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Smartphone-Bank : In wenigen Sekunden zum Kredit

Innovativ mit Smartphone: Das Team von N26 will mit den großen Banken konkurrieren. Bild: N26

Das Berliner Fintech Number26 hat nun eine Vollbanklizenz. Der Gründer und namhafte Investoren wollen einen echten Rivalen für traditionelle Banken auf dem Handy schaffen.

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          Wenn all das, was Valentin Stalf seinen Kunden verspricht, wirklich bald marktreif ist, dann kann seine Smartphone-Bank den traditionellen Banken in der Tat langsam gefährlich werden. So will der Gründer und Vorstandsvorsitzende des Berliner Fintechs Number26 bald Konsumentenkredite innerhalb von Sekunden vergeben, Kreditkartenbetrügereien schon verhindern, bevor sie passieren, und auf seiner Plattform, die bisher vor allem ein Girokonto auf dem Smartphone war, schon bald auch Wertpapiergeschäfte und Sparprodukte anbieten. Millionen Kunden will er damit in ganz Europa erreichen – unter dem neuen Namen N26. Und all das mit derzeit nur 140 Mitarbeitern.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun gibt es viele Gründer mit hochtrabenden Plänen. Doch Stalf hat mit N26 gerade eine entscheidende Hürde zwischen Fintech und richtiger Bank genommen: Er hat eine Vollbanklizenz von der Bankenaufsicht erhalten, wie er und seine Mitstreiter aus der Geschäftsführung am Donnerstag stolz verkündeten. Bislang bot Number26 vor allem eine gute Handy-App, mit der sich Konto-Transaktionen in wenigen Klicks erledigen ließen; die tatsächlichen Bankgeschäfte liefen aber über den Münchener Partner, die Wirecard Bank, im Hintergrund. Jetzt kann das Fintech selbst Einlagen annehmen, Kredite vergeben und andere Bankgeschäfte erledigen. Nicht nur die Nutzeroberfläche für die Kunden soll nun effizienter und einfacher sein als bei der etablierten Konkurrenz, auch die Prozesse im Hintergrund. „Wir können unsere Innovationen jetzt viel schneller umsetzen“, sagte Stalf am Donnerstag im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Als Beispiel nannte er Real-Time-Kredite, die schon in einigen Monaten verfügbar sein sollen. Anhand der Daten über die Bonität und die bisherigen Transaktionen jedes Kunden und dank der straffen und modernen IT im Hintergrund will die Bank innerhalb weniger Sekunden entscheiden können, ob sie ihm einen Kredit gewährt oder nicht. Gleich nach der Entscheidung soll das Geld dann schon für ihn verfügbar sein. Auch sonst will N26 die Informationen über ihre Kunden für weitere Services nutzen. Ist das Smartphone des Nutzers gerade in Deutschland, kann die Kreditkarte nicht ohne weiteres in Amerika genutzt werden – es sei denn, der Kunde hat für den passende Zeitraum ein Flugticket dorthin gekauft. Für ein Projekt, dass die künstliche Intelligenz hinter solchen Systemen weiterentwickelt werden soll, hat N26 gerade 700.000 Euro Fördergeld von der Investitionsbank Berlin erhalten.

          „Fair Use Policy“

          Mit weit mehr Geld haben einige namhafte Investoren schon gezeigt, dass sie Stalf die Umsetzung seiner Pläne zutrauen. Schon recht früh hat sich der Paypal-Mitgründer und Facebook-Financier Peter Thiel an N26 beteiligt, vor wenigen Wochen hat er in einer weiteren Finanzierungsrunde seinen Anteil aufgestockt. Von ihm und anderen Investoren wie den Vorstandsmitgliedern von Zalando und Li Ka-Shing, dem aktuell drittreichsten Mann Asiens, konnte N26 in der Runde insgesamt 40 Millionen Dollar (35,5 Millionen Euro) einsammeln. „Mit dem Kapital und der Banklizenz ist N26 gerüstet, um den Retailbankenmarkt in den nächsten Jahren signifikant zu verändern“, sagte Stalf.

          Noch vor kurzem hatte N26 viele Kunden verärgert. Denn offenbar ohne Ankündigung und nähere Begründung hatte das Unternehmen einigen hundert Kunden die Konten gekündigt. Erst später zeigte sich, dass die Betroffenen das kostenlose Geldabheben nach dem Geschmack von N26 zu ausgiebig genutzt hatten. Denn was für den Kunden ein Gratis-Service ist, kostet das Unternehmen natürlich trotzdem Geld. In der Folge hat sie nun eine „Fair Use Policy“ eingeführt – wohinter sich nichts anderes als das Ende der Gratis-Kultur verbirgt: Von September an können Hauptkontonutzer monatlich fünf mal kostenfrei Geld abheben, wer N26 nur als Nebenkonto nutzt, kommt nur drei Mal gratis an Bargeld. Danach fallen 2 Euro je Abhebung an, plus eventuelle Gebühren der Automatenbetreiber. Weiterhin unbegrenzt sollen die Nutzer allerdings bei den 6000 Einzelhändlern umsonst an Bargeld kommen, die sich dem „Cash26-Netzwerk“ angeschlossen haben. Dort können sie sich an der Kasse Geld auszahlen lassen. Wer Number26 nicht als Hauptkonto nutzt, kann dreimal kostenlos Bargeld ziehen.

          Verärgerte Kunden

          Im Internet – bei der Kernkundschaft – kamen die Kontokündigungen und die Einführung von Gebühren überhaupt nicht gut an; zumindest was die Kommentare in den sozialen Medien anging. Eine größere Zahl von Abmeldungen hat die Bank zumindest laut Stalf aber nicht gemerkt. Im Gegenteil: Die Berichterstattung habe eher zu mehr Anmeldungen geführt. Inzwischen habe man mehr als 200.000 Kunden in acht Ländern – und das nach gerade einmal eineinhalb Jahren am Markt. In den nächsten Jahren wolle man einige Millionen Kunden erreichen. Dabei soll auch die Ausweitung des Angebots helfen. Am nächsten Dienstag will N26 eine Kooperation mit dem Frankfurter Fintech Vaamo starten, die es den Kunden ermöglichen soll, über die Konto-App auch in passive Investmentfonds (ETF) zu investieren. In einigen Monaten sollen dann auch noch einige Sparprodukte wie Tagesgeldkonten zugänglich sein und eben die Möglichkeit, kurzfristig Kredite aufzunehmen.

          Mit dem Aufstieg zur echten Bank hat sich N26 auch mehr Bankenexpertise in den Vorstand geholt. So steht der bisherige Vorstandsvorsitzende der DAB Bank und frühere Geschäftsführer von Pioneer Investments, Markus Gunter, nun an der Spitze der N26-Bank. Die Finanzen und das Risikomanagement übernimmt Matthias Oetken, der zuvor bei verschiedenen Landesbanken die Risiken kontrolliert hat.

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