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Nächster Internet-Börsengang : Scout 24 geht an die Börse

Blick aus der Münchner Firmenzentrale von Scout 24. Bild: argum / Falk Heller

Wer Auto oder Wohnung im Internet sucht, landet schnell auf Autoscout oder Immoscout. Wie gut sind die Portale? Was taugt die Aktie?

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          Aller guten Dinge sind - zwei. Das hofft zumindest Greg Ellis, der Vorstandsvorsitzende von Scout 24. Er will das Unternehmen im Oktober an die Börse führen. Und damit die Schmach ausmerzen, die er vor einem Jahr erlitt, als er die gleichen Pläne wegen zu turbulenter Märkte noch kurzfristig absagen musste. Scout hat dabei nichts mit den gleichnamigen Schulranzen zu tun, die gerade jetzt zum Schulanfang wieder in aller Munde sind. Nein, Scout 24 ist den Menschen aus einer anderen Ecke bekannt: Den Autokäufern über Autoscout 24 und Wohnungssuchenden und Vermietern über Immobilienscout 24. Das Internetportal ist führend als Plattform für Wohnungsanzeigen in Deutschland und ein paar anderen europäischen Ländern. Acht Millionen Besucher zählt die deutsche Seite pro Monat. Autoscout ist Nummer zwei bei Anzeigen für Gebrauchtwagen, nach Mobile.de.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die beiden Marken sind die Haupteinnahmequellen des Unternehmens. Unbedeutender ist Financescout 24. Und verkauft wurden schon vor ein paar Jahren die anderen Familienmitglieder Jobscout, Friendscout und Travelscout. Sie bringen jetzt immerhin noch ein paar Euro an Lizenzgebühren.

          Fast eine Milliarde Euro soll der Börsengang einbringen, es wäre der zweitgrößte des Jahres nach der Kunststoffsparte von Bayer, die unter dem Namen Covestro ebenfalls in den nächsten Wochen auf das Börsenparkett strebt. Das Geld kommt aus einer Kapitalerhöhung und Verkäufen der Alteigentümer. Bisher halten die Finanzinvestoren Hellman & Friedman und Blackstone zwei Drittel der Aktien. Sie hatten die Papiere der Deutschen Telekom für 1,5 Milliarden Euro abgekauft. Heute ist der Anteil fast das Doppelte wert. Der Springer-Konzern hatte sich früher auch für Scout 24 interessiert, doch der Preis war dem Medienhaus zu hoch. Die Telekom ist mit einem Anteil von 29 Prozent immer noch ein wichtiger Aktionär. Das Management rund um Greg Ellis hält vier Prozent. Gegründet wurde das Unternehmen aber 1998 von der Beisheim Holding Schweiz.

          Für Anleger könnten die neuen Aktien attraktiv sein

          Die Geschäftsentwicklung hängt kaum an der Konjunktur und ist daher sehr stabil. Wohnungen werden eben immer vermietet und Autos verkauft. Das lieben Anleger. Mit einem geschätzten Börsenwert von bis zu vier Milliarden Euro hat die Aktie gute Chancen auf eine Mitgliedschaft im M-Dax, wenn die Alteigentümer nach dem Börsengang weitere Aktien verkaufen. Im ersten Schritt könnten sie einen Anteil neuer, freier Aktionäre von etwa 25 Prozent anstreben, wird spekuliert. Der ist relevant für die Indexzugehörigkeit. Steigt er auf 50 Prozent, dürfte Scout 24 der Aufstieg in den M-Dax gelingen. Das könnte ein Thema für nächstes Jahr werden.

          Voraussetzung dafür: Das Geschäft und damit auch der Aktienkurs entwickeln sich gut. Andere Börsenneulinge aus der Internetbranche wie Rocket Internet der Samwer-Brüder und windeln.de haben das nicht geschafft. Ihr Kurs fiel unter das Niveau des Börsengangs 2014. Nur die Zalando-Aktie legte ordentlich zu. Scout 24 könnte es besser machen. Das Unternehmen erwirtschaftet immerhin schon seit Jahren Gewinn, die Umsätze steigen. Das gelingt vielen jungen Internetunternehmen nicht. Für die folgenden Jahre verspricht Greg Ellis den Anlegern eine Wachstumsgeschichte. Basis dafür ist die starke Marktstellung von Immobilien- und Autoscout.

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