https://www.faz.net/-gv6-6yvkh

Internationaler Finanzmarkt : Die Rückschlagsgefahr wächst

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nach einem guten Jahresauftakt rückt die Krise in Europa wieder ins Blickfeld. Der Bericht von den internationalen Finanzmärkten.

          3 Min.

          Die erste Reaktion war positiv. Das breit gefasste Aktienbarometer Stoxx Europe 600 legte am Freitag um 1 Prozent zu, nachdem die Finanzminister des Euroraums die Rettungsmittel gegen die Krise auf 800 Milliarden Euro beziffert hatten. Dabei wurde die sogenannte „Brandmauer“, die gefährdete Euro-Staaten vor Finanzierungsproblemen schützen soll, nur so hoch, weil schon verplante Beträge zu den neuen Krediten von 500 Milliarden Euro für den permanenten Krisenfonds ESM addiert wurden. Aber 800 Milliarden Euro sind eine Billion Dollar und diese fulminante Summe soll die Akteure an den internationalen Finanzmärkten positiv stimmen, die einen noch größeren Rettungsschirm gefordert hatten. Ob die wieder skeptischer gewordenen Marktteilnehmer damit länger als einen Tag beschwichtigt werden, ist aber fraglich. An den Finanzmärkten glaubt ohnehin niemand, dass diese Summe ausreichen wird, falls Länder wie Spanien ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Damit das nicht geschieht, hat die neue spanische Regierung jetzt ein drastisches Sparpaket vorgestellt. Die spanischen Aktienkurse reagierten am Freitag mit kräftigen Aufschlägen und auch die Renditen spanischer Staatsanleihen gingen wieder leicht zurück. Es war ein versöhnlicher Abschluss eines verpatzten Jahresauftakts: Im am Freitag zu Ende gegangenen ersten Quartal ist das spanische Aktienbarometer Ibex 35 um 6,5 Prozent gefallen. Spanien ist das einzige der großen Euro-Länder, dessen Aktienmarkt in diesem Jahr einen negativen Trend ausweist. Der Euro Stoxx 600 war trotz des spanischen Bremsklotzes im gleichen Zeitraum um 7,7 Prozent gestiegen. Jedoch war das europäische Barometer im März wegen der wieder zunehmenden Unsicherheit leicht gefallen. Eine wichtige Triebfeder der europäischen Indizes waren deutsche Aktien, deren Kurse gemessen am Dax im ersten Quartal um fast 18 Prozent gestiegen sind.

          An den europäischen Anleihemärkten hatten die Spannungen nach Monaten relativer Ruhe zuletzt auch wieder zugenommen. Die Renditen spanischer Staatspapiere mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren sind trotz des von der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Verfügung gestellten billigen Geldes im März wieder über 5 Prozent geklettert. Spanien, die viertgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union, hat weiter das Potential, für Unsicherheit und Rückschläge an den internationalen Finanzmärkten zu sorgen. „Ich glaube nicht, dass die Probleme in Spanien schon vollständig in den Aktienkursen reflektiert sind“, sagte Colin McLean vom britischen Vermögensverwalter SVM Asset Management. Denn angesichts einer Arbeitslosenquote von 20 Prozent dürften die geplanten Reformen der Regierung nicht einfach durchzusetzen sein. Ein Streik gegen die Sparpläne der Regierung hatte sich am Donnerstag sofort in Kursverlusten spanischer Anleihen und Aktien niedergeschlagen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der ADAC ist „nicht mehr grundsätzlich“ gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

          Tempolimit : Die freie Fahrt erhalten

          Hände weg von einem starren Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen. Es bringt nichts, beschneidet die Freude am Fahren, und außerdem gibt es schlauere Lösungen. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.