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Uber, Airbnb und Co. : Warum die „Einhörner“ nicht an die Börse wollen

Snapchat hat für 2017 seinen Börsengang angekündigt. Anleger setzen auf ein Umdenken in der Branche.

Ein anderes ist das soziale Netzwerk Snapchat, in dem sich Nutzer Bilder und Kurzvideos zuschicken. Anleger setzen darauf, dass ein erfolgreicher Börsengang von Snap, wie sich das Unternehmen seit kurzem nennt, ein Umdenken unter den Einhörnern befördert. Snap, das in der vergangenen Finanzierungsrunde mit 18 Milliarden Dollar bewertet wurde, hat für das erste Quartal 2017 seinen Börsengang angekündigt – mit einer Bewertung von angeblich mindestens 25 Milliarden Dollar. Vier Milliarden Dollar will das Unternehmen damit angeblich einnehmen.

Beispiele des Scheiterns

Sollte der Börsengang glücken, könnte das andere Jungunternehmer zur Nachahmung ermutigen. „Wenn eine sogenannte Eisbrecher-Transaktion wie Snap funktioniert, zieht es einige im Windschatten hinterher“, sagt Peter Barkow, Gründer des Finanz-Analysehauses Barkow Consulting. Und wenn der Börsengang schiefgeht, weil die Nutzerzahlen der App zunehmend schwächer wachsen und die Werbeeinnahmen doch nicht sprudeln wie erwartet?

Dass die milliardenschwere Bewertung eines Einhorns nicht der öffentlichen Prüfung beim Börsengang standhält, haben in jüngster Zeit schon einige Tech-Firmen erleben müssen. Auch abschreckende Beispiele von gescheiterten Wachstumserwartungen gibt es zur Genüge. Am prominentesten ist Twitter. Der Kurznachrichtendienst schreibt bis heute Verluste, seine Aktie ist nur noch halb so viel wert wie beim Börsengang im November 2013.

Bewertungen nach unten korrigiert

Zuletzt schlugen die Versuche fehl, Twitter an Google, Walt Disney oder Salesforce zu verkaufen. Dem ebenfalls von Jack Dorsey gegründeten Bezahldienst Square ging es kaum besser, auch die Aktien einiger anderer unprofitabler Tech-Einhörner verloren prozentual zweistellig an Wert. Warum sich also dem Risiko eines teuren Börsengangs aussetzen, solange es genug Risikokapitalgeber gibt?

Noch zeigen sich die Investoren freigebig. Allerdings haben einige Risikokapitalgeber die Bewertungen der Start-ups längst nach unten korrigiert. Auch nehmen Branchenkenner unter Investoren eine zunehmende Skepsis gegenüber teuren Tech-Firmen wahr. „Die Furcht vor dem Platzen einer Blase wächst“, sagt Niklas Dürr, Wissenschaftler vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung.

Selbst Uber-Chef Kalanick hat den privaten Markt als „irrational“ bezeichnet. Inzwischen stecken längst nicht mehr nur die üblichen großen Wagniskapitalgeber viel Geld in die Unternehmen, sondern auch Fondsgesellschaften wie Fidelity oder Hedgefonds. „Dass Investoren auf dem Markt gekommen sind, die lange einen Bogen um Wagniskapital gemacht haben, ist ein Indiz, dass wir uns nahe am Höhepunkt befinden“, sagt Barkow. Was für das Silicon Valley heißt: Die Geldschwemme könnte bald zurückgehen. Und damit ein Börsengang wieder reizvoller werden.

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