröckelte aber rasch wieder ab. Händler hatten vor dem Börsenstart auf Kurse bis zu 27 Euro gesetzt. Sie äußerten sich dementsprechend enttäuscht: „Man kann sagen: schwach angefangen und dann stark nachgelassen“, sagte Oliver Roth, Chefhändler bei Close Brothers Seydler, zu Reuters TV. „Der erste Kurs liegt deutlich unter den Erwartungen der letzten zwei, drei Tage.“

          Die Ernüchterung erfasste auch den größten Zalando-Aktionär, die schwedische Investmentfirma Kinnevik : Deren Aktienkurs sackte in Stockholm um 9,6 Prozent ab. Viele Anteilseigner schichteten in Zalando um, sagten Händler.

          Robert Halver von der Baader Wertpapierhandelsbank glaubt nicht, dass mit Zalando und der Schwesterfirma Rocket Internet, die am Donnerstag an die Börse geht, die Grundlage für eine deutsche Internet-Blase gelegt werde. „Der Vergleich mit dem Neuen Markt ist Quatsch. Wir haben so lange gewartet auf Börsengänge. Das ist ein Zeichen für die Rückkehr einer Aktienkultur.“ Anders als um die Jahrtausendwende sind Privatanleger weitgehend außen vor:

          Auch Zalando-Mitgründer Gentz will nichts von einem neuen „Neuen Markt“ wissen. „Wir bieten den Kunden einen echten Mehrwert, haben zwei Milliarden Euro Umsatz. Und für die ewigen Zweifler haben wir zuletzt auch Profit ausgewiesen“, sagte er. 200.000 Euro Gewinn standen unter dem Strich im ersten Halbjahr zu Buche. An der Börse ist das Unternehmen mit seinen rund 7000 Mitarbeitern 5,5 Milliarden Euro wert.


          Die Aktuellen Börsenkandidaten


            Deutsche Pfandbriefbank (pb, ehemals Hypo Real Estate)

            Geschäftsmodell: Bank
            Zeitpunkt: erwartet Juli 2015
            Eigentümer: BR Deutschland
            Bewertung: nicht bekannt
            Volumen: rund 100 Millionen Aktien (mindestens 75,1 Prozent)
            Banken: HRE Citigroup Global Markets, Deutsche Bank, J.P. Morgan, Commerzbank, Joh. Berenberg, Gossler & Co.

            Jost

            Geschäftsmodell: Lkw-Zulieferer
            Zeitpunkt: September 2015 erwartet
            Eigentümer: Cinven
            Bewertung: geschätzt 700 Millionen Euro
            Volumen:
            Banken: Rothschild, J. P. Morgan, Deutsche Bank und Commerzbank

            German Startups

            Geschäftsmodell: Beteiligungen
            Zeitpunkt: eventuell 2015
            Segment: Entry Standard
            Eigentümer: Christoph Gerlinger und Nikolas Samios
            Bewertung: k.A.
            Volumen: 60 bis 70 Millionen Euro, reine Kapitalerhöhung
            Banken: Commerzbank, Hauck & Aufhäuser, BHF-Bank, Quirin Bank

            Covestro

            Geschäftsmodell: Bayer Material Science
            Zeitpunkt: bis Mitte 2016
            Eigentümer: Bayer
            Bewertung: geschätzt 8 Milliarden Euro
            Volumen: offen
            Banken: offen

            Edag

            Geschäftsmodell: Entwicklungsdienstleister für Automobile
            Zeitpunkt: 2. Halbjahr 2015
            Eigentümer: Aton GmbH (Familie Helmig, Helios-Kliniken)
            Bewertung: rund 1 Milliarde Euro
            Volumen: offen
            Banken: offen

            Bombardier Transportation

            Geschäftsmodell: Züge
            Zeitpunkt: 4. Quartal 2015
            Eigentümer: Bombardier
            Bewertung: k.A.
            Volumen: Minderheitsanteil
            Banken: UBS, Citigroup

            Trelleborg-Vibracoustic

            Geschäftsmodell: Autozulieferer
            Zeitpunkt: eventuell 2015
            Eigentümer: Freudenberg, Trelleborg
            Bewertung: k.A.
            Volumen: offen
            Banken: offen

            Armacell

            Geschäftsmodell: Dämmstoff-Hersteller
            Zeitpunkt: eventuell 2015
            Eigentümer: Charterhouse Capital Partners
            Bewertung: mehr als 600 Millionen Euro
            Volumen: rund 300 Millionen Euro
            Banken: Deutsche Bank, Bank of America Merrill Lynch

            Scout 24

            Geschäftsmodell: Betreiber von Online-Marktplätzen
            Zeitpunkt: eventuell 2015
            Eigentümer: Hellman & Friedman (49 Prozent), Blackstone (21 Prozent), Deutsche Telekom (30 Prozent)
            Bewertung: ca. 2 Milliarden Euro
            Volumen: rund 500 bis 700 Millionen Euro (für 25 Prozent der Anteile)
            Banken: Goldman Sachs, Credit Suisse als Koordinatoren (erwartet)

            Siemens Audiologische Technik

            Geschäftsmodell: Hörgeräte
            Zeitpunkt: offen
            Eigentümer: Siemens AG
            Bewertung: ca. 2 Milliarden Euro
            Volumen: möglicherweise als Spin-off mit Ausgabe von Aktien an Siemens-Aktionäre
            Banken: Auswahl in Kürze erwartet

            Hapag-Lloyd

            Geschäftsmodell: Reederei
            Zeitpunkt: Anfang 2016
            Eigentümer: Compania Sud Americana de Vapores (34%), Stadt Hamburg (23,2%), Kühne Maritime (21%), Tui (13,9%), andere
            Bewertung: ca. 6 bis 6,5 Milliarden Euro
            Volumen: möglicherweise als Spin-off mit Ausgabe von Aktien an Siemens-Aktionäre
            Banken: Auswahl in Kürze erwartet

            Otto Bock

            Geschäftsmodell: Prothesen und medizinische Hilfsmittel
            Zeitpunkt: 2017 oder 2018
            Eigentümer: Familienunternehmen
            Bewertung: k.A.
            Volumen: offen
            Banken: offen



          Einige Experten warnen: „Nie im Leben“ würde er Aktien von Zalando oder Rocket kaufen, sagte ein deutscher Großinvestor, der täglich über Milliarden entscheidet. „Zalando schreibt kaum Gewinne und wird mit dem Vierfachen des Umsatzes bewertet. Die Logik dahinter verstehe ich nicht ganz.“ Auch die Aktionärsvereinigung DSW warnt Privatanleger vor Zalando und Rocket. „Das ist nichts für sicherheitsbewusste Privatanleger“, sagte DSW-Vizepräsident Klaus Nieding. „Es ist ein spekulatives Investment.“

          Ayondo-Händler Vinay Sharma schließt nicht aus, dass die Aktie bald unter den Ausgabepreis fällt. Zalando könnte es schwer haben, die Wachstumserwartungen zu erfüllen. Der britische Konkurrent Asos hat an der Londoner Börse nach enttäuschenden Zahlen in diesem Jahr mehr als 60 Prozent seines Börsenwertes verloren.

          Auch der schwache Markt war der Entwicklung nicht förderlich. Der Dax fiel nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus Europa und den Vereinigten Staaten um knapp 1 Prozent auf 9382 Punkte. Zwischenzeitlich war der Dax sogar auf den tiefsten Stand seit Ende August abgerutscht. Der mit 100 Werten den Markt deutlich breiter abbildende F.A.Z.-Index gab 0,9 Prozent auf 1916 Zähler nach.

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