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Internationaler Finanzmarkt : Gefahren für den globalen Aufschwung

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Die Maßnahmen sind ausgeschöpft: Diese Woche dürfte bei der Fed wie auch im Inflationsbericht der Bank von England zu erkennen sein, dass beide Notenbanken abwarten Bild: AFP

Der amerikanische Arbeitsmarktbericht verspricht nichts Gutes für den künftigen Konsum. In Europa und vor allem Deutschland hält die Konjunkturerholung dagegen noch an. Die absehbar restriktive Fiskalpolitik versetzt dem Konsum aber auch in zahlreichen europäischen Ländern einen Dämpfer.

          Der enttäuschende amerikanische Arbeitsmarktbericht vom Freitag ist kein erfreulicher Vorbote für die Sitzung des Offenmarktausschusses der amerikanischen Notenbank (Fed) am Dienstag. Mit 71.000 Stellen wurden im amerikanischen Privatsektor nicht so viele Arbeitsplätze geschaffen wie erhofft. Im staatlichen Sektor fielen mit 202.000 Stellen mehr Arbeitsplätze der Rezession zum Opfer als erwartet. Damit sind im Juli außerhalb des Agrarsektors nochmals 131.000 Stellen fortgefallen. Dies verspricht nichts Gutes für den künftigen Konsum, zumal Daten über Hausverkäufe und Industrieaufträge im Juni ebenfalls mager ausfielen.

          Dabei hatte sich die Lage an den Finanzmärkten dank überraschend guter Unternehmens- und Bankenergebnisse für das erste Halbjahr entspannt. Zu den positiv ausgefallenen Stresstests europäischer Banken und dem Entgegenkommen des Baseler Komitees für Bankenaufsicht, das die künftigen Anforderungen für Eigenkapital und Liquidität nicht so harsch ausfallen lassen wird wie befürchtet, gesellte sich eine überraschend erfreuliche Berichtssaison.

          EZB konnte Käufe zuvor illiquider Peripherieanleihen weiter senken

          Bei fast allen Finanzinstituten war zu erkennen, dass sich die Verluste aus Abschreibungen gefährlicher Risikopositionen fast halbierten, die Banken mit einer höheren Eigenkapitalquote dastehen als zuvor und sie mehr Liquidität vorhalten. Das Verhältnis von Kreditgeschäft zu Einlagen hat sich bei fast allen Finanzinstituten verbessert, und die Banken haben die Risikopositionen (Value at Risk) und ihren Fremdkapitalhebel (Leverage) gesenkt. Dies alles sind zwar technische Details. Sie zeigen aber, dass die Branche langsam gesundet. In Großbritannien haben die beiden mehrheitlich verstaatlichten Großbanken, die Royal Bank of Scotland und die Lloyds Banking Group, gar wieder die Gewinnschwelle erreicht. Zahlreiche Bankaktien haben in den vergangenen drei Wochen Kursgewinne von 10 bis 25 Prozent verbucht.

          Die solidere Lage in der Finanzbranche hat zu einer Entspannung am Geldmarkt geführt und die Investoren wieder mutigere Anlageentscheidungen fällen lassen. Sie haben zum Beispiel verstärkt Anleihen der zuvor gemiedenen Peripherieländer der Währungsunion gekauft, so dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Käufe zuvor illiquider Peripherieanleihen weiter senken konnte.

          Restriktive Fiskalpolitik versetzt dem Konsum einen Dämpfer

          Der deutsche Aktienindex Dax erreichte angesichts dieser entspannten Stimmung in der vergangenen Woche ein Jahreshoch von fast 6400 Punkten, fiel aber am Freitag nach den enttäuschenden amerikanischen Arbeitsmarktdaten auf 6259 Punkte zurück. Der amerikanische Aktienindex S&P 500 stabilisierte sich am späteren Nachmittag und schloss bei 1122 Punkten nur marginal schwächer.

          Diese Woche wird sich der Blick der Marktteilnehmer allerdings auf die bedenkliche Wirtschaftslage richten. In der Zeit, in der die Industrie nach der schweren Rezession ihre Lagerhaltung aufstocken und die bessere Nachfrage befriedigen musste, legten Aufträge, Produktion und Wirtschaftswachstum erfreulich zu. Dies war die Zeit, in der die Industrie exportorientierter Länder wie Deutschland einen Aufschwung erlebte. Diese Konjunkturerholung hält in Europa und vor allem in Deutschland noch an. Der Konsum jedoch lässt langsam zu wünschen übrig: In den angelsächsischen Ländern bauen die Verbraucher angesichts der Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Unsicherheit ihre Verschuldung ab, bevor sie sich in neuen Konsum stürzen. Die absehbar restriktive Fiskalpolitik versetzt dem Konsum auch in zahlreichen europäischen Ländern einen Dämpfer.

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