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Covestro und Scout24 : Ran an die Börse

Bald neu an der Börse: Kunststoff- und Kleberhersteller Covestro Bild: dpa

Mit Scout 24 und Covestro von Bayer kommen jetzt milliardenschwere Unternehmen an die Börse. Auch Schaeffler will an die Börse. Ausgerechnet in diesen windigen Zeiten. Lohnt sich das?

          6 Min.

          Das wird eine Woche, wie sie das Frankfurter Börsenparkett schon lange nicht mehr erlebt hat. Gleich zwei riesige Börsengänge werden bald alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Scout 24, bekannt für die Online-Portale Immobilienscout24 und Autoscout24, und Covestro haben am Freitag bekanntgegeben, dass ihre Aktien Anfang Oktober erstmals gehandelt werden sollen. Die Abspaltung des Kunststoff- und Klebergeschäfts von Bayer wird mit künftig etwa sieben Milliarden Euro Wert schon als Dax-Kandidat angesehen und ist sogar die größte Emission seit der Deutschen Post Ende 2000. Auch der Autozulieferer Schaeffler aus Herzogenaurach will laut informierten Kreisen offenbar Anteile an die Börse bringen, um Schulden abzubauen. Es wäre ebenfalls einer der größten Börsengänge des Jahres.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In einem Land, in dem Börsengänge eher eine Rarität sind, ist das ein Großereignis. Ein freudiger Tag für die Unternehmensmanager, die im Scheinwerferlicht auf dem Parkett stehen, mit Sekt in der Hand und vielen Milliarden auf dem Firmenkonto, die die Anleger für die neuen Aktien überweisen. Ein wunderbarer Tag für die Banken, die solche Mega-Börsengänge als Berater begleiten, damit zweistellige Millionenbeträge verdienen und ihre Jahresbilanz aufbessern. Und für die Anleger? Für sie ist ein Börsengang die Chance, an interessante Aktien zu kommen. Allerdings ist die Bilanz der Neuemissionen durchwachsen, viele versprachen mehr, als sie halten konnten, und sorgten für Frust.

          Wie wird das bei den beiden aktuellen Neulingen sein? Zunächst einmal ist der Zeitpunkt für den Gang aufs Parkett unglücklich gewählt. Die Börsen sind gerade verunsichert wegen der geringeren Wachstumsaussichten in China und der Frage, wann die amerikanische Notenbank die Zinsen erhöht. Am Donnerstag hat sie es wieder nicht getan und stattdessen ihre Sorgen über die Weltwirtschaft geäußert. Das schickte den Dax am Freitag um drei Prozent in den Keller, genau an dem Tag, an dem die beiden Unternehmen ihre Emissionspläne konkretisierten. Schlechtes Timing!

          Nur wenige mögliche Zeitfenster im Frühjahr und Herbst

          Solche Unsicherheiten sind kein gutes Umfeld für einen Börsengang. Denn sie erschweren die Suche nach einem angemessenen Preis für die neuen Aktien. Andererseits wird die Suche nach dem richtigen Zeitpunkt von allerlei Einschränkungen behindert. Es gibt innerhalb eines Jahres nur wenige mögliche Zeitfenster im Frühjahr und Herbst, in denen Börsengänge überhaupt sinnvoll sind. Außerhalb der Ferienzeit, weit genug von der mauen Weihnachtszeit entfernt und mit noch relativ frischen Quartalszahlen im Gepäck. Das ist auch jetzt das Problem. Wenn die Unternehmen noch warten, reisen sie mit den Zahlen von Ende Juni zu ihren Werbeveranstaltungen bei den Investoren, kurz bevor die neuen Zahlen zum dritten Quartal kommen. Das akzeptiert kein Investor.

          Und diese Touren sind entscheidend. Dann fahren Vorstandsvorsitzender und Finanzchef mit ihren Bankberatern zu den wichtigsten potentiellen Großanlegern wie Fonds oder Versicherungen. Dort preisen sie ihr Unternehmen an und loten aus, ob ihre Preisvorstellungen realistisch sind und ob sie genug Käufer für ihre Aktien finden. Schließlich liegt für den Verkaufspreis bisher nur eine Spanne vor, die Bookbuilding-Spanne. Bei Covestro schwankt sie zum Beispiel zwischen 26,50 und 35,50 Euro für eine Aktie. Auch die Zahl der auszugebenden Aktien ist noch nicht fix. Erst ein Tag vor dem Börsengang errechnen die Banken auf Basis der von den Fonds eingegangenen Kaufaufträge einen Ausgabepreis und die Zahl der neuen Aktien. Bei Covestro machen das die Deutsche Bank und Morgan Stanley.

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