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Internationaler Finanzmarkt : Die Woche der Investmentbanken

Morgan Stanley hat einen erstklassigen Ruf, musste aber auch Berichtigungen vornehmen Bild: AFP

Inflationssorgen und der hohe Ölpreis verunsichern die Anleger. Hinzu kommen die Quartalszahlen der Investmentbanken, die nicht allzu rosig erwartet werden. In Amerika hingegen stabilisiert sich die Konjunktur. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

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          Den Auftakt machen am Montag Lehman Brothers. Dann legt die erste der großen Wall-Street-Investmentbanken ihren Quartalsabschluss vor, von dem schon bekannt ist, dass er schlecht ausfallen wird. Denn die amerikanischen Investmentbanken haben ein „krummes“ Quartal, das von Anfang März bis Ende Mai reicht und damit den Katastrophenmonat März beinhaltet, in dem sich die Finanzmarktkrise besonders heftig austobte.

          Am Dienstag wird Goldman Sachs sein Quartalsergebnis vorstellen, das aber als wenig repräsentativ für die Branche gilt, weil die „Goldmänner“ die Krise bislang deutlich besser bewältigt hatten als die meisten ihrer Konkurrenten. Am spannendsten wird es vermutlich am Mittwoch, wenn Morgan Stanley seine Zahlen bekanntgibt. Denn obwohl Morgan Stanley den Ruf eines erstklassigen Hauses genießt, mussten die New Yorker in den Vorquartalen bedeutende Wertberichtigungen vornehmen.

          Je nach Interessenlage

          Die Ergebnisse der amerikanischen Investmentbanken werden für die gesamte Branche von großer Bedeutung sein. Denn nachdem die Finanzmarktkrise im April und Mai von einigen Fachleuten für mehr oder weniger beendet erklärt wurde, ist mittlerweile wieder Unsicherheit eingezogen, die an einer ernüchternden Entwicklung der Aktienkurse von Finanzwerten abzulesen ist.

          Das Thema „Bankenkonsolidierung in Deutschland“ erhielt in der vergangenen Woche neue Nahrung durch die Nachricht, dass die Dresdner Bank und die Commerzbank gegenseitig ihre Bilanzen prüfen und die Dresdner Bank auch noch weiteren Häusern Einblicke in ihr Innenleben gewährt. Da alle Beteiligten ebenso wie ihre Beraterbanken starke Eigeninteressen besitzen, sind Äußerungen aus ihrem Munde mit Vorsicht zu genießen. So wird je nach Interessenlage suggeriert, dass es sehr viele oder sehr wenige potentielle Bewerber für die Postbank geben werde, sobald der Startschuss für ihren Verkauf offiziell abgefeuert ist.

          Inflation bleibt das beherrschende Thema

          Festzustehen scheinen nur zwei Dinge: Eventuelle Fusionen oder Übernahmen stehen nicht kurzfristig auf der Tagesordnung, sondern bedürfen noch einer ausführlichen Prüfung. Und zweitens werden die Gewerkschaften und die Politik darauf dringen, dass sich die Arbeitsplatzverluste in Grenzen halten. Dabei droht sich allerdings die Katze in den Schwanz zu beißen: Die geringsten Arbeitsplatzverluste fielen bei Verkäufen der Dresdner Bank und der Postbank an ausländische Bewerber an. Ob dies aber im Interesse der Gewerkschaften und der Politik liegt, lässt sich hinterfragen.

          Neben den Banken bleibt die Inflation das beherrschende Thema an den internationalen Finanzmärkten, wie der deutliche Anstieg der Renditen für Zinsprodukte belegt. Eine Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 25 Basispunkte im Juli gilt in die aktuellen Wertpapier- und Devisenkurse als eingepreist. Umso mehr schauen die Finanzmarktteilnehmer nun auf die Vereinigten Staaten, wo die Fed wieder einmal einen Strategieschwenk zu erwägen scheint. Nachdem sie in den vergangenen Monaten ihren Leitzins stark gesenkt hat, um ein Abgleiten der Wirtschaft in eine Rezession zu verhindern, deuten Aussagen ihres Gouverneurs Ben Bernanke nun darauf, dass sie wieder stärker auf die Inflationsgefahren achten will.

          Konjunktur in Amerika stabilisiert sich

          Nach Schätzungen aus Banken könnte die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten in den kommenden Monaten auf mehr als 5 Prozent steigen, und dass zu einem solchen Szenario kein Leitzins von 2 Prozent passt, ist offensichtlich. Und da die amerikanische Wirtschaft in diesen Wochen immer wieder Daten produziert, die auf eine Stabilisierung der Konjunktur deuten, beginnen die Finanzmärkte die Möglichkeit von Leitzinserhöhungen durch die Fed einzupreisen. Diese Aussicht ist ein Grund für die leichte Erholung des Dollar gegenüber dem Euro, zu der am vergangenen Freitag das gescheiterte EU-Referendum in Irland sowie Äußerungen des amerikanischen Finanzministers Henry Paulson beitrugen. Paulson bekräftigte das Interesse der Vereinigten Staaten an einem starken Dollar.

          Die Notierungen an den Terminmärkten zeigen, dass die Investoren bis zum Ende des 2. Quartals 2009 eine Erhöhung der amerikanischen Leitzinsen um 100 Basispunkte erwarten. Nach Ansicht der Großbank Société Générale ist das eine Erwartung, die von einer zu optimistischen Annahme über die Erholung der Konjunktur in den Vereinigten Staaten ausgeht. Die Analysten glauben daher auch nicht an eine kräftige Hausse des Dollar in diesem Jahr. „Das ist erst ein Thema für das Jahr 2009“, schreiben sie in einem Marktkommentar. Weiteren Aufschluss über die Lage der amerikanischen Wirtschaft könnten Zahlen zur Industrieproduktion (Dienstag) sowie der Konjunkturindex der Notenbank in Philadelphia (Donnerstag) liefern.

          Preissteigerungen mindern das Wirtschaftswachstum

          Die Aktienmärkte befinden sich derweil im Bann des Ölpreises. Der Dax verlor in der vergangenen Woche 0,6 Prozent; auf Sicht von zwei Wochen errechnet sich ein Minus von 4,7 Prozent. Der Ölpreis, der sich in der vergangenen Woche über 130 Dollar je Barrel (159 Liter) hielt, war auch ein Thema auf dem Treffen der G-8-Finanzminister in Tokio. Die Finanzminister warnten angesichts hoher Öl- und Nahrungsmittelpreise vor einem Kostenschub für die Weltwirtschaft, die das Wirtschaftswachstum unterminieren könne.

          Aktionen der Politik sind allerdings nicht zu erwarten: Paulson bekräftigte, dass der hohe Ölpreis das Ergebnis einer langfristig zunehmenden Nachfrage sei, der eine unzureichende Ausweitung des Angebots gegenüberstehe. Die Analysten von Morgan Stanley sagen kurzfristig einen Anstieg des Ölpreises auf 150 Dollar voraus.

          Im Gegensatz zu der Verunsicherung vieler großer Investoren steht eine Befragung der Großbank J. P. Morgan. Sie hat deutsche Anleger nach ihrer Einschätzung des heimischen Aktienmarktes befragt. Die Mai-Daten zeigen ein sehr viel optimistischeres Bild als in den Vormonaten. 42,8 Prozent der Befragten erwarten für die kommenden sechs Monate Kursgewinne, während sich nur 19,2 Prozent negativ äußerten. 38 Prozent waren unentschlossen.

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