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Aktienanlage : Jetzt Alibaba kaufen?

Alibaba-Gründer Jack Ma Bild: AFP

Die Traumaktie von 2014 ist derzeit ganz schön billig. Seit ihrem Höchststand Anfang November ist die Alibaba-Aktie in Dollar gerechnet um fast 30 Prozent gefallen.

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          Es war der größte Börsengang der Geschichte - damals im September 2014. 25 Milliarden Dollar sammelte der chinesische Internet-händler Alibaba ein, und die Wall Street lag seinem schillernden Chef und Gründer Jack Ma zu Füßen. Doch die Erfolgsgeschichte hat Kratzer bekommen. Der Kurs ist kräftig gefallen. Für Anleger kann das heißen: jetzt einsteigen.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit ihrem Höchststand Anfang November ist die Aktie in Dollar gerechnet um fast 30 Prozent gefallen, in den vergangenen zwei Wochen hat sich der Abwärtstrend noch verstärkt. Die Aktie, die es auch in Frankfurt zu kaufen gibt, notiert nun unter dem Preis des ersten Handelstages und nahe ihrem absoluten Tiefstand. In Euro sieht es nur etwas besser aus.

          Grund für den jüngsten Kurssturz waren unerwartet schlechte Zahlen zum Weihnachtsquartal und ein öffentlich ausgetragener Streit mit der chinesischen Aufsichtsbehörde. Sie wirft Alibaba vor, nicht entschieden genug gegen den Verkauf von gefälschten Produkten auf seiner Handelsplattform vorzugehen. Alibaba maulte zurück, kritisierte die Methoden der Behörde als unfair und beschwerte sich offiziell über sie - ein in China unerhörter Vorgang.

          Besonders pikant daran ist, dass die Vorwürfe schon vor dem Börsengang bestanden hätten, wie die Aufsicht zugab. Sie wurden aber zurückgehalten, um die Erstemission nicht zu gefährden. Das könnte nun zu Schadenersatzklagen in Amerika führen. Außerdem wird die nun anstehende Verbannung einiger Händler von Alibabas Handelsplattform zu Umsatzeinbußen führen.

          Spricht das gegen die Aktie? Es ist ein Risiko. Aber vor ein paar Tagen traf sich Jack Ma mit den Regulatoren, und die gemeinsame Erklärung klang versöhnlich. Der Streit ist wenig bedeutend im Vergleich mit dem glänzenden Kerngeschäft. Alibaba ist profitabel, anders als etwa sein amerikanisches Gegenstück Amazon. Der Umsatz stieg im vergangenen Quartal um 40 Prozent zum Vorjahresquartal (wenn auch weniger, als Analysten erwartet hatten). Trotzdem empfehlen derzeit 83 Prozent der Analysten die Aktie zum Kauf. Das ist ein hoher Wert, es liegt aber auch daran, dass viele der Analysten für Banken arbeiten, die Alibaba an die Börse gebracht haben.

          Dennoch: Die Aussichten für das Unternehmen sind gut. Es hat im chinesischen Online-Handel schon einen Marktanteil von 80 Prozent. Und der Internethandel wird weiter stark wachsen. Denn in vielen chinesischen Städten sind große Markenhersteller anders als in den Städten der Industrieländer gar nicht vertreten, die Verbraucher können nur über das Internet kaufen. Und das Geschäftsmodell von Alibaba ist clever ausgerichtet. Es stellt die Handelsplattform für fremde Händler zur Verfügung und muss daher keine teuren Lagerhäuser bauen wie etwa Amazon.

          Das macht Alibaba profitabel. Die Firma verdient an den Gebühren für den Handel auf ihrer Internetseite und an Provisionen, wenn Internetläden in den Listen von Alibaba oben erscheinen wollen. Beim Einkauf übers Smartphone macht Alibaba ebenfalls Fortschritte.

          Doch die Aktie ist nichts für risikoscheue Anleger. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei mehr als 40. Das heißt, die Aktie ist sehr teuer und anfällig. Ein bisschen schlechtere Nachrichten als erwartet - und die Aktie stürzt ab. Zudem scheint das Management nicht immer eine glückliche Hand bei der Verwendung des Gewinns zu haben. Fünf Milliarden Dollar Barmittel hat Alibaba 2014 angehäuft. Damit geht das Unternehmen auf wilde Einkaufstour - häufig aber sind die Firmen teuer und weniger oder gar nicht profitabel. In Dividenden und Aktienrückkäufe zum Wohle des Anlegers investiert Alibaba das Geld nicht. Die Investoren setzen daher voll auf die Expansionsstrategie. Immerhin hat dies bisher positive Jahresergebnisse gebracht. Davon kann Amazon nur träumen.

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