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German Startups Group : Die kleine Rakete geht an die Börse

Christoph Gerlinger, Gründer von German Startups.Börse. Bild: Grapatin, Niklas

Wer von Riesenrenditen mit Startups träumt, kann jetzt zugreifen. Ein Investor hat sie alle im Angebot. Dazu gehört aber Mut zum Risiko.

          Christoph Gerlinger ist ein Mann für riskante Geschäfte. Wahnsinnsgewinne und Totalverlust gehören für Wagniskapitalgeber zum Alltag. In der Berliner Gründerszene sucht er seit drei Jahren nach den Perlen unter den Tech-Firmen. Bislang ist er nur mit eigenem Geld eingestiegen, künftig auch mit dem von Aktionären.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Idee dahinter: Der gewöhnliche Sparer hat keinen Zugriff auf junge Firmen, erst wenn die Facebooks und Googles an der Börse sind, kann er sich beteiligen: Die Profis haben dann ihren Reibach schon gemacht. Dies gelobt Gerlinger mit der von ihm gegründeten „German Startups Group“, zu ändern. Am kommenden Freitag, 17.Juli strebt er damit an die Börse: „Über uns können Anleger am Aufschwung schnell wachsender Unternehmen von Anfang an profitieren, nicht erst, wenn diese an die Börse gehen“, sagt der 47 Jahre alte Betriebswirt.

          Zum Portfolio gehören Soundcloud und Delivery Hero

          In seinem Portfolio finden sich deutsche Vorzeige-Frischlinge wie der Brillenhändler „Mr. Spex“, das Musikportal „Soundcloud“ und „Delivery Hero“, ein Pizzadienst, an dem sich die Samwer-Brüder mit viel Geld beteiligt haben.

          Die Samwers haben mit ihrer Holding „Rocket Internet“ im vorigen Herbst den Weg für neue Internet-Aktien bereitet. 1,4 Milliarden Euro haben sie zum Debüt eingesammelt, die Kursentwicklung der Aktie ist allerdings durchwachsen. Trotzdem eifern andere Unternehmer dem Vorbild nach: Die Börse lockt. Wenn nur nicht diese ewige Griechenland-Krise wäre, dazu der China-Crash in der vorigen Woche - das lässt etliche Börsenaspiranten zweifeln. Einige haben wegen der Turbulenzen den Gang aufs Parkett vorerst abgeblasen. Gerlinger aber zieht die Sache durch: „Es gibt tolle Investitionsmöglichkeiten da draußen“, sagt er. „Die warten nicht auf uns und nicht auf Griechenland.“ Risikobereitschaft müssen die Anleger allerdings auch mit Gerlingsers kleiner Rakete mitbringen: Neun von zehn Startups scheitern. Das eine erfolgreiche zu finden, verlangt von den Finanziers Gespür. Gerlinger hat zumindest reichlich Erfahrung, und Vorzeigeprojekte: Namen wie „Soundcloud“ - die Firma aus Gerlingers Portfolio soll mittlerweile mehr als eine Milliarde Euro wert sein - oder „Delivery Hero“, mit drei Milliarden Euro bewertet.

          Die Sause am Neuen Markt miterlebt

          Momentan ist Gerlinger an 43 Tech-Buden beteiligt (zwei hat er gewinnbringend verkauft, fünf sind gescheitert), bisher ist sein Anteil jeweils gering, sich größer einzukaufen, das gab die Kasse bisher nicht her - auch deshalb der Börsengang. 62 Millionen Euro will die German Startups Group von privaten und institutionellen Investoren einwerben, um das Portfolio aufzustocken. Der Emissionspreis der Aktie liegt zwischen 2,60 bis 3,70 Euro.

          Frontmann Gerlinger legt damit bereits den dritten Börsengang hin. Seine erste Erfahrung rührt aus der Hochphase des Neuen Marktes, der kurz darauf kollabierte. Erstmals gehandelt wurde sein Spieleanbieter „CDV Software Entertainment“ am 17. April 2000. Obwohl das Augenmerk an dem Tag auf einem anderen Börsengang lag, nämlich auf dem Debüt der 20fach überzeichneten T-Online-Aktie, ging CDV raketenmäßig ab: Der Kurs startete mit 58 Euro, (Emissionspreis 45 Euro) und stieg bis Börsenschluss auf 83 Euro. Am nächsten Tag erreichte er 115 Euro - danach war Schluss mit der Sause am Neuen Markt. „Wir haben uns sehr erfolgreich gegen den Abwärtstrend gestemmt“, sagt Gerlinger, der das Unternehmen Ende 2000 schon wieder verließ - „Mit Kursgewinn“, wie er im Nachhinein betont. Den Zusammenbruch des Neuen Marktes überlebte CDV zwar, im Jahr 2010 aber musste der Spieleanbieter Insolvenz anmelden.

          Jeder nutzt das Internet permanent

          Mehr Erfolg hatte Gerlingers zweites Spiele-Startup Frogster, das er 2005 mit zwei Partnern gründete, 2006 an die Börse brachte und das im Sommer 2011 für etliche Millionen vom Karlsruher Spielehersteller Gameforge übernommen wurde. Gerlinger schied als CEO aus, das übliche Prozedere nach einer Übernahme, und gründete 2012 die German Startups Group, um am Berliner Gründerboom teilzuhaben.

          Eine Parallele zum überhitzten Neuen Markt sieht er mit der heutigen Internet-Euphorie nicht. Zum einen, weil seit dem Durchbruch der Smartphones jeder das Internet überall mit sich herumtrage und permanent nutze, „ganz anders als damals“. Zum anderen, so sagt er, weil die Gründer heute funktionierende Geschäftsmodelle haben: „Früher hatten die oft nur ein paar Zettel mit luftigen Zahlen.“ Die German Startups Group hat immerhin einen 340 Seiten dicken Börsenprospekt.

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