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Internationaler Finanzmarkt : Gold in Euro so teuer wie noch nie

Gold hat seit Beginn dieses Halbjahres in allen wichtigen Währungen zugelegt Bild: dpa

Nach der amerikanischen Notenbank nimmt auch die Bank von Japan neues Geld für Anleihenkäufe in die Hand. Die Bedeutung von Gold als Alternativwährung nimmt damit zu.

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          Viele Aktienindizes, darunter der Dax und der amerikanische S&P 500, sind am Freitag auf neue, mehrmonatige Höchststände geklettert. Doch kurz vor Handelsschluss in Amerika verließ einige Anleger offenbar der Mut, und die Aktienindizes Dow Jones und S&P 500 drehten an der Wall Street noch ins Minus. Nicht so Gold: In Euro gerechnet überbot Feingold den bisherigen Preisrekord aus dem September 2011. Mit 1.366 Euro für eine Unze (31,1 Gramm) zahlten Anleger am Freitag in Euro so viel wie noch nie für das gelbe Edelmetall. Allein seit Beginn des zweiten Halbjahres ist der Goldpreis in Euro um 8 Prozent, der Silberpreis sogar um 23 Prozent gestiegen.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          In diesem dritten Quartal, in dem die Risikofreude vieler Anleger neu erwacht ist, setzt die „Krisenwährung Gold“ einen bemerkenswerten Kontrapunkt am Kapitalmarkt. Gold hat seit Beginn dieses Halbjahres in allen wichtigen Währungen zugelegt - keineswegs nur in Euro. Von 6 Prozent Zuwachs in schwedischen Kronen bis 13 Prozent in südafrikanischen Rand reicht die Bandbreite. In Dollar ist der Goldpreis mit 11 Prozent stärker gestiegen als in Euro mit 8 Prozent. Allerdings liegt der Dollar-Preis von Freitag für die Unze Feingold mit 1.773 Dollar noch ein Stück unter dem Rekordpreis von Mai 2011, der mit genau 1.900 Dollar festgestellt wurde.

          Bild: F.A.Z.

          Im Wochenvergleich ist ausgerechnet der japanische Yen die einzige wichtige Währung, die zu Gold zulegen konnte. Diese Stärke des Yen ist insofern überraschend, als die japanische Notenbank in der vergangenen Woche einen wichtigen Akzent setzte. Sie erhöht das Geld, das für die Zinsen drückenden Staatsanleihenkäufe gedacht ist, um 10 Billionen auf 80 Billionen Yen (790 Milliarden Euro). Mit diesem zusätzlichen Geld will die japanische Notenbank eigentlich auch den Yen schwächen, um der Exportindustrie Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Aber der Yen zeigt sich trotz des höheren Geldangebots robust.

          Dies mag daran liegen, dass in der Vorwoche die amerikanische Notenbank für Anleihenkäufe monatlich neue 40 Milliarden Dollar bereitgestellt hat und damit ihrerseits tendenziell den Dollar zu anderen Währungen schwächt. Weil aber keine der großen Währungen - Dollar, Euro, Yen - hohes Vertrauen genießt, suchen Anleger Gold. Dabei ersetzen sie zunehmend die Schmuckindustrie, die noch vor weniger als zehn Jahren für zwei Drittel der Goldnachfrage stand. Nach Angaben des World Gold Council kaufte die Schmuckindustrie im zweiten Quartal nur noch 42 Prozent des Goldumsatzes. Anleger dagegen fragten statt 10 bis 25 Prozent wie vor der Krise 55 Prozent des Goldes nach. In China, dem nach Indien wichtigsten Goldschmuckland, war die Goldnachfrage wegen der schwachen Konjunktur erstmals seit dem zweiten Quartal 2008 rückläufig.

          Ohnehin bereitet die chinesische Konjunktur Anlegern immer größere Sorgen. Eine vielbeachtete Umfrage unter Einkaufsmanagern chinesischer Industrieunternehmen fiel so schlecht aus wie zuletzt im März 2009. Elf Monate hintereinander hat sich die Stimmung in Chinas Industrie demnach nun verschlechtert. Am Montag wird in Deutschland der Ifo-Geschäftsklimaindex veröffentlicht. Er ist vier Monate hintereinander gefallen. Neben den Konjunkturerwartungen, die auf sinkende Unternehmensgewinne deuten, rückt zunehmend das amerikanische Haushaltsdefizit in den Blick der Anleger. Es liegt mit fast 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes beunruhigend hoch, auch verglichen mit dem Euroraum mit rund 6 Prozent der Wirtschaftsleistung.

          Dieser Aspekt hat in der Eurokrise bisher kaum eine Rolle gespielt. Viele angelsächsische Anleger haben offenbar ein Scheitern des Euro für durchaus wahrscheinlich gehalten. Seit aber die Europäische Zentralbank mit Rückendeckung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ohne strikte Auflagen des Bundesverfassungsgerichtes Staatsanleihen von Reformwillen zeigenden Eurostaaten kaufen kann, hat sich der Blick amerikanischer Kunden auf Europa verändert, berichten etwa die amerikanische Bank Goldman Sachs und die französische Société Générale. Ein Zusammenbruch des Eurosystems gelte nun als unwahrscheinlich. Deshalb werde Geld von Amerika nach Europa umgeschichtet.

          Seit Jahresanfang hat der amerikanische Aktienindex S&P 500 um 16 Prozent zugelegt und stand am Freitag zeitweise so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr. Der Technologieaktienindex Nasdaq ist in diesem Jahr sogar um 22 Prozent geklettert auf den höchsten Wert seit dem Jahr 2000. Auch diese Höchststände mögen einige Anleger veranlasst haben, am Freitag Gewinne an der Wall Street zu realisieren. Der Deutsche Aktienindex Dax hingegen kletterte am Freitag mit in der Spitze 7477 Punkten auf den höchsten Stand seit 14 Monaten und hielt dieses Niveau bis Handelsschluss fast.

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