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Abnehmende Kursschwankungen : Die Hoffnung auf Börsengänge wächst

Der Sitz der Deutschen Börse in Eschborn (Hessen) Bild: dpa

Die unter geringen Schwankungen deutlich gestiegenen Aktienkurse bilden eine gute Basis für Neuemissionen. Wir stellen die Kandidaten fürs zweite Halbjahr vor.

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          Nach einem ganz schwachen ersten Halbjahr wächst auf dem deutschen Markt für Börsengänge die Hoffnung auf eine Besserung im zweiten Halbjahr. Zwar schien nach dem Brexit-Votum diese Hoffnung auf Sand gebaut, doch die inzwischen überaus stabilen, teilweise sogar auf Rekordniveau gestiegenen Aktienkurse, die abnehmenden Kursschwankungen, zuletzt besser als erwartet ausgefallene Daten zur deutschen Konjunktur und oft überraschend gute Halbjahreszahlen der Dax-Unternehmen schüren neue Hoffnung.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Das Pflänzchen ist noch zart“, sagt Sven Kapell, der für die inzwischen zur französischen Oddo-Gruppe gehörende Seydler-Bank das Aktienemissionsgeschäft in Deutschland verantwortet. Noch fehlten im Sommerloch die Handelsumsätze, um von einer stabilen Basis für Aktienplazierungen sprechen zu können. „Was mich aber besonders positiv stimmt, sind die seit zwei, drei Wochen wieder zunehmenden Mittelzuflüsse der deutschen Aktienfonds“, sagt Kapell.

          Das Kaufen von Börsenneulingen gilt als besonders riskantes Unterfangen am Aktienmarkt. Die Unternehmen haben naturgemäß keine Kurshistorie, und die Anleger haben auch noch wenig Erfahrung damit, wie verlässlich die Börsenneulinge ihre angekündigten Unternehmensgewinne auch abliefern.

          Hohe Kursschwankungen sind Gift für Aktienplazierungen

          Deshalb sind Anleger oft nur bereit, in Börsengänge zu investieren, wenn die neuen Aktien mit einem Bewertungsabschlag zu einem schon börsennotierten Konkurrenten angeboten werden.

          Da die Angebotsfrist üblicherweise zwei Wochen beträgt, sind hohe Kursschwankungen am Aktienmarkt Gift für Aktienplazierungen von Börsenneulingen. Außerdem sind Aktienfonds meist nur dann bereit, sich Börsenneulingen zu nähern, wenn sie dafür nicht andere Aktien verkaufen müssen, sondern Geld anzulegen haben.

          Jörg Dimeg, der im Investmenthaus Lazard Unternehmen und Eigentümer vor und während des Börsengangs berät, gründet seine Hoffnungen auf Nachfrage nach Aktienemissionen nicht zuletzt auf die hohen Bargeldreserven der Fonds. „Umfragen zeigen, dass Investoren über so viel Cash verfügen wie zuletzt Anfang des Jahrtausends“, sagt Dimeg und beobachtet zudem: „Investoren wenden sich sicheren Häfen zu, sowohl was Sektoren als auch Länder betrifft.“ Dimeg fügt hinzu: „Ich rechne damit, dass der deutsche Aktienmarkt von der Suche nach sicheren Häfen profitiert und es verstärktes Interesse für deutsche Börsengänge geben wird.“

          Viele Unternehmen stehen in den Startlöchern

          Hohe Kursschwankungen und Mittelabflüsse aus Fonds haben wesentlich dazu beigetragen, dass es mit dem Biotechnikunternehmen Brain im ersten Halbjahr nur ein nennenswertes Unternehmen neu an die Deutsche Börse geschafft hat. Mit 32 Millionen Euro war der Emissionserlös indes klein.

          Gleichwohl ist das ein Erfolg für das französische Bankhaus Oddo, dem neben Seydler seit kurzem auch die BHF-Bank gehört. Kapell hat für Oddo-Seydler Brains Börsengang federführend plaziert und glaubt, dass es nach der Sommerpause kleine Emissionen anfänglich schwer haben werden.

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