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Börsenneulinge : Bitte nur noch profitable Unternehmen an der Börse

Die Börsenneulinge Zalando und Rocket Internet konnten bislang keine Gewinne erzielen Bild: Eilmes, Wolfgang

Anlegerschützer fordern, nur noch Unternehmen an die Börse zu lassen, die nachhaltige Gewinne erzielen. Diese Forderungen wurden nach den Kursverlusten der beiden Börsenneulinge Zalando und Rocket Internet laut.

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          Die Aktienkurse der Börsenneulinge Zalando und Rocket Internet scheinen vorerst einen Boden gefunden zu haben. Der Kurs des Berliner Online-Modehändlers Zalando pendelt seit fünf seiner bisher acht Handelstage um 18 Euro. Derjenige der Berliner Rocket Internet lässt sogar in den jüngsten fünf von erst sieben Handelstagen eine Aufwärtstendenz erkennen. Doch die Kursverluste von jeweils fast 20 Prozent zum Ausgabepreis der Aktien lassen Anlegerschützern keine Ruhe. Als „Schlag für die Börsenkultur“ bezeichnet Klaus Nieding, prominenter Anlegeranwalt und Vizepräsident der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die Börsengänge. Gerade hätten die Leute neues Vertrauen gefasst und würden nun durch die Internet-Börsenneulinge wieder abgeschreckt. Nieding schloss sich deshalb der Forderung an, nur noch Unternehmen an die Börse zu lassen, die nachhaltig Gewinne machen. Immer mehr Anleger- und Verbraucherschützer meldeten sich in dieser Angelegenheit zu Wort. Die Rede ist von Aberhunderten Millionen Euro, die den Leuten quasi wie zu Zeiten des Neuen Marktes aus der Tasche gezogen worden seien.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Die mittlerweile wieder Vertrauen fassenden Kleinanleger, die nun angeblich verschreckt wurden, haben jedoch überhaupt keine Aktien von Rocket Internet zugeteilt bekommen. Dementsprechend haben sie auch nicht unter den anfänglichen Kursverlusten gelitten. Alle Aktien wurden bei international tätigen Großanlegern plaziert, die häufiger mit Börsengängen zu tun haben. Der Börsengang erfolgte zudem im weniger stark regulierten Marktsegment Entry Standard für junge Wachstumsunternehmen. Ein Marktsegment, das per se auf ein höheres Risiko hindeutet. Aber auch beim Börsengang von Zalando, der dem Unternehmen gut 600 Millionen Euro in die Kassen spülte, waren Privatanleger nur mit 2 bis 3 Prozent und eher kleinen Anlagesummen vertreten. Die Zalando-Mitarbeiter haben Aktien im Wert von 180 Euro geschenkt bekommen. Diejenigen, die noch zusätzlich für rund 700 Euro Aktien mit einem Rabatt von 25 Prozent gekauft haben, liegen damit noch im Plus.

          Keine Hiobsbotschaften verkündet

          Beide Unternehmen haben zudem nach dem Börsengang keine Hiobsbotschaften verkündet. Schon vor dem Börsengang war bekannt, dass Rocket Internet kaum Umsätze und hohe Verluste macht. Zalando hat für das erste Halbjahr erstmals einen kleinen Gewinn ausgewiesen. Börsenbewertungen von etwa 4,4 Milliarden Euro für Zalando und 5,4 Milliarden Euro für Rocket Internet dürften daher auch zu einem Gutteil auf der Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft beruhen. Zalando hat dafür nun Eigenkapital von etwa 1 Milliarde Euro in der Kasse, Rocket Internet hat allein durch den Börsengang mehr als 1,4 Milliarden Euro eingenommen. Dies soll vor allem in Beteiligungen an jungen Internet-Unternehmen im Online-Handel in Afrika, Südamerika und Asien investiert werden.

          Anders als oftmals am Neuen Markt hat zudem keiner der Altaktionäre den Börsengang genutzt, um Kasse zu machen. Keiner hat Aktien verkauft. Alle haben sich dazu verpflichtet, mindestens sechs, oft sogar mindestens zwölf Monate ihre Aktien zu behalten. Der Blick auf andere Internet-Aktien zeigt zudem, dass deren Kurse stark schwanken. So ist die Facebook-Aktie nach ihrem Börsengang im Frühjahr 2012 auch zunächst unter Druck geraten, hat sich hernach jedoch verdreifacht.

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