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Internationaler Finanzmarkt : Die Kreditkrise zieht immer weitere Kreise

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Seine Antworten sind gefragt: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet Bild: dpa

An den Finanzmärkten wird befürchtet, dass viele Banken noch hohen Abschreibungsbedarf haben. Auch der Dollar macht nervös. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

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          Die Krise an den amerikanischen Immobilien- und Aktienmärkten zieht immer weitere Kreise. Die Gerüchteküche vermutet bei immer mehr Banken einen riesigen Abschreibungsbedarf - nicht nur auf Hypothekenanleihen und gehebelte Übernahmekredite (leveraged loans), sondern auch in Marktsegmenten wie Kreditkarten oder Hypotheken auf Gewerbeimmobilien. Zusätzliche Schwierigkeiten drohen durch den sich anbahnenden Konjunkturabschwung in den Vereinigten Staaten sowie durch die Dollar-Schwäche.

          Unter den Millionen amerikanischen Hypothekenschuldnern mit schwacher Bonität (Subprime) bahnt sich eine Welle von Zahlungsausfällen an. Noch im Juli hatte der für das Risikomanagement zuständige Vorstand der Deutschen Bank, Hugo Bänziger, das auf dieses Marktsegment entfallende Ausfallvolumen auf 60 bis 90 Milliarden Dollar veranschlagt. Vergangene Woche sprach Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, nun von 150 bis 250 Milliarden Dollar. Zwar verteilen sich die Verluste auf viele Schultern. Gleichwohl steht zu befürchten, dass den milliardenhohen Abschreibungen, über die einige Banken schon berichtet haben, weitere drastische Wertberichtigungen folgen. In Deutschland hat sich die Gerüchteküche auf die Deutsche Apotheker- und Ärztebank sowie die West LB als nächste mögliche Opfer der Krise eingeschossen.

          Es dürfte einige angenehme Überraschungen geben

          Mit großer Spannung werden nun die Berichte der Finanzdienstleister über das dritte Quartal erwartet. Den Auftakt macht am Montag die Münchener Rück. Danach folgen die Commerzbank mit ihrer Immobilien-Tochtergesellschaft Eurohypo, ING, Société Générale, Fortis, BNP Paribas und die Allianz, zu der die Dresdner Bank gehört. Insgesamt werden in der kommenden Woche nicht weniger als 14 Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex Dax ihr Quartalsergebnis vorlegen. Dank der guten Konjunktur der Weltwirtschaft und in Deutschland dürfte es dabei einige angenehme Überraschungen geben.

          Doch die Stimmung verdüstert sich rapide. Der europäische Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe ist von September auf Oktober von 53,2 auf 51,5 Punkte gefallen, der entsprechende deutsche Index sogar von 54,9 auf 51,7 Punkte - der schärfste Einbruch, seit dieser Index berechnet wird. Der deutsche Index für die Auftragseingänge sackte sogar unter die Marke von 50 Punkten ab und signalisiert damit eine Kontraktion. Dazu beigetragen hat die kräftige Aufwertung des Euro, die die Aussichten für das Exportgeschäft eintrübt.

          Trichet dürfte sich zunächst alle Optionen offenhalten

          Vor diesem Hintergrund erwarten praktisch alle Beobachter, dass der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag den Leitzins unverändert lässt. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Formulierungen im Kommuniqué und die Antworten von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in der anschließenden Pressekonferenz. Aus Stellungnahmen mehrerer Mitglieder des EZB-Rats lässt sich schließen, dass es dort einen Richtungsstreit gibt. Die eine Fraktion befürchtet, dass die Jahresrate der Inflation, die im Oktober überraschend stark auf 2,6 Prozent gestiegen war, wegen des Teuerungsschubs bei Öl und Nahrungsmitteln über Monate auf hohem Niveau bleiben wird; diese Fraktion, zu der Bundesbankpräsident Axel Weber zählt, drängt deshalb darauf, die Tür zu weiteren Leitzinsanhebungen weit offenzuhalten.

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