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Internationaler Finanzmarkt : Die Rückschlagsgefahr wächst

  • -Aktualisiert am

Der Chefvolkswirt der amerikanischen Großbank Citigroup, Willem Buiter, schätzt das Risiko einer spanischen Umschuldung inzwischen höher ein als zu Beginn der Krise. „Obwohl die EZB die Banken und Märkte in ein Meer der Liquidität getaucht hat, warnen wir davor, dass die zugrunde liegenden Probleme des spanischen Staates, der spanischen Banken und des Rests der spanischen Privatwirtschaft noch nicht angesprochen wurden“, schrieb Buiter. Die Maßnahmen der EZB, die europäischen Banken Mitte Dezember und Ende Februar insgesamt eine Billion Euro für drei Jahre zu Niedrigzinsen geliehen hatte, habe ein kurzes Aufflackern der Euphorie bewirkt. Damit sollte Zeit gewonnen sein, sich mit fundamentalen Ungleichgewichten wie der Entschuldung von Banken, Unternehmen und Haushalten zu befassen. Die Entscheidung der neuen spanischen Regierung, 100 Tage mit der Vorstellung der Haushaltspläne zu warten, habe den Ruf Spaniens auf den globalen Finanzmärkten aber nicht verbessert.

In Amerika, wo die Krise in Europa in den vergangenen Monaten wieder in den Hintergrund gerückt war, schlug sich der wiedergewonnene Optimismus in einem kräftigen Kursplus des Standardwerteindex S&P 500 von 12 Prozent im ersten Quartal nieder - der beste Auftakt seit 14 Jahren. Aber auch an den amerikanischen Aktienmärkten hat sich der Kursanstieg zuletzt verlangsamt. Das Potential für einen Rückschlag wächst und Europa könnte einen Anlass dafür bieten. Zudem hat Ben Bernanke, der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank, wiederholt vor einer verfrühten Hoffnung auf eine nachhaltige Konjunkturerholung gewarnt. Zwar ist die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten auf 8,3 Prozent gefallen und die Ausgaben der Verbraucher stiegen drei Monate in Folge. Ökonomen erwarten im Durchschnitt ein Wirtschaftswachstum von 2 Prozent in diesem Jahr. Aber die Lage im amerikanischen Häusermarkt, der in der Regel einen Aufschwung anführt, ist trotz kleiner Lichtblicke immer noch desolat.

Auch im vergangenen Jahr hatte im Frühling Aufbruchstimmung an der Wall Street geherrscht. Im zweiten Halbjahr wurden die Börsen dann von der Schuldenkrise in Europa heimgesucht. Die vorsichtigen Äußerungen Bernankes wurden von Börsianern zunächst goutiert, weil sie deswegen mit längerfristig niedrigen Zinsen rechnen. Das ist allerdings ein zweischneidiges Schwert, weil ein schwaches Wachstum auch die Gewinne der Unternehmen belastet, die ein entscheidender Faktor für den Trend der Aktienkurse sind. Konjunkturdaten und die Veröffentlichung des Protokolls der jüngsten Fed-Sitzung werden die kommende Handelswoche, die wegen des Karfreitags verkürzt ist, dominieren. Dazu steht am Mittwoch die Zinsentscheidung der EZB an. Analysten erwarten aber keine Änderung der Geldpolitik.

In den Vereinigten Staaten wird sich das Interesse der Anleger bald wieder auf die Bilanzsaison der Unternehmen für das erste Quartal richten. Analysten haben ihre Gewinnschätzungen zuletzt reduziert. Für das Gesamtjahr 2012 erwarten sie für die im S&P 500 abgebildeten Unternehmen jetzt nur noch ein Gewinnwachstum von 8,5 Prozent. Ungewöhnlich viele Unternehmen haben in den vergangenen Wochen vor einem enttäuschenden Quartal gewarnt. Einer der Gründe: das nachlassende Wachstum in Schwellenländern und in Europa.

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