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Insiderhandel : SEC schießt sich auf Hedge-Fonds ein

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Wegen möglicher Weitergabe von Insiderinformationen an Hedge-Fonds hat die amerikanische Börsenaufsicht SEC eine breitangelegte Untersuchung begonnen. Haben Bankangestellte Investoren vorab über große Transaktionen informiert?

          3 Min.

          Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat eine breitangelegte Untersuchung von potentiellem Insiderhandel an der Wall Street begonnen. Amerikanischen Presseberichten zufolge will die SEC ermitteln, ob Angestellte von Banken an der Wall Street Informationen über große Wertpapiertransaktionen vorab an gute Kunden, etwa an Hedgefonds, weitergegeben haben. Insiderhandel, Wertpapiergeschäfte aufgrund nicht öffentlicher Informationen, ist illegal. Die SEC hat von großen Investmentbanken an der Wall Street, unter anderen Merrill Lynch, Morgan Stanley, der Schweizer UBS und der Deutschen Bank umfangreiche Informationen über Aktien- und Optionsgeschäfte im vergangenen September angefordert. Die Ermittlungen sind in einem frühen Stadium.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Hauptzielscheibe der SEC-Ermittlungen scheinen einmal mehr Hedgefonds zu sein, die bislang wenig regulierten Anlagevehikel für reiche Privatanleger und Institutionen. Große Fondsgesellschaften verdächtigen Hedge-Fonds seit geraumer Zeit, von nichtöffentlicher Kenntnis ihrer Aktienaufträge zu profitieren. „Wir untersuchen, ob ein System dahintersteckt. Wir sammeln Fakten und es ist noch zu früh, um Schlüsse zu ziehen“, sagte Lori Richards, die bei der SEC für derartige Untersuchungen zuständig ist.

          Negative Auswirkungen auf gesamtes Finanzsystem

          Versuche der SEC, die Regulierung von Hedgefonds zu verschärfen, sind bisher weitgehend gescheitert. Zwar hatte die SEC vor einem Jahr die Registrierung von Hedge-Fonds verfügt, was Offenlegungspflichten und regelmäßige Kontrollen bedeutet hätte. Ein Berufungsgericht hob diese Regularien aber auf, nachdem ein Hedge-Fonds-Manager dagegen geklagt hatte. Der SEC-Vorsitzende Christopher Cox hatte danach angekündigt, die „Betrachtungsweise der Aktivitäten von Hedgefonds neu bewerten“ zu wollen.

          Will Insidern an den Kragen: SEC-Chef Cox
          Will Insidern an den Kragen: SEC-Chef Cox : Bild: REUTERS

          Die Debatte um stärkere Kontrolle der Hedgefonds ist eine Konsequenz des starken Wachstums der Branche. Fachleute schätzen, dass Hedge-Fonds mittlerweile über ein Drittel des Handelsvolumens an den meisten großen Börsen stellen. Kritiker der Branche sorgen sich im Fall einer Schieflage bei großen Fonds um negative Auswirkungen auf das gesamte Finanzsystem. Im Kongress ist die Regulierung von Hedge-Fonds ebenfalls ein Thema: In einer der beiden Kammern, dem Repräsentantenhaus, plant Barney Frank, Vorsitzender des Finanzdienstleister-Ausschusses, dazu Anhörungen.

          „Diese Leute sollten alle ins Gefängnis“

          Die Aufsichtsbehörden sorgen sich ohnehin um zunehmenden Insiderhandel, weil die Zahl der Unternehmensfusionen und die Nutzung von komplexen Termingeschäften gestiegen ist. Studien deuten darauf hin, dass das Handelsvolumen vor Ankündigung kursbewegender Nachrichten häufig ungewöhnlich stark zunimmt.

          Bei den aktuellen Ermittlungen der SEC geht es um sogenanntes „Front-Running“. Das funktioniert meist so: Kauft beispielsweise eine Fondsgesellschaft einen großen Block Aktien, etwa vom Computerhersteller Dell, geschieht das über ein Wertpapierhaus, einen Broker. Da große Transaktionen die Aktienkurse bewegen, könnte ein Händler bei einem Hedgefonds, der darüber informiert ist, vorher Dell-Aktien kaufen und bei Ausführung der Order des Fonds von dem folgenden Kursanstieg profitieren. Die Fondsgesellschaft bekommt dann aber möglicherweise einen schlechteren Preis, wenn die Order des Hedge-Fonds den Kurs schon vorher hat steigen lassen.

          „Wenn eine Investmentbank einem Hedge-Fonds einen Tipp über eine Transaktion gibt, die wir mit Dell-Aktien machen wollen, dann sollten diese Leute alle ins Gefängnis wandern“, sagte Andrew Brooks, Chef der Fondsgesellschaft T. Rowe Price gegenüber der Zeitung „New York Times“. „Wir sind absolut besorgt wegen des Durchsickerns von Informationen“, sagte er weiter.

          Informationsanforderung unter Strafandrohung

          Die Hedge-Fonds-Branche fühlt sich zu Unrecht verdächtigt. „Wir beteuern unseren gemeinsamen Einsatz für faire und wettbewerbsfähige Märkte, in denen die unrechtmäßige Nutzung nichtöffentlicher Informationen nicht toleriert wird“, teilte der Fondsbranchenverband Managed Funds Association im vergangenen Jahr mit. Anlass waren damals Ermittlungen wegen der Nutzung von Informationen durch Hedge-Fonds im Kreditmarkt.

          Zudem untersucht die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft derzeit, ob von zwei Analysegesellschaften bezahlte Berater nicht öffentlich zugängliche Informationen an Hedge-Fonds weitergegeben haben. Die SEC untersucht ebenfalls in mehreren Fällen, ob Hedge-Fonds derartige Hinweise erhalten haben.

          Die Generalstaatsanwaltschaft New York hat unter Strafandrohung Informationen von den beiden Analysegesellschaften Gerson Lehrman Group und Vista Research sowie von deren Kunden aus der Hedge-Fonds-Branche angefordert. Gerson Lehrman und Vista, die zum Informationsdienstleister und Ratingagentur Standard & Poor's gehören, vermitteln Experten an Investoren. Zu diesen Fachleuten gehören sowohl ehemalige als auch aktuelle Angestellte von Unternehmen.

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