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Internationaler Finanzmarkt : Die Anleger lassen sich nicht mehr so leicht zufriedenstellen

Bessere Unternehmensergebnisse sind oft schon eingepreist. Das größer werdende Lager der Optimisten erwartet eine kontrollierte Abwertung des Dollar, keinen Crash.

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          Die Investoren werden anspruchsvoller. Je höher die Kurse klettern, desto bessere Kost verlangen sie, soll sich der Aufstieg fortsetzen. Mit den Unternehmensergebnissen die Vorhersagen der Analysten zu treffen, reicht nicht mehr. Die Aktienmärkte wollen sehen, daß der Blick der Unternehmenschefs in die Zukunft zuversichtlich ausfällt. Ansonsten drohen Kursrückschläge. Das amerikanische Auktionshaus Ebay und der Computerriese IBM machten in der vergangenen Woche diese Erfahrung. Die Anleger wandten sich von ihnen ab, weil die Manager die Zukunft nicht positiv genug einschätzen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Grund zur Klage haben die Investoren jedoch nicht, denn bisher gab es genügend Ausweichmöglichkeiten. Der Dow Jones-Index ist in der vergangenen Woche nur noch 2 Prozent von der 10 000-Punkte-Marke entfernt gewesen, der Dax hat sein Tief im März um über 60 Prozent hinter sich gelassen, und der britische FTSE-100 liegt um mehr als 1000 Punkte darüber. An der Wall Street fielen die Kurse am vergangenen Freitag zwar, doch die Wochenbilanz war noch leicht positiv. Die Unternehmensergebnisse haben mehrheitlich nicht enttäuscht. Überwiegend wird dies auch von dieser Woche erwartet, die viel neues Zahlenmaterial liefern wird.

          Finanzmärkte registrieren Reformanstrengungen positiv

          Die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Vereinigten Staaten verbessern sich. Für das dritte Quartal erwarten viele Analysten ein Wachstum von 6 Prozent. Diese Expansion scheint auch langsam Stellen zu schaffen, denn nach den harten Kostenschnitten erleben die Unternehmen nun auch höhere Nachfrage. Die amerikanischen Haushalte sind zwar weiter verschuldet, haben durch Umschuldung ihrer Hypotheken auf niedrig verzinste Kredite aber ihren finanziellen Spielraum ausgeweitet. Auch die steigenden Aktien verbessern ihre Vermögensposition. So könnten die Steuersenkungen der Regierung Bush im kommenden Jahr auf fruchtbaren Boden fallen, zumal wenn die gewachsene Produktivität sich in steigenden Reallöhnen niederschlägt. Diese allgemeine Aufhellung hat auch dazu geführt, daß wieder mehr Ausländer amerikanische Aktien kaufen.

          In Europa werden sich an diesem Mittwoch die Blicke auf die jüngsten Sitzungsprotokolle der Bank von England richten. Von den großen Zentralbanken könnte die "Old Lady" an der Londoner Threadneedle Street als erste die Zinsen erhöhen, nachdem statistische Meßfehler gezeigt haben, daß die britische Wirtschaft in diesem Jahr doppelt so stark gewachsen ist als angenommen. Die Europäische Zentralbank dagegen dürfte sich noch bis weit ins nächste Jahr Zeit lassen, meinen viele Beobachter. An den Finanzmärkten wird positiv registriert, daß Deutschland und Frankreich nun Reformanstrengungen unternehmen. Doch diese werden sich nicht rasch in Wachstum umschlagen. Die Banque de France warnte in der vergangenen Woche davor, daß das französische Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr nur um 0,2 Prozent zunehmen werde. Ihre Laune wollen sich die europäischen Anleger dennoch nicht verderben lassen. Mehr als symbolisch steht dafür, wie locker sie die große Kapitalerhöhung der Münchener Rück weggesteckt haben.

          Blick richtet sich auf Asien

          Wie die bevorstehenden Währungsverschiebungen verkraftet werden, muß sich indes noch weisen. Die meisten Investoren rechnen mit einer weiteren Abschwächung des Dollar, und das größer werdende Lager der Optimisten erwartet eine kontrollierte Abwertung, keinen Crash. In dieser Woche wird die Aufmerksamkeit erneut Präsident Bush gelten, der in Asien für eine Freigabe der dortigen Währungen plädiert. Japan hat zwar offiziell ein Einlenken abgelehnt, aber viele Marktbeobachter glauben, daß die Verantwortlichen das Interventionsniveau von 115 Yen je Dollar auf 110 Yen verschoben haben und eine weitere stufenweise Stärkung der japanischen Währung hinnehmen werden. Jetzt richtet sich der Blick auf Staaten wie Südkorea und Taiwan, deren Währungen sich aufgrund von staatlichen Eingriffen in jüngster Zeit kaum bewegt haben.

          Und dann natürlich China: Das Riesenreich wächst immer rascher. Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt um 9,1 Prozent zu, gegenüber 6,7 Prozent im zweiten Quartal. Goldman Sachs schätzt, daß China 2007 ein größeres Bruttoinlandsprodukt erzielen wird als Deutschland. Das Reich im Osten ist ein solches Kraftzentrum geworden, daß es wesentlich zum weltweiten Aufschwung der Rohstoffpreise beiträgt, besonders seit seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation 2001. Von Aluminium und Zink über Vieh bis Baumwolle stellten sich in der vergangenen Woche Rekordhöhen ein.

          Doch die Chinesen halten ihre Währung, den Renminbi oder auch Yuan genannt, gegenüber dem Dollar stabil und damit künstlich niedrig, nach Schätzungen mancher Analysten um 30 bis 40 Prozent gegenüber dem Marktniveau. Dafür verkaufen sie massenweise die eigene Währung und blähen damit zu Hause die Geldmenge auf. Dieses Regime ist langfristig nicht haltbar. Dennoch erwarten die Fachleute überwiegend keine rasche Aufgabe der Dollarbindung, weil zu große Risiken für das Bankensystem bestehen. In diesem Ton fielen auch die offiziellen Stellungnahmen anläßlich Bushs Besuch in China aus.

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